Werder Bremen Die Mannschaft gibt Schaaf weiter Rätsel auf

Bremen. Die Fans im Bremer Weserstadion kamen beim 2:2 gegen Tottenham Hotspur voll auf ihre Kosten. Bei Spielern und Verantwortlichen halten sich Freude und Ärger über das Spiel die Waage. Nur Keeper Tim Wiese war nach den beiden frühen Gegentoren maßlos verärgert.
15.09.2010, 12:42
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Bremen. Die Fans im Bremer Weserstadion kamen beim 2:2 gegen Tottenham Hotspur voll auf ihre Kosten. Vier Tore, offensiver Fußball, eine starke Aufholjagd und Spannung bis zum Schlusspfiff. Doch was die Zuschauer begeistert, kann die Beteiligten in den Wahnsinn treiben. Und so freute sich Tim Wiese nur sehr begrenzt über das Ein-Punkt-Happy-End nach einer dieser fast schon typischen Aufholjagden im Weserstadion.

Er schimpfte vielmehr nach dem Abpfiff: "Das war Kasperle-Theater in den ersten 30 Minuten." Und ironisch fügte der Werder-Keeper an: "Wahrscheinlich war das ein Erschöpfungssyndrom."

Wiese war stinkesauer. Er musste schon früh die Gegentreffer durch Petri Pasanen (12./Eigentor) und Peter Crouch (18.) hinnehmen. "Das war schlecht", schimpfte der Tormann, der später Schlimmeres verhinderte: "Wir spielen hier schließlich nicht in der Oberliga, sondern in der Champions League." Aber Werder ist eben Werder - und gibt sich so schnell nicht geschlagen.

"Die Erleichterung überwiegt", kommentierte Klubchef Klaus Allofs die Treffer von Hugo Almeida (43.) und Marko Marin (47.), die einen Punkt retteten und den Fehlstart verhinderten. "Wenn man nach einem 0:2 noch zurückkommt, dann ist das ein Riesenergebnis." Allofs wirkte entspannt und bezeichnete sich als "zufrieden, wenn man die ersten 20 Minuten ausklammert". Mit Blick auf das folgende Champions-League- Spiel bei Titelverteidiger Inter Mailand sieht er sein Team auf dem richtigen Weg.

Unterhaltung, Spannung und eine überraschende Wendung sind fast garantiert, wenn die Bremer im Europokal spielen. Trainer Thomas Schaaf, der sich über Fehler wie zu Beginn der Partie maßlos ärgert, hat sich damit aber nicht abgefunden. "Es ist so, dass man sich immer wieder fragt, wie kann so etwas passieren." Die eigene Mannschaft gibt dem Coach weiterhin Rätsel auf.

Werder bleibt eine Wundertüte

Aber sie erfreut den Coach natürlich auch. "Das ist eine große Qualität, dass die Mannschaft nicht aufgibt und dass sie noch was reißen kann. Darüber kann man sehr positiv sprechen." Das tat denn auch Kapitän Torsten Frings, der ebenfalls das Aufbäumen lobte: "Da haben wir unser wahres Gesicht gezeigt und sind so aufgetreten, wie man es von Werder kennt."

Zum wahren Gesicht von Werder gehören allerdings seit vielen Jahren auch die haarsträubenden Abwehrfehler und die unerklärlichen Konzentrationsmängel. Und zum wahren Werder-Gesicht gehört, dass sich die Bremer meistens selber in solche Ausgangssituationen manövrieren, die wundersame Wendungen notwendig machen.

Zu den Bremern gehört aber auch, dass sie sich weder von Verkäufen von Weltklasse-Spielern wie Mesut Özil aufhalten lassen noch von Ausfällen. Immerhin fehlten gegen Tottenham die wichtigen Stammspieler Per Mertesacker, Naldo und Claudio Pizarro. Anderseits: Auch mit den dreien ist Werder immer für Überraschungen gut - für positive wie negative.

Was am Ende eines solch aufwühlenden Europapokal-Abends im Weser- Stadion überwiegt? Die Freude über die Aufholjagd oder der Ärger über die Stümpereien am Anfang? "Ich kann mich noch nicht entscheiden", antwortete der Trainer grinsend: "Ich bin so wie das Ergebnis - unentschieden." (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+