Werders Frauen-Trainerin im Interview Chadia Freyhat: "Wir sind ein Superteam"

Es ist vollbracht: Einen Spieltag vor Ende der 2. Bundesliga Nord sicherten sich die Kickerinnen von Werder Bremen den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Im Interview spricht Trainerin Chadia Freyhat über das Team unden Erfolg.
19.05.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Es ist vollbracht: Einen Spieltag vor Ende der 2. Bundesliga Nord sicherten sich die Kickerinnen von Werder Bremen dank eines 4:0-Erfolges bei Holstein Kiel den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Ein großer Erfolg, auch für die Trainerin. In ihrem zweiten Jahr als Chefcoach gelang Chadia Freyhat, wonach sie sich bei Werder so lange gesehnt hatten. Mit Stefan Freye sprach die 32-Jährige über die Aufstiegsentscheidung und die Emotionen, von denen die spontanen Feiern begleitet wurden. Allerdings ging es auch um ein unangenehmes Thema, denn die Berufssoldatin muss ihren Posten nach dieser so erfolgreichen Saison aus beruflichen Gründen zur Verfügung stellen.

Frau Freyhat, Sie sprachen am Sonntagabend davon, dass dieser Erfolg wohl erst am Montag zu realisieren sei. Ist Ihnen das nun gelungen?

Chadia Freyhat: Zumindest ein Stück weit mehr als noch nach dem Spiel in Kiel. Aber es ist immer noch irre. Ich habe immer davon geträumt, einmal in der ersten Liga anzutreten, schon als Spielerin. Es nun geschafft zu haben, ist der Wahnsinn.

Wie haben Sie den Jubel am Sonntagabend erlebt?

Nach der Rückfahrt aus Kiel wurden wir am Weserstadion begrüßt und haben dann gleich am Bus erst einmal weitergefeiert. Danach ging‘s ins Viertel, und das war höchst emotional. Es gibt ja auch einige Spielerinnen, mit denen ich noch auf dem Platz gestanden habe, und manche hatten den Traum vom Aufstieg zwischenzeitlich schon verworfen. Dabei waren Spielerinnen wie Lisa-Marie Scholz oder Stephanie Goddard ja extra nach Bremen gekommen, um in die erste Liga aufzusteigen. Das ist nun der Fall – und das ist ein überragendes Gefühl.

Vermutlich macht die wechselhafte Saison den Aufstieg noch ein bisschen schöner. Wie schätzen Sie die vergangenen Monate ein?

Wir hatten einen Bombenstart, der beste, den wir je hatten. Nach sechs Siegen in Folge wurden wir bereits zum Aufsteiger erklärt. Zwischendurch, und dieses Problem hatten wir bereits in der letzten Saison, haben wir aber zu viele Gegentore bekommen. Hätten wir das noch ein bisschen besser abgestellt, hätten wir auch noch Lübars gekriegt. Danach waren wir jedenfalls ein Stück entfernt von der Tabellenspitze. Aber auf den ersten Plätzen hat jeder jeden mal geschlagen, und deshalb waren wir bald wieder dran am Aufstiegsplatz. Ich denke, wir haben auch die beste Bilanz in den Spitzenspielen.

Sie sprechen die Krise an: In den fünf Partien vor und nach der Winterpause kassierte ihre Mannschaft drei Niederlagen. Wie sind Sie aus diesem Tal herausgekommen?

Wir haben unser Ziel nie aus den Augen verloren und waren ja auch nicht so weit weg von der Tabellenspitze. Bei den ersten Niederlagen kam allerdings Unruhe auf. Aber die Mannschaft ist so gewachsen, dass sie unruhige Zeiten gut wegstecken kann. Wir sind ein Superteam und sind sehr professionell mit dieser Zeit umgegangen, genauso wie ich sehr direkte und ehrliche Gespräche geführt habe. Am Ende haben wir immer an unser Ziel geglaubt.

Neben Torfrau Anna Bockhorst, die aus der eigenen Jugend kam, wurde die Stammelf der vergangenen Saison eigentlich nur durch Marie-Louise Eta ergänzt. Haben Sie mit der erfahrenen Mittelfeldspielerin das erforderliche Puzzleteil gefunden?

Ich würde es nicht allein an Loui festmachen. Es ist die Kombination aus der Entwicklung einzelner Spielerinnen und die punktuelle Verstärkung im vergangenen Sommer. Wir haben insgesamt große Fortschritte gemacht, und dazu hat sicher auch die Entwicklung der bereits vorhandenen Teile dieser Mannschaft beigetragen.

Dann kommen wir nun zu der merkwürdigsten Geschichte dieses Aufstiegs: Die Mannschaft geht in die erste Liga, aber Sie dürfen nicht. Denn der DFB erwartet einen hauptamtlichen Trainer, und Sie sind als Berufssoldatin gebunden. Wie ist Ihr Kommentar dazu?

Es ist schon paradox, auch wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet. Es war ja immer mein Traum, in die erste Liga zu gehen. Jetzt bist du endlich da und musst deinen Posten abgeben. Das hat sich im ersten Moment nicht schön angefühlt. Ich bin schließlich Bremerin und Werderanerin aus vollem Herzen.

Kam es für Sie überhaupt nicht infrage, hauptamtlich zu arbeiten?

Ich bin Beamtin. Es wäre Wahnsinn, wenn ich bei der Bundeswehr kündigen würde. Träume sind schön, aber man kann nicht von ihnen leben.

Sie kündigten aber an, in anderer Funktion weitermachen zu wollen. Wie ist der Stand?

Ob sich das umsetzen lässt, weiß ich noch gar nicht. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, dass ich die Mannschaft weiterhin begleite. Aber das ist sicher davon abhängig, wer nun Trainer wird.

Welches Profil sollte ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin mitbringen?

Ich denke, der neue Trainer sollte Erfahrung im Frauenfußball haben. Das ist schon ein ganz anderer Schnack, man darf es nicht unterschätzen. Bei der Arbeit mit Frauen geht es viel um Reden, Verständnis und Gerechtigkeit. Wer da keine Erfahrung hat, wird es schwer haben.

Sind Sie in die Suche eingebunden?

Richtig eingebunden bin ich nicht. Aber die Szene ist ja nicht so riesig, und deshalb spricht man immer mal über dieses Thema.

Interessante Trainerkandidaten: Chadia Freyhat geht, das steht nun fest. Aber wer kommt für die Trainerin von Werders Frauen? „Wir hatten im Vorfeld bereits einige gute Gespräche mit interessanten Kandidaten, da werden wir nun selektieren“, sagt Birte Brüggemann. Der Abteilungsleiterin ist seit ein paar Wochen klar, dass eine neue Lösung her muss für den Fall des Aufstiegs. Allerdings stand der Gang in die erste Liga bis zum vergangenen Sonntag nicht fest, und in der 2. Bundesliga wäre Freyhat ja geblieben. Brüggemann: „Wir mussten erst die Entscheidung abwarten.“ Nun arbeitet sie mit Hochdruck an einer Lösung. Die zukünftige Besetzung sollte mindestens eine Trainer-A-Lizenz haben und nach Brüggemanns Vorstellung auch über „Erfahrung im Bereich Talentförderung und Frauenfußball“ verfügen.

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