Werders Top-Stürmerin

Cindy König - eine Bremerin durch und durch

Ausnahmestürmerin Cindy König spielt seit 2007 für Werder, ist sogar zweimal Torschützenkönigin in der 2. Bundesliga geworden. Ein Wechsel kam für sie dennoch nie in Frage.
20.10.2016, 17:12
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Cindy König - eine Bremerin durch und durch
Von Kea Müttel
Cindy König - eine Bremerin durch und durch

Cindy König wurde in der 2. Bundesliga Nord zweimal Torschützenkönigin und hat auch in der aktuellen Saison schon fünf Tore erzielt.

Oliver Baumgart (hansepixx.de)

Ausnahmestürmerin Cindy König spielt seit 2007 für Werder, ist sogar zweimal Torschützenkönigin in der 2. Bundesliga geworden. Ein Wechsel kam für sie dennoch nie in Frage.

Zu stark ist ihre grün-weiße Verwurzelung. Sie kommt aus Bremerhaven und stürmt seit ihrem 13. Lebensjahr für Werder Bremen. „Ich liebe es einfach, Tore zu schießen, ich liebe dieses Offensivspiel“, sagt die 23-jährige König. Einfache Worte, die sie seit Jahren mit starken Leistungen untermauert. In der Saison 2013/2014 wurde sie mit 17 Treffern Torschützenkönigin in der 2. Bundesliga Nord. Ein Jahr später wiederholte sie diesen Erfolg mit 19 Toren. In der 1. Bundesliga hatte sie in der vergangenen Saison zwar einige Probleme, aber in diesem Jahr steht sie mit bislang fünf Toren aus fünf Spielen gemeinsam mit fünf weiteren Spielerinnen wieder ganz oben in der Torschützinnenliste. „Sie ist halt eine torgefährliche Vollblutstürmerin. Solche Spielerinnen findet man im Frauenfußball nicht so häufig“, lobt ihr Trainer Steffen Rau. „Sie kann mit ihrem Torinstinkt Spiele für uns entscheiden.“

Dass König einmal Stürmerin wird, war schon in den ersten Jahren ihrer Fußballkarriere klar, als sie mit sechs Jahren beim SC Sparta Bremerhaven ihre ersten Spielversuche machte. „Mein Papa, mein Bruder, mein Onkel – alle haben Fußball gespielt und ich hatte immer Lust, mit auf den Bolzplatz zu gehen“, sagt König. Zu Beginn spielte sie, wie viele Mädchen in den 90er-Jahren, in Jungen-Teams und lernte dort, sich auch gegen körperlich stärkere Gegner durchzusetzen. Im Juli 2007 wechselte König nach einem halbjährigen Gastspiel beim Geestemünder SC zur neu gegründeten Mädchenmannschaft von Werder Bremen und entwickelte sich zu einer Leistungsträgerin der ersten Mannschaft, für die sie seit 2010 auf dem Platz steht.

Natürlich hatte eine Spielerin mit ihrem Niveau in den vergangenen Jahren auch Angebote anderer Vereine. „Gemeinsam mit meinen Eltern habe ich mich dazu entschlossen, eine Ausbildung zu machen, weil es gerade als Frau wichtiger ist, was man beruflich macht. Fußball geht nicht ewig, vor allem, wenn man vielleicht mal irgendwann Kinder bekommen möchte“, sagt Cindy König.

Und das machte sich Werder 2014 zunutze. „Birte Brüggemann kam dann auch direkt auf mich zu und hat gesagt, dass sie versucht, das hier möglich zu machen“, erinnert sich König. Die Abteilungsleiterin Frauenfußball bei Werder Bremen sorgte dafür, dass König eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskauffrau im Verein machen konnte. „Das war für mich dann auch erste Wahl, weil ich weiß, dass meine Familie hier wohnt und meine Freunde hier sind“, sagt König.

Ihre Freunde sind nicht nur in der gleichen Stadt, sie wohnt gleich mit zwei von ihnen zusammen. In einer Wohngemeinschaft, einer richtigen Fußballerinnen-WG. Mit Meggie Schröder und Ann-Christin Bopp spielte die 23-Jährige schon gemeinsam in Werders U 17. Schröder ist auch heute noch ihre Mitspielerin. Zu dritt kümmern sich die jungen Frauen auch noch um eine Babykatze namens Kiko. „Mit Meggie laufe ich Samstagabend, wenn Sonntag ein Spiel ist, oft am Weserwehr entlang. Wir unterhalten uns dabei viel und spazieren einfach ein bis zwei Stunden Richtung Habenhausen“, erzählt die Stürmerin. Sie setzt Prioritäten. Familie, Freundschaft und eine familiäre WG. Wohl auch deshalb kam in ihrer Karriere „bis jetzt niemals etwas anderes als Werder in Frage“. Selbst wenn der direkte Wiederaufstieg in diesem Jahr nicht gelingen sollte – Wechselgedanken spielen für sie keine Rolle.

Zu gut ist auch ihre berufliche Situation. Nach der Ausbildung wurde sie im Juli dieses Jahres von Werder Bremen übernommen. Zwanzig Stunden in der Woche arbeitet sie nun am Empfang und in der Mitgliederverwaltung, zwanzig Stunden als Assistentin von Sportchef Frank Baumann. Auch wenn sie sagt, dass ihr beides Spaß mache, gibt sie zu, dass „das bei Frank Baumann noch mehr das ist, was ich als Fußballerin mag – weil es einfach fußballspezifischer ist.“ Auch eine Karriere als Trainerin könnte sie sich zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls durchaus vorstellen.

Werder-Stürmerin Cindy König.

Werder-Stürmerin Cindy König.

Foto: Kea Müttel

Noch will die Bremerhavenerin selber gegen den Ball treten und sich dabei weiter verbessern. Deshalb arbeite sie an ihrer Zweikampfhärte und dem eigenen Körper, erklärt König. Denn in der vergangenen Saison lief es nicht ganz so rund für die sonst so treffsichere Torjägerin. In der 1. Bundesliga gelangen ihr nur zwei Tore. „Am Anfang in der ersten Liga musste ich mich auch selbst erstmal reinbeißen. Vor allem die Zweikampfhärte und dieses schnelle Spiel erst einmal realisieren. Das fiel mir am Anfang nicht so leicht“, sagt sie.

Auch Trainer Rau meint: „Die meisten unserer Spielerinnen mussten sich an das härtere und schnellere Spiel in der 1. Frauen-Bundesliga gewöhnen. Cindy König hat gemerkt, dass Durchsetzungsvermögen und Toreschießen in der höchsten deutschen Spielklasse schwieriger ist.“ Schließlich mussten die Werderanerinnen nach nur einer Saison wieder zurück in die 2. Bundesliga – und wollen jetzt natürlich ganz schnell wieder nach oben. Gerade sieht es gut aus für die Grün-Weißen. Nach fünf Spieltagen stehen sie an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga Nord. Auch ein Verdienst der wieder erstarkten Top-Stürmerin „Ich möchte auf jeden Fall Meister in der 2. Bundesliga werden, einfach einmal diese Meisterschale in der Hand halten“, sagt König. „Das ist für mich ein Ziel, für das wir jeden Tag arbeiten.“ Ein Traum, der sie antreibt. Ein Traum, den sie nur mit einem Team verwirklichen möchte: den Werder-Frauen.


Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+