Werder Bremen Die Krise setzt sich fest

Bremen. Thomas Schaaf ist weiterhin Trainer des SV Werder Bremen. Klaus Allofs ist weiterhin Sportchef. Am Weserstadion wird weitergebaut, es wird kein Spieler ge-, keiner verkauft, der Verein wird nicht aufgelöst. Was ist sonst los bei Werder? Das Protokoll eines Tages.
25.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Die Krise setzt sich fest
Von Olaf Dorow

Bremen. Um es gleich vorwegzunehmen: Thomas Schaaf ist weiterhin Trainer des SV Werder Bremen. Klaus Allofs ist weiterhin Sportchef. Am Weserstadion wurde weitergebaut, es wurde kein Spieler ge-, keiner verkauft, der Verein wurde nicht aufgelöst. So weit die Nachrichtenlage eines Tages, den es sich dennoch lohnte, so exakt wie möglich zu protokollieren.

Es war immerhin der erste Tag nach dem großen R(h)einfall zu Köln, an dem der gesamte Werder-Betrieb seine Arbeit wieder aufnahm. Der erste richtig echte Tag danach sozusagen, wenn man den Sonntag mal ausklammert, welcher ja doch nur aus ein bisschen Auslaufen und einer allgemeinen Schockstarre bestand. Insgesamt war es die Krise, Tag 146, wenn man den Beginn der Werder-Krise auf jenen 21. August 2010 legt, an dem Werder in Hoffenheim ein unschönes 1:4 einfuhr.

Der Tag danach also begann gestern Morgen mit einem Stück Pappe. Eine gute Handvoll Männer hatte sich vor dem Tor des Weserstadions zusammengefunden, und zwar dort, wo die Werder-Profis seit halb zehn in der Kabine saßen. Einige Männer waren schon etwas älter, auf jeden Fall waren es überwiegend zornige Männer. Einer stellte ein circa 60 mal 80 Zentimeter großes Pappschild auf, auf dem in schwarzer Schrift zu lesen war: "Schaaf+Allofs raus!"

Höchstwahrscheinlich war es anders gemeint, aber Schaaf und Allofs und die Spieler kamen erst mal nicht raus aus der Kabine. Die kleine Zelle des Widerstandes verschwand gegen halb zwölf, auch die Rückseite der Pappe hatte ja immer noch kein Werderaner gelesen bislang ("Schönreden. Verkacken. Weiterrumpeln."). Viertel vor zwölf schmiss ein Fan die Protestpappe in die Büsche, dort blieb sie unbeachtet bis zum frühen Abend liegen - und um fünf vor zwölf kam dann Klaus Allofs aus der Kabine. Hoffnungsfroh eilten die frierenden Reporter auf ihn zu, aber ein Gespräch kam leider nicht zustande. "Ich habe nichts zu sagen", wehrte der Werder-Chef ab.

Es dauerte eine ganze Stunde, ehe die Reporter dann wirklich mit jemandem sprechen konnten. Ein erster Versuch bei Claudio Pizarro schlug noch fehl ("Ich werde hier gar nichts sagen, fragt die anderen"), aber Aaron Hunt stellte sich, wenn auch mit übersichtlicher Freude daran. Er hielt, wenn auch kein flammendes, aber doch ein klares Plädoyer für den Trainer. In einer mehr als dreistündigen Videoanalyse habe Schaaf den Spielern die Fehler von Köln aufgezeigt.

Eine Krisensitzung sei das also gar nicht gewesen, sagte Hunt über das, was alle Welt Krisensitzung nannte. Irgendwie hat dieses Wort auch seinen Schrecken verloren; zu viele Krisensitzungen hatte Werder in dieser schlimmen Saison doch schon. Ob die Fehleranalyse per Videobeweis schlimm gewesen wäre, wurde Tim Wiese am Abend von den Reportern gefragt. "Nee", sagte Wiese da, "darin sind wir ja geschult." Natürlich würde der Trainer die Mannschaft noch erreichen, sagte Hunt noch, und über die Gemütslage der womöglich meistdiskutiertesten Personalie der Stadt sagte er immerhin: "Man merkt ja auch, dass er völlig unzufrieden ist."

Das merkte man in der Tat, als zwei Stunden später dann wirklich auf dem Trainingsplatz gearbeitet wurde. Nur 13 Spieler sah man dabei. Auch Denni Avdic, Felix Kroos und Sandro Wagner übten wie Onur Ayik oder Leon-Aderemi Balogun bei der U-23-Mannschaft. Die U 23 spielt heute gegen Ahlen. Avdic, Kroos und Wagner sollen Spielpraxis erhalten, es sei eine "günstige Gelegenheit", meinte später Co-Trainer Wolfgang Rolff. Das stimmt bestimmt und klingt nur logisch, trotzdem könnte es den Werder-Freund etwas traurig stimmen: Der neue Stürmer, der auf Hugo Almeida folgte, muss zunächst mal in der dritten Liga aufgebaut werden, die jungen Wagner und Kroos müssen es auch, trotz ihrer Einsätze im Profiteam.

Das Training am Nachmittag: Laute Kommandos schallten durch die Pauliner Marsch, man war hochkonzentriert bei der Sache. Immer wieder ging Schaaf dazwischen. Korrigierte. Brüllte. "Geh dagegen! Dagegen!! IMMER WIEDER!!! DAGEGEN!!!!" So ging das fast anderthalb Stunden lang. Resignation eines Trainers sieht anders aus. Werder trainierte so, wie die Mannschaft in Köln hätte spielen sollen. Das mag man bewerten, wie man will, aber so war es gestern.

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