WESER-KURIER-Kolumne von Arnd Zeigler Ein Lob für den FC St. Pauli

Bremen. In seiner WESER-KURIER-Kolumne macht sich Arnd Zeigler für Werder Bremens nächsten Gegner FC St. Pauli stark. Ein angenehmer Verein, schreibt Zeigler: Wäre da nur nicht immer dieses alberne Gerede vom "Kult-Klub".
21.04.2011, 09:07
Lesedauer: 2 Min
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Bremen. Um das mal ganz klar zu sagen: In der heutigen Zeit gibt es kaum ein tumberes Wort als „Kult“. Und deshalb werde ich auch den Teufel tun und euren Verein aus meiner grünweißen Sicht hier als „Kult-Klub“ bezeichnen, liebe Fans des FC St. Pauli. Und ich habe die dumpfe Ahnung, dass vielen von euch das selbst auch gehörig auf die Nüsse geht, dieses „Kult“-Gefasel. Und der nächste Journalist, der es für originell hält, dieses Schrott-Klischee von: „Ui, beim Kiezklub, jaaahaa, da sitzt der Banker in Nadelstreifen neben dem Punk aus der Hafenstraße auf der Tribüne!“ zu bringen, bekommt von mir einen Bierbecher an die Rübe.

Einigen wir uns doch darauf, dass ihr ein besonderer Klub seid, den man gut mögen kann, und den man als Bremer ja ohnehin mögen muss, HSV und so, ihr versteht schon. Außerdem gibt es immer mal Berührungspunkte zwischen unseren Vereinen: Max Kruse und Timo Schultz aktuell, früher Klasnic und Wehlage, noch früher Hansi Bargfrede und Matthias Ruländer. Alles Spieler, die beide Trikots trugen. Und durch die Bank sehr angenehme Erinnerungen. Sogar an Dieter Schlindwein, der den Freizeitsportlern auf der Tribüne immer das wohlige Gefühl gab: „Wenn der für Werder in der Bundesliga auflaufen kann, dann kann ich es auch noch schaffen, trotz meiner 56 Jahre!“

Auch mich selbst verbindet mit dem FC St.Pauli ganz Besonderes. Ich bin Werder-Fan ganz exakt seit der Saison 1977/78. Ausgelöst wurde das damals durch ein paar Besuche beim Training, und obwohl sich die Wege eures und meines Vereines zwischenzeitlich mal sehr weit trennten, lagen wir damals eng zusammen: Beide spielten wir in der Bundesliga, beide gehörten wir zu den ganz dicken Abstiegskandidaten, beide waren wir arm wie Kirchenmäuse und beide mussten wir mit einem winzigen und wenig glamourösen Kader den Überlebenskampf in der Liga bestreiten.

Mich hat das als Fan für immer geprägt, und euch prägt es bis heute. Und weil wir damals gleich am ersten Spieltag aufeinandertrafen, war mein allererstes Spiel als Werder-Fan gleichzeitig euer erstes Bundesligaspiel überhaupt. Millerntor, Franz Gerber vorne, Rynio im Tor, ein Didi-Demuth-Elfmeter-Festival und am Ende ein 3:1 für euch als Aufsteiger.

Im Rückspiel haben wir uns dann revanchiert. Ihr wart 17. und wir 16. mit einem Punkt Vorsprung, und an einem unglaublich arschkalten Wintertag in einem kümmerlich besetzten Weserstadion haben wir euch 4:0 weggefegt. Von diesem Spiel weiß ich heute immer noch, dass ich unten in der Ostkurve am Zaun stand, Horst Feilzer ein bizarres Eigentor schoss und selbst Kalli Kamp eine Bude machte, schön unter die Latte, was ja wahrlich nicht oft geschah.

„Arschkalt“ ist ein gutes Stichwort. Beim berühmten Schneespiel war ich natürlich auch. Grummel. Für Werder-Fans ist es so etwas wie die Stadt Alesiafür die Gallier in Asterix – der Ort einer schmerzhaften Niederlage. „NIEMAND WEISS, WO ST. PAULI LIEGT!!“ Kein Wort von mir über dieses Spiel. Aber ich habe den FC St. Pauli immer gerne spielen sehen. Egal ob in den Niederungen der 3. Liga auf unserem beschaulichen Platz 11 des Weserstadions oder im Fernsehen. Das Hackentor von Rüdiger Wenzel im Derby gegen den HSV 1989 zählt zu den schönsten Toren, die ich je gesehen habe.

Bleibt, wie ihr seid. Ich beneide euch nicht um den Spagat, authentisch und dennoch im Profifußball erfolgreich sein zu wollen. Das ist eine hammerharte Aufgabe für eure Führungscrew. Aber die schaffen das. Und ihr lasst bitteschön an diesem Spieltag die Punkte gegen uns liegen, als späte Wiedergutmachung für Alesia.

Zur Person: Arnd Zeigler(45) ist Moderator bei Radio Bremen. Er ist bekannt aus Funk und Fernsehen durch sein Format „ Zeiglerswunderbare Welt des Fußballs“.

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