Hess-Grunewald lobt Werder-Fans

"Ein offenes und positives Klima in der Kurve"

Er sei zwar nicht immer einer Meinung mit den Ultras, aber Hubertus Hess-Grunewald schätzt die Fans als "kritischen und harten Dialogpartner". Das sagte der Werder-Präsident der "taz am Wochenende".
17.06.2017, 12:57
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"Ein offenes und positives Klima in der Kurve"

Die Choreografien der Werder-Fans hob Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald lobend hervor.

nordphoto

Hubertus Hess-Grunewald hat Werders Fans ein großes Lob ausgesprochen. "Wir haben eine sehr differenzierte Ultra-Szene, aber bei allen gibt es einen antirassistischen Grundkonsens, der ein offenes und positives Klima in der Kurve erzeugt", sagte der Vereinspräsident.

Dass Rechtsextreme in der Ostkurve des Weserstadions keine Rolle spielen, sei ein Verdienst der Fanszene im Allgemeinen und der Ultras im Besonderen. Zudem würde der Verein "Rechte niemals dulden", wie Hess-Grunewald in der "taz am Wochenende" betonte. "Rechte Transparante würden wir unterbinden und gegen die Personen, die sie verwendet haben, vorgehen." Sollten Rechte trotzdem im Stadion auftauchen, würde der Werder-Präsident Auseinandersetzungen zwischen den Fans befürchten. "Aber Selbstjustiz kann ich nicht gutheißen", mahnte er.

Hess-Grunewald nahm auch Stellung zu den polizeilichen Ermittlungen, weil eine Choreografie der Ultra-Gruppe "Cercle d'Amis" vor dem letzten Heimspiel der abgelaufenen Saison gegen Hoffenheim gewaltverherrlichend gewesen sein soll. Die Gruppe feierte ihr 15-jähriges Bestehen, indem sie ihr Logo zeigte, auf dem ein Vermummter mit Steinschleuder zu sehen ist. Werder hatte dies im Vorfeld genehmigt. "Wir haben keinen Aufruf zu Straftaten gesehen", unterstrich Hess-Grunewald. "Das gezeigte Emblem begleitet sie seit Jahren. Diese Gruppe ist noch nie gewalttätig im Stadion aufgefallen."

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Dass der Dialog mit den Ultras nicht immer einfach für den Verein sei, sagte Hess-Grunewald aber auch. "Bei Pyrotechnik und Gewalt haben wir mit einigen Ultras unterschiedliche Auffassungen, die offenbar nicht überbrückbar sind." Insgesamt schätze er die Ultras jedoch für ihre Choreografien und den organisierten Support. "Außerdem sind sie ein kritischer und harter Dialogpartner, pochen auf Fanrechte und diskutieren mit uns", betonte der Werder-Präsident.

Das Interview mit Hess-Grunewald ist Teil mehrerer Sonderseiten in der "taz am Wochenende", die sich mit rechten Tendenzen in den Fanszenen der Nordklubs befassen. Unter dem Titel "Fankurve wird nazifrei" würdigt die Zeitung dabei die Entwicklung in Bremen. Der Überfall von rechten Hooligans im Jahr 2007 auf eine Feier der linksgerichteten Ultragruppe "Racaille Verte" im Ostkurvensaal habe zu einem Umdenken auf allen Ebenen geführt. "Werders Fanszene befindet sich seitdem im Umbruch - immer weniger junge Fans haben Lust auf rechte Parolen, Sprüche und Gewalt im Stadion", schreibt die "taz am Wochenende". "In der Folge gründete der Verein eine Antidiskriminierungs-AG, das Fanprojekt hörte auf, die Augen bei rechtsradikalen Thor-Steinar-Klamotten zuzudrücken." (crb)

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