Das Fußball-Unternehmen Werder (2) Ein Dukatenesel als Verlustbringer

Beim zweiten Teil unseres Blicks auf den Werder-Konzern und seine Töchter geht es um Fanartikel und Gesundheit. Und das Merchandising entpuppt sich dabei als durchaus schwieriger Bereich.
15.11.2015, 00:00
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Ein Dukatenesel als Verlustbringer
Von Thorsten Waterkamp

Der Tag, an dem Stürmer-Star Claudio Pizarro nach Bremen zurückkehrte, war ein Festtag. Am Flughafen hatten ihn mehr als 300 Fans begrüßt, schon da ließ sich erahnen, was auf die Mitarbeiter im Fanshop zukommen würde: Festtage fürs Merchandising.

Ganz so einfach scheint das Geschäft mit Hemden und Hosen, Schnullern oder Schals allerdings nicht zu sein. Das jedenfalls sagt Werder-Chef Klaus Filbry beim Blick auf die Bilanz jenes Tochterunternehmens, bei dem Gewinne eigentlich programmiert sein sollten. Beim zweiten Teil unseres Blicks auf den Werder-Konzern und seine Töchter geht es um Fanartikel und Gesundheit.

Werder Bremen Fan-Service GmbH

Nein, 2012/13 und 2013/14, das waren keine guten Jahre für die Fan-Service GmbH. Dabei hat die 100-prozentige Werder-Tochter eigentlich die Lizenz zum Gelddrucken. Sie vertreibt alles an grün-weißen Devotionalien, wovon der Fußballkunde träumt – nur hat das ausweislich der Geschäftsbilanzen jener Jahre nicht geklappt. Auf ein Minus von 539.982 Euro folgte ein Minus von 595.021 Euro.

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Klaus Filbry liefert die Erklärung. Die Fan-Service GmbH habe mit den Folgen sportlicher Misserfolge zu kämpfen gehabt: Es gab „eine geringere Nachfrage“, außerdem habe man in den fetten Jahre „zu mutig eingekauft“. Das Sortiment habe dann zu reduzierten Preisen verkauft werden müssen. Wie sehr sportlich schwierige Zeiten auf die Attraktivität von Fanartikeln wirken, hatte sich nach 2010, Werders letztem guten Jahr, angekündigt. Mit einem Jahresüberschuss von nur noch 193 756 Euro (2010/11) und 67 005 Euro (2011/12) waren die Zahlen aber zumindest noch schwarz. Viel besser waren die Jahre davor gelaufen: Die Kassierer zählten die Euro im Akkord – mal mehr als eine halbe Million Euro (2008/09), mal rund ein Dreiviertelmillion (2009/10; 2007/08) oder sogar über eine Million Euro Gewinn (2006/07) machten aus dem Fan-Shop einen Dukatenesel.

Immerhin, aktuell zeichnet sich eine Wende zum Besseren ab: Im vergangenen Geschäftsjahr soll es wieder einen Gewinn von mehreren 100.000 Euro gegeben haben – und das sogar noch ohne Pizarro. Einnahmequellen: Fanartikelverkauf

E&W Elko&Werder Security GmbH

Mit der Sicherheitsfirma passt Werder quasi auf sich selbst auf. Doch die Mitarbeiter sind nicht nur am Weserstadion im Einsatz, sie werden laut Eigenwerbung unter anderem auch zur VIP-Betreuung, zum Personenschutz und zu Chauffeurdiensten eingesetzt. Wirtschaftlich spielt sie für Werder eine eher untergeordnete Rolle. Einnahmequellen: Stellung von Sicherheitspersonal

Rehazentrum Bremen GmbH

Noch hält die Werder GmbH & Co. KG am Rehazentrum Bremen, das am Klinikum Links der Weser untergebracht ist, 49 Prozent. Aber nicht mehr lange: Zum 31. Dezember, also in sechseinhalb Wochen, wird die zwei Jahrzehnte alte Zusammenarbeit zwischen Werder und einem professionellen medizinischen Dienstleister enden. Der Geschäftsführer des Rehazentrums, Werders Ex-Mannschaftsarzt Götz Dimanski, weiß davon, „offizielle Dinge“ habe Werder aber „noch nicht angeleiert“.

Schon vor drei Jahren war das Sporthep, eine 100-Prozent-Tochter der Bremer Fußballfirma, mit dem Rehazentrum fusioniert. Die Räumlichkeiten des Sporthep im Weserstadion waren im Zuge des Umbaus aufgelöst worden. Seine Physiotherapeuten für Nachwuchs und Profis hatte Werder bis dahin über das Rehazentrum bezogen – dort waren sie angestellt, ihre Arbeit für die Fußballer wurden Werder in Rechnung gestellt. Heute beschäftigt Werder seine Physiotherapeuten selbst. Der Klub hält diese Umstrukturierung für wirtschaftlich günstiger und medizinisch sinnvoller. Einnahmequellen: Ambulante Reha-Maßnahmen, Physiotherapie, Orthopädie, Kardiologie, Prävention, Kurstraining

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