Werder Bremen Fans mit Handicap leiden unter Stadionumbau

Bremen. Der Umbau des Weserstadions bringt für alle Beteiligten Probleme mit sich - auch für die behinderten Zuschauer. Für Rollstuhlfahrer stehen im Moment deutlich weniger Plätze zur Verfügung und die Wege vom Parkplatz ins Stadion sind länger als sonst.
21.09.2010, 18:31
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Palm

Bremen. Die Ostkurve hat kein Dach, die Mannschaft keine anständige Umkleidekabine. Der Umbau des Weserstadions bringt für alle Beteiligten Probleme mit sich - auch für die behinderten Zuschauer. Für Rollstuhlfahrer stehen im Moment deutlich weniger Plätze zur Verfügung und die Wege vom Parkplatz ins Stadion sind länger als sonst. Bei einer Podiumsdiskussion im Weserstadion tauschten sich am Montagabend Betroffene aus.

Schlechte Karten haben derzeit Rollstuhlfahrer, die sich kurzfristig entscheiden, ein Spiel im Weserstadion anzuschauen. Wegen des Umbaus stehen statt 127 nur 100 barrierefreie Plätze zur Verfügung. Weil dafür allein 90 Dauerkarten ausgegeben wurden und zehn Prozent des Kontingents an die Gäste-Fans geht, können nur Tageskarten in den freien Verkauf gehen, wenn Dauerkarteninhaber ihr Ticket für ein Spiel zurückgeben. Das seien zu wenige, um alle Kartenwünsche zu erfüllen, berichtete am Montag Alexandra Lüddecke, Werder Bremens Behindertenbeauftragte.

Weil außerdem die eigentlich reservierten Parkplätze am Weserstadion mit Baumaterial belegt sind, sind die Wege ins Stadion im Moment weiter als sonst. Er müsse jetzt zudem an den Bussen der Gäste-Fans vorbei, beklagte sich ein gehbehinderter Werder-Anhänger. Das sei nicht immer ein Vergnügen.

Empfehlungen statt Regeln

Die Zeiten, in denen Rollstuhlfahrer bei Wind und Wetter am Spielfeldrand unter freiem Himmel ausharren mussten, sind vorbei. Besonders die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 habe viel gebracht, sagte Thomas Vorberger, der 2003 den Werder-Fanclub 'The Wheelers' ins Leben rief. Durch die Renovierungsarbeiten habe sich die Situation in vielen Stadien verbessert, genauso wie die Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Der Liga-Verband tut sich allerdings schwer mit verbindlichen Regeln, hat aber Empfehlungen für die Vereine herausgegeben. Darin heißt es zum Beispiel, dass in Stadien mit einer Kapazität zwischen 30000 und 50000 Zuschauern mindestens 75 Plätze für Rollstuhlfahrer geeignet sein sollten. Diese Vorgabe erreicht das Weserstadion selbst während des Umbaus noch.

In einem Aspekt hinkt Werder allerdings der Entwicklung bei anderen Vereinen hinterher. In Bremen erhalten Zuschauer erst ab einem Behinderungsgrad von 70 Prozent Karten zum ermäßigten Preis. In anderen Stadien ist dies schon ab 50 Prozent der Fall. 'Da sollte man bei Werder mal drüber nachdenken', sagte am Montag Jochen Dohm, der Vorsitzende der 'Bundes Behinderten Fan Arbeitsgemeinschaft', kurz BBAG. Fußball sei eine einfache Möglichkeit, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. Es müsse sich aber jeder leisten können, ins Stadion zu gehen. 1976 habe es im Weserstadion gerade mal fünf Plätze für Rollstuhlfahrer gegeben, gab Lüddecke zu bedenken. Heute gibt es zudem zehn Sitze, die für sehgeschädigte Anhänger reserviert sind. Über Kopfhörer sind sie mit einem Kommentator verbunden, der extra für sie das Geschehen auf dem Platz in Worte fasst.

Gerade verhandele sie mit dem Verein, auch für gehörlose Zuschauer Plätze zu reservieren. Ihnen würde es zudem weiterhelfen, wenn künftig mehr Durchsagen auch schriftlich über die Anzeigetafel kundgetan würden, sagte Holger Jegminat, Anhänger des HSV und Mitglied des Hamburger Gehörlosen-Fanclubs.

Auch nach dem Umbau werden die behinderten Werder-Fans vom Club 'The Wheelers' beim Stadionbesuch mit kleinen und größeren Widrigkeiten zu leben haben. Ihren Banner, zum Beispiel, dürfen sie auf der Nordgeraden nicht vor ihren Plätzen aufhängen - dort würde er nämlich einen Teil der Werbebande verdecken, berichtete Vorberger.

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