Werder Bremen im DFB-Pokal Finale - was denn sonst?

Bremen. Es gibt viele gute Gründe, warum Werder am Dienstag zum zehnten Mal ins Endspiel des DFB-Pokals einziehen wird. Aber auch die Augsburger haben vor dem "Spiel des Jahres" ihre Argumente gesammelt. Wir tragen das Halbfinale in zwei Kommentaren aus.
22.03.2010, 09:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Ben Binkle

Bremen. Die Bremer sind ja gar nicht so. Eintracht Frankfurt darf gerne mal im Weserstadion gewinnen, zur Not auch der FC Bayern - und wenn Hannover 96 dort einen Punkt holt, dann löst das nicht mehr als ein Schulterzucken aus. Das passiert, das ist die Bundesliga. Geht es aber um den DFB-Pokal, wird der Bremer gnadenlos: Nichts und niemand darf sich zwischen Werder und die Trophäe stellen.

Die Teilnahme am großen Saisonfinale in Berlin wird in Bremen gemeinhin als Fan-Grundrecht angesehen. Bereits neun Mal stand Werder im Endspiel, sechs Mal nahmen sie den großen Goldpokal mit an die Weser, fünf Mal allein in den letzten 20 Jahren. Der Satz, dass Werder Bremen eine echte Pokalmannschaft sei, ist nicht ganz korrekt: Sie sind - neben dem ohnehin überall führenden FC Bayern - diedeutsche Pokalmannschaft schlechthin.

Nun also der FC Augsburg. Ein Zweitligist, aber immerhin ein Aufstiegsaspirant. Wahrscheinlich spielt Augsburg schon in dieser Saison besseren Fußball als einige Bundesligisten. Doch gilt das auch für den FC St. Pauli und den 1. FC Kaiserslautern. Diese beiden Aufstiegskandidaten waren in der aktuellen Pokalsaison bereits im Weserstadion zu Gast. Mal locker (3:0 gegen Lautern), mal knapp (2:1 gegen St. Pauli) nahm Werder die Hürden. Überlasse ich es generös Thomas Schaaf, den Gegner zu loben. Soll doch Torsten Frings sagen, dass man Augsburg "auf keinen Fall unterschätzen" werden. Dafür werden sie bezahlt, das ist ihr Job. Die Bremer Bürger hingegen bleiben gewohnt ruhig - aus historischen Gründen.

Zwar gibt es weder in den Statuten des DFB, noch in der Bremer Vereinssatzung einen Passus, der Werder die Teilnahme am Pokalfinale grundsätzlich sichert, doch könnten die Vereinsbosse, sollte es denn am Dienstag mit der zehnten Endspielteilnahme klappen, so langsam auf das Gewohnheitsrecht plädieren. Und wer daran zweifelt, ist HSV-Fan.

Ein goldenes Buch ohne Werder-Eintrag? Undenkbar!

Pokalspiele in Bremen haben zudem ihre ganz eigene Magie. Den Titel im Vorjahr holte Werder noch komplett auswärts, in dieser Spielzeit klebt das jahrelang fehlende Losglück den Bremer an den Schuhen wie sonst nur Mesut Özil der Ball. Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren gab es zuletzt ein Halbfinale gegen einen Zweitligisten im Weserstadion. Der VfB Lübeck schlug sich achtbar, ging in der Verlängerung sogar in Führung, musste sich dann aber dem Naturgesetz beugen: Niemand stellt sich zwischen Werder und das Endspiel in Berlin.

In der Hansestadt steht Pokalspezialist Werder allerdings unter Druck: Seit dem 1. März hat die Stadt Bremen ein neues "Goldenes Buch" im Rathaus ausliegen. Anders als bei den vier Vorgängern hat Werder Bremen darin noch nicht unterschrieben. Das wird natürlich höchste Zeit. Der 16. Mai, Tag nach dem Pokalfinale in Berlin, wäre geradezu ideal dafür. Finden jedenfalls die Bremer, die sonst ja gar nicht so sind.

Lesen Sie hierdie Augsburger Antwort von Tilmann Mehl.

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