Interview Fanbeauftragte bereiten sich auf das Derby vor

Bremen. Dieter Zeiffer und Mike Lorenz sind die Fanbeauftragten von Werder Bremen und dem Hamburger SV. Vor dem Derby am Samstag haben sie sich getroffen, um sich auf das Spiel im Weserstadion vorzubereiten. Mit Christian Palm sprachen sie über die Rivalität zwischen ihren Vereinen.
24.09.2010, 09:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Palm

Bremen. Dieter Zeiffer und Mike Lorenz sind die Fanbeauftragten von Werder Bremen und dem Hamburger SV. Vor dem Derby am Samstag haben sie sich getroffen, um sich auf das Spiel im Weserstadion vorzubereiten. Mit Christian Palm sprachen sie über die Rivalität zwischen ihren Vereinen und ihre persönlichen Derby-Erlebnisse.

 

Zwei Tage vor dem Derby haben Sie sich im Weserstadion getroffen. Was gab es zu bereden?

Zeiffer:Der DFB hat das Spiel Werder-HSV als Risiko-Spiel eingestuft. Deshalb besprechen wir alles, was mit der Sicherheit rund um die Partie zu tun hat, zum Beispiel, was die Fans mit ins Stadion nehmen dürfen.

Lorenz:Heute ging es hauptsächlich um die Situation vor und nach dem Spiel. Wir haben vor allem darüber gesprochen, wie die HSV-Fans zum Stadion und zurück kommen. Daneben gibt es auch Treffen mit der Bremer und Hamburger Polizei.

Schade, dass das alles nötig ist, oder?

Lorenz:Ja, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es bei diesem Spiel zurzeit nicht anders möglich ist.

Haben Sie die Hoffnung, dass sich das demnächst wieder ändern wird?

Zeiffer:Klar, deshalb sitzen wir ja hier zusammen. Es wird aber nie ein normales Spiel sein. Hamburger und Bremer werden nie Hand in Hand durch die Straßen gehen. Eine bestimmte Brisanz soll ja auch in diesen Derbys drin stecken. Die soll sich aber auf die sportliche Seite beschränken. Wir glauben daran, dass wir es hinkriegen, dass sich die Situation wieder entspannt. Beide Vereine, beide Fan-Projekte haben alles getan, damit es friedlich bleibt. Steuern und lenken können wir aber leider nichts. Wir können nur versuchen, auf alles vorbereitet zu sein.

Wo ist die Grenze zwischen gewünschter Brisanz und ungewoller Rivalität?

Lorenz:Wie vor dem Spiel am vergangenen Wochenende gegen St. Pauli sagen wir, dass es dazu gehört, sich gegenseitig zu 'piesacken'. Das macht solche Duelle aus und den Unterschied zu Spielen gegen Rot-Weiß Oberhausen oder den MSV Duisburg. Es darf aber niemals in körperliche Gewalt ausarten.

Aber Sprechchöre sind in Ordnung?

Zeiffer:Es ist nicht unsere Aufgabe, die Fans in ihrem Wesen zu verändern. Es wird Sprechchöre geben, zum Teil auch unter die Gürtellinie. Uns sind solche Fan-Gesänge lieber, als dass sich draußen geprügelt wird. Wir können nicht von den beiden Fan-Gruppen erwarten, dass sie sich so mögen, wie Mike Lorenz und ich. Das ist aber auch nicht Sinn der Sache. Und für uns ist die Rivalität derzeit sogar recht angenehm, denn anders als in den 80er Jahren stand Werder seit Jahren am Ende fast immer vor dem HSV.

Es muss die HSV-Fans doch ärgern, dass die kleinere, ärmere Stadt mit ihrem Club ständig vor Hamburg landet, oder?

Lorenz:Ärgern ist übertrieben, aber gibt sicher schönere Szenarien, die ich mir vorstellen könnte.

Was verbinden Sie heute noch mit dem Namen Adrian Maleika, dem 17-jährigen Werder-Fan, der 1982 vor einem Spiel in Hamburg tödlich von einem Stein getroffen wurde?

Lorenz:Ich bin zu jung, um das direkt mitbekommen zu haben. Wir haben aber zum Beispiel im letzten Jahr in unserer Abteilungs-Zeitung einen Bericht dazu gehabt. So etwas darf nie wieder passieren.

Zeiffer:Dem kann ich nur zustimmen. Ich musste das miterleben, es war ein schwarzes Kapitel für Bremen und Hamburg und für alle deutschen Fußball-Fans. Einerseits ist es wie eine Mahnung, andererseits finde ich es aber schade, dass der Vorfall von den Medien immer wieder hervor gekramt wird. Tote gab es seitdem nicht mehr, und in den Jahrzehnten danach haben wir sehr viel dazu gelernt. Ich finde es schlecht, den Vorfall von damals hochzuspielen. Eher sollte man auch daran erinnern, dass sich schon in den siebziger Jahren HSV- und Werder-Fans friedlich zum Kicken getroffen haben.

Wie sieht es denn heute aus. Gibt es solche zarten Bande zwischen den Fan-Gruppen?

Lorenz:Ja, zum Beispiel treffen sich vor dem Spiel die beiden U18-Fan-Auswahlen und treten gegeneinander an.

Zeiffer:So wollen wir junge Leute gewinnen und ihnen zeigen, dass es auch anders geht, als es von den Medien oft dargestellt wird.

Was fällt Ihnen an persönlichen Derby-Erlebnissen ein?

Zeiffer:Vom sportlichen her bewerte ich das sensationelle 4:0 in Hamburg von 2001 noch höher als den berühmten April 2009 mit den drei Werder-Siegen gegen den HSV. Dieses 4:0 war ein Riesenerlebnis. Außerdem fällt mir noch eine Kurven-Show ein: Beim HSV hieß es: 'Wie sind das Tor zur Welt'. Unsere Antwort war: 'Aber wir haben den Schlüssel dazu'. Klasse, wie die beiden Fan-Gruppen da kreativ wurden.

Lorenz:Sportlich habe ich leider nur zwei negative Erlebnisse mit Werder zu bieten. Zum einen den besagten April. Das war nicht schön. Außerdem ist mir noch in Erinnerung, wie Ailton 2006 sein Bremer Herz zeigte und am letzten Spieltag neben das Tor schoss. Wir haben deshalb den direkten Einzug in die Champions League verpasst.

Zeiffer:Geschafft habt ihr den Sprung aber trotzdem noch.

Lorenz:Ja, und zur Qualifikation durften wir nach Pamplona reisen.

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