Wiedwald im Wartestand Neuer Verein oder Karriereende? Werders Ex-Keeper setzt sich Frist

Vor der Partie seiner beiden Ex-Klubs Werder und Frankfurt hat Felix Wiedwald über seine Zeit in Bremen, ein ganz besonderes Spiel sowie ein mögliches Karriereende gesprochen.
23.08.2022, 18:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus

Natürlich hatte er damit gerechnet, an diesem Ort den einen oder anderen alten Bekannten zu treffen. Schließlich war das Weserstadion lange seine sportliche Heimat gewesen. Überrascht war Ex-Werder-Torhüter Felix Wiedwald kurz vor dem Bremer Heimspiel gegen den VfB Stuttgart dann aber doch – denn den Mann, der plötzlich vor ihm stand, hatte er an der Weser nicht erwartet: Marco Russ.

„Es war schön, ihn mal wiederzusehen“, berichtet Wiedwald, der mit Russ nach seiner ersten Zeit bei Werder einst gemeinsam für Eintracht Frankfurt gespielt hat, sprich für jenen Klub, der seinen ehemaligen Teamkollegen nun zur Gegnerbeobachtung nach Bremen entsandt hatte. Kein Wunder also, dass beide Männer neben den guten, alten Zeiten schnell ein weiteres Gesprächsthema fanden – nämlich die Partie zwischen Werder und Frankfurt am kommenden Sonntag, die für Wiedwald nach wie vor eine besondere ist.

Felix Wiedwald sucht neuen Verein in der Nähe

„Jeder weiß doch, dass ich Werderaner durch und durch bin“, sagt der 32-Jährige im Gespräch mit unserer Deichstube – und betont: „Auch die Zeit in Frankfurt war sehr schön und prägend für mich.“ Gleich mehrfach heuerte der Schlussmann während seiner Karriere bei beiden Klubs an und verfolgt ihre Wege noch immer aufmerksam. Seit dem Sommer heißt Wiedwalds Realität nun wieder Werder, wo er sich in der U 23 fit hält und darauf hofft, noch mal einen neuen Verein zu finden. Druck macht er sich dabei nicht.

„Es muss schon alles passen. Ich baue im Bremer Umland gerade ein Haus und möchte eigentlich nicht mehr so weit von der Familie weg sein“, berichtet Wiedwald, der in der vergangenen Rückrunde beim Zweitligisten SV Sandhausen als Ersatzmann unter Vertrag stand, ohne Einsatz blieb und danach zurück in den Norden wollte. Seitdem sind unter anderem Angebote aus Bulgarien und Rumänien auf seinen Tisch geflattert, Abenteuer, auf die sich Wiedwald am Ende seiner Laufbahn nicht mehr einlassen möchte. „Ich hatte eine schöne Karriere und habe bei großen Vereinen gespielt. Das möchte ich im Kopf behalten“, sagt der Achimer, der sich eine Frist gesetzt hat. Bis zum 31. Januar 2023 darf Wiedwald als vertragsloser Spieler in der laufenden Saison noch wechseln. „Wenn bis dahin nichts dabei war, kann es gut sein, dass aktiver Fußball nur noch ein Hobby von mir ist.“

Lesen Sie auch

Es sind erste Gedanken ans Ende der Karriere, die den ehemaligen Werder-Jugendspieler bis in die Bundesliga geführt hat, zu einem großen Traditionsklub nach England und in die Europa League. 2011 ging es für Werders damaligen Reservetorhüter zum MSV Duisburg, 2013 dann weiter zu Eintracht Frankfurt, ehe Wiedwald 2015 als Stammkraft an die Weser zurückkehrte. 59 Bundesligapartien bestritt der Keeper in den folgenden zwei Jahren für seinen Herzensverein. Eine davon hat er bis heute wie einen Spielfilm in seinem Kopf abgespeichert. Und es passt ziemlich gut zu Wiedwalds Karriere, dass es ausgerechnet ein Spiel gegen Eintracht Frankfurt war.

Felix Wiedwald erinnert sich an besonderes Spiel mit Werder Bremen

14. Mai 2016: Am letzten Spieltag gastieren die Hessen in Bremen, für beide Klubs geht es um alles. Die Rettung? Die Relegation? Der direkte Abstieg? Möglich ist jedes der Szenarien. Am Ende bleibt Werder dank eines 1:0-Erfolgs Bundesligist, und Frankfurt muss in die Relegation, die das Team von Trainer Niko Kovac schließlich gegen Nürnberg gewinnt. „Wir haben die Rettung gefeiert, als hätten wir die Meisterschaft gewonnen“, erinnert sich Wiedwald, „diese Bilder werde ich niemals vergessen“. Was damals keiner ahnen konnte: In den folgenden Jahren sollten sich Werder und Frankfurt in entgegengesetzte Richtungen entwickeln. Während es für die Eintracht, den amtierenden Europa-League-Sieger, peu à peu bergauf ging, führte der Bremer Weg bis runter in die zweite Bundesliga, aus der der Verein nach einem Jahr gerade erst zurückgekehrt ist. „In Frankfurt wurden in den vergangenen Jahren viele gute Entscheidungen getroffen“, sagt Wiedwald. Seine eigene aus dem Jahr 2020 meint er damit ausdrücklich nicht.

Lesen Sie auch

2017 war Wiedwald von Werder zu Leeds United in die zweite englische Liga gewechselt, um ein Jahr später nach Frankfurt zurückzukehren. In Kevin Trapp und Frederik Rönnow hatte der Ex-Bremer dort zwei Kontrahenten vor sich, entschied sich deshalb 2020 für einen Wechsel zum FC Emmen in die Niederlande, um von dort aus mit ansehen zu müssen, dass auch Rönnow Frankfurt noch verließ. „Aus heutiger Sicht war es eine Fehlentscheidung von mir. Aber das gehört manchmal auch dazu“, sagt Wiedwald. Aktuell ist er einfach froh darüber, wieder bei Werder trainieren zu können. „Das ist eben mein Verein“, betont Wiedwald, der sich gut vorstellen kann, nach dem Karriereende eine Aufgabe bei Werder zu übernehmen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+