Werder Bremen zurück im Abstiegskampf Ein Rückschritt zur falschen Zeit

Bremen. Nichts ist in dieser Werder-Saison so verlässlich wie der Rückschritt. Weil das Team am Freitag gegen den VfL Wolfsburg komplett den Dienst verweigert hat, muss Bremen noch einmal zittern - und auf Meister Borussia Dortmund hoffen.
02.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein Rückschritt zur falschen Zeit
Von Oliver Matiszick

Bremen. Der 15. Mai 2004 war ein denkwürdiger Tag im Weserstadion. Es war der 33. Spieltag jener Saison und es trat auf: der in der Woche zuvor frisch gekürte Meister namens Werder Bremen. Die vom Meisterrausch verkaterte Mannschaft - teilweise mit grün-orange gefärbten Haaren angetreten - verlor in den 90 Minuten vor Übergabe der Schale mit 2:6 gegen Leverkusen; und es war so egal wie nur was. Auch am 33. Spieltag dieser Saison, am kommenden Sonnabend, wird der frisch gekürte Meister im Weserstadion zu sehen sein: Borussia Dortmund. Dass sich der BVB in seinem Spiel danach in ähnlicher Verfassung präsentieren wird wie einst sie selbst - die Bremer können nur darauf hoffen. Vielleicht müssen sie es sogar.

Denn dieses 0:1 gegen den VfL Wolfsburg, es war ein Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten. Zwar war auch in den acht Partien zuvor, die samt und sonders nicht verloren worden waren, selten geglänzt worden - aber es war gearbeitet und gekämpft worden. "In den Vorwochen haben wir mangelnde Kreativität durch Laufbereitschaft ausgeglichen - dieses Mal hat das gefehlt", fasste es Sportchef Klaus Allofs zusammen. Dieser Mangel hatte die gleichen unliebsamen Folgen gezeigt wie in Zeiten der tiefsten Krise: Das Mittelfeld generierte keine Ideen, der Sturm bekam folglich keine Chancen und in der Abwehr reichte eine Unaufmerksamkeit, um entscheidend in Nachteil zu geraten. "Wir wollten uns befreien", sagte Kapitän Torsten Frings mit Blick auf den vergebenen Matchball in Sachen Abstiegskampf, "jetzt sind wir stattdessen wieder mittendrin. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben."

Acht Heimspiele, nur ein Sieg

Wie es dazu kommen konnte, obwohl die Bedeutung der Partie allen bewusst und zuvor immer wieder hervorgehoben worden war? Ratlosigkeit. Per Mertesacker flüchtete sich in Ironie. "Vielleicht wollten wir es selber noch mal spannend machen und uns noch nicht rausziehen aus dem Abstiegskampf...", sagte Werders Abwehrchef. Berechtigt sei sie allemal gewesen, diese nun schon zwölfte Saisonniederlage: "Denn der letzte Wille zum Tor hat gefehlt."

Dabei hatte - auf lediglich einer Position verändert - jene Werder-Mannschaft auf dem Platz gestanden, die in der Woche zuvor in Hamburg einen 0:1-Rückstand noch zu einem 3:1-Sieg gemacht hatte. Doch diese eine Position hatte es in sich: Sandro Wagner. Der Stürmer hatte bis zuletzt auf seinen Einsatz gehofft, aufgrund einer Bänderzerrung dann aber am Spieltag doch passen müssen - der Wechsel auf Marko Arnautovic brachte das zuvor funktionierende, aber fragile Werder-System zum Absturz. "Es zeigt, dass wir als Gruppe noch lange nicht so gefestigt sind, um solche Ausfälle wegzustecken", sagte Allofs.

Das Wort Ausfall ließ sich in diesem Fall gleich doppelt anwenden. Angesprochen hatte Allofs den Ausfall Wagners, als Ausfall ließ sich aber auch das Wirken von dessen Ersatzmann Arnautovic bilanzieren. Der Österreicher hatte zwar ähnlich viele Ballkontakte wie Claudio Pizarro, sein Nebenmann im Angriff, spielte sogar einige Pässe mehr als der (jedoch mit einer weniger guten Erfolgsquote) - doch bezeichnend war das Zweikampfverhalten. Arnautovic suchte sie überhaupt nur neunmal (Pizarro: 19), ganze zwei davon gewann er auch - eine katastrophale Quote. "Nicht gut", bewertete Sportchef Allofs dann auch die Leistung des Offensivspielers. "Wir wissen", sagte er, "dass Marko eine Menge lernen muss - und das hat dieses Spiel nochmals unterstrichen."

Und nicht nur das. Es unterstrich zudem die besorgniserregende Entwicklung hin zu einem veritablen Heimkomplex der Bremer. Nur eine der bisher acht Rückrundenpartien vor eigenem Publikum konnte mit einem dreifachen Punktgewinn abgeschlossen werden - es war zum Auftakt Mitte Januar, als Hoffenheim geschlagen wurde. Und das, man erinnert sich, noch eben so durch einen Treffer weit in der Nachspielzeit. "Das ist keine gute Heimbilanz", räumte Allofs ein, "aber es ist ja nicht so, dass unsere Spieler rausgehen und das in den Köpfen haben. Aber wenn wir das jetzt thematisieren, werden wir das mit einem Heimkomplex auch noch hinbekommen - und haben diese Saison noch etwas, das wir abarbeiten können..."

Doch es bleibt ja ohnehin nur noch eine Partie im Weserstadion übrig. Eben die gegen Meister Dortmund gleich am Sonnabend dieser Woche. "Ein schönes Spiel", blickte Per Mertesacker voraus, "ich freue mich jetzt schon drauf." Allofs, sein Vorgesetzter, erwartet beim nächsten Anlauf, jede Abstiegsgefahr auch theoretisch zu bannen, nicht weniger, als dass die Mannschaft "das Messer zwischen den Zähnen" hat. "Denn wenn wir noch einmal so spielen wir gegen Wolfsburg", schwante Allofs, "dann könnten die Dortmunder auch eine Woche lang die Meisterschaft feiern - und wir würden trotzdem nicht gewinnen."

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