Werders Tag der Fans Die guten alten Zeiten

Werders Europapokal-Helden von 1992 haben sich 25 Jahre nach dem Sieg gegen den AS Monaco beim Tag der Fans ausgiebig feiern lassen - und das Bad in der Menge sichtlich genossen.
06.08.2017, 07:00
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Die guten alten Zeiten
Von Christoph Sonnenberg

Erst singt nur einer, dann zwei, dann drei, und am Ende singen sie alle. Über 20 Männer stehen auf einer Treppe hinter dem Park Hotel und singen „We won se cup“. Erst leise, dann immer lauter, bis sie es aus voller Kehle schmettern. In den Händen halten sie den Europapokal der Pokalsieger und in den Gesichtern tragen sie ein Leuchten. Für kurze Zeit ist es ein bisschen wie vor 25 Jahren, als eben diese Männer den silbernen Pott in den nächtlichen Himmel von Lissabon gereckt haben. „We won se cup“ haben sie auch damals gesungen. Und nun, am „Tach der Fans“, sind alle wieder in Bremen versammelt, um die guten alten Werder-Zeiten zu beschwören.

Und fast alle sind gekommen. Otto Rehhagel, Klaus Allofs, Rune Bratseth, Wynton Rufer, Marco Bode. Von der ersten Mannschaft, die damals im Finale den AS Monaco bezwang, fehlte nur Uli Borowka. Das Präsidium ist dabei, sogar Klaus Wedemeier, 1992 Bremens Bürgermeister. Sie alle sind da, um in Erinnerungen zu schwelgen. Und die Werder-Anhänger in Erinnerungen schwelgen zu lassen.

Sie machen das gut. Wie sie schon damals ziemlich viel ziemlich gut gemacht haben. Diese Mannschaft hat ja nicht nur 1992 den Europapokal gewonnen. Ein Jahr danach ist sie Deutscher Meister geworden, und zwei Jahre darauf gewann sie den DFB-Pokal. In der langen, ruhmreichen Vergangenheit Werder Bremens ist diese Mannschaft vielleicht die beste. Ganz sicher ist sie die erfolgreichste. Um diese Mannschaft zu würdigen, hat der Klub sie zum 25-jährigen Europapokal-Jubiläum nach Bremen eingeladen. Die kleine Gesangseinlage am Park Hotel gehörte dabei nicht zum offiziellen Programm, sie war improvisiert.

Bereits vergangenen Freitag trafen die alten Helden in Bremen ein. In Grothenn's Gasthaus gab es das erste Stelldichein. „Da wurde schon der eine oder andere Spaß über das Aussehen gemacht“, sagt Klaus Allofs. Grau sind sie alle geworden, schlank sind die meisten geblieben. Der Fußball hat sie fit gehalten, vermutet Allofs. „Wer sich mit Fußball beschäftigt, ist viel unterwegs. Das hält fit, das sieht man dann auch an der Figur.“

Am Sonnabendvormittag gab es einen Empfang im Park Hotel. Ein paar Reden wurden gehalten, noch mehr Anekdoten erzählt. Es gab ein kleines Buffet auf der Hotelterrasse. Dann wurde ein Foto mit allen Spielern, Trainer, Vorstand und Betreuern gemacht. Und danach ging es im „Stadtmusikanten-Express“ durch die Innenstadt und das Viertel ins Weserstadion. Ein kleiner weißer Zug auf einer Reise in die Vergangenheit.

Wie dieser kleine Umzug ankommen würde, war nicht ganz klar. „Wir wussten nicht, wie die Reaktion der Menschen sein würde. Ob sie uns überhaupt erkennen“, sagt Allofs. 25 Jahre sind eine lange Zeit. Und der Tag der Fans ist eine Familienveranstaltung. Ein Umzug ohne Reaktionen der Menschen am Straßenrand wäre jedoch eine traurige Angelegenheit gewesen. Aber dann warteten ein paar hundert Menschen vor dem Bremer Theater, als der Express vom Wall ins Viertel einbog. Sie klatschen und riefen und begleiteten den weißen Zug. Und König Otto reckte die ganze Zeit den großen, glänzenden Pokal.

Der Umzug endete auf einer großen Bühne am Weserstadion. Dort wurden die Helden von früher einzeln nach oben gebeten, jeder bekam seinen Applaus. Und in manchen Momenten war es nicht ganz leicht zu unterschieden, wer sich mehr freut. Die Fans, die ihren Idolen von früher zujubeln konnten. Oder die Idole, die noch mal auf einer Bühne stehend von ihren Fans bejubelt werden. Viele Anhänger reckten ihre Smartphones in die Luft und filmten. Umgekehrt hielten auch einige Spieler ihre Telefone in Händen. Manfred Bockenfeld, Rune Bratseth oder Jürgen Rollmann filmten diese Momente ebenfalls. Und sie genossen sie sichtlich, die Zuneigung der Fans.

Vielleicht holten sie nach, was es vor 25 Jahren nicht gegeben hat. „Damals“, erinnert sich der frühere Schatzmeister Manfred Müller, „sind wir mit einem Pferdewagen durch die Neustadt gezogen. Da standen aber bloß 350 Menschen. Die Euphorie war einfach noch nicht so groß. Vielleicht haben sie es deshalb so genossen, sich 25 Jahre später noch mal richtig feiern zu lashelden von Lissabon sen.“

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Am Nachmittag wurde dann in der Ostkurve ein Wandgemälde enthüllt. Rehhagel zieht einen schwarzen Vorhang beiseite, darunter verbirgt sich eine Karte Europas mit allen Spielorten auf dem Weg ins Finale. In einer Raute sind alle Namen der Spieler verewigt. Und das Antlitz Rehhagels ist zu sehen, wie er den Europapokal in die Höhe reckt. Klub-Präsident Hubertus Hess-Grunewald hält eine Laudatio. Der Abend endet mit einem Essen im Restaurant Pumpenhaus.

„Es wäre gelogen zu sagen, dass man so einen Tag nicht genießt“, sagt Allofs. Auch für die Spieler von damals ist es ein besonderer Tag, an dem viele Erinnerungen hochkommen. „Zurück im Park Hotel zu sein, in Bremen zu sein, das sind die guten alten Zeiten. Jeder von uns weiß, dass es in Bremen schön ist.“

Besonders schön gemacht hatte sich Jürgen Rollmann. Der Torwart, damals im Finale für den gesperrten Oliver Reck im Einsatz, trug das dunkelgrüne Sakko, welches 1992 zur offiziellen Kleidung des Vereins gehörte. Seine Mitspieler rätselten das ganze Wochenende, ob er es extra für diesen Tag aus dem Schrank geholt hatte, oder er schlicht kein anderes besitzt und es deshalb immer noch trägt. Verraten wollte Rollmann es nicht.

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