Torwart-Talent Borbe

Ganz schön jung, ganz schön cool

Die erst 17-jährige Torhüterin Anneke Borbe hat ihre unverhoffte Chance genutzt – und will mit Werder nun ins DFB-Pokal-Viertelfinale. Die Partie steigt heute (15.30 Uhr) gegen die SGS Essen.
03.12.2017, 09:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Ganz schön jung, ganz schön cool

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OLIVER BAUMGART, imago/foto2press

Der Gegner ist ein alter Bekannter: Erst vor rund drei Wochen hatten die Bremerinnen die SGS zum Spiel um Bundesligapunkte zu Gast. Das torlose Unentschieden gegen den Siebten der Bundesliga durfte als Erfolg gelten, und daran hatte auch Anneke Borbe ihren Anteil. Sie parierte nämlich einen Strafstoß gegen Irini Ioannidou und vereitelte damit die beste Chance der Partie. Im Pokal kommt es nun natürlich wieder auf die Keeperin an.

Plötzlich die Nummer eins

Sie ist 17 Jahre alt, und damit selbst im Frauenfußball, wo ja auf die A-Jugend verzichtet wird, noch relativ jung. Aber ist das ein Problem? Nein, ist es nicht. „Ich habe selten eine Torhüterin gesehen, die so cool ist“, sagt Carmen Roth, Werders Trainerin. Das ist derzeit schon eine der interessantesten Geschichten beim Aufsteiger: Da rückte die unerfahrene Anneke Borbe ziemlich unerwartet zwischen die Pfosten, alle befürchten, dass sie dem Druck kaum standhalten wird. Und dann liefert dieses Talent einfach eine gute Leistung nach der anderen ab. „Wenn das Spiel losgeht, sind alle Sorgen vergessen“, sagt die Torfrau lachend.

Es ist zwar nicht so, dass sie sich selbst ein Rätsel ist. Aber ein bisschen wundert sich Anneke Borbe selbst über ihre abgeklärten Auftritte. Erwartet hatte sie den Verlauf der vergangenen Monate in dieser Form jedenfalls nicht. Es begann damit, dass sich Stammkeeperin Lena Pauels kurz vor dem zweiten Saisonspiel eine schwere Sprunggelenksverletzung zugezogen hatte. „Da wurde ich dann reingeworfen“, erinnert sich die junge Torfrau.

Eigentlich hatte ihre weitere Entwicklung im Vordergrund gestanden, als sie im Sommer aus der eigenen U 17 ins Erstligateam aufgestiegen war. Und dort besetzte in Pauels ja eine Junioren-Nationalspielerin den Platz als klare Nummer eins. Aber vor der Partie gegen Jena änderte sich alles. „Ich habe mir damals schon Gedanken gemacht, das gehört ja dazu“, findet Anneke Borbe. Aber mit einer starken Leistung beim 2:2-Unentschieden wuchs auch die Zuversicht. Insofern hat sich schon etwas verändert. Nicht am Talent der Torfrau, sondern in mentaler Hinsicht. „Ich habe heute viel mehr Selbstvertrauen“, sagt Borbe, „das kommt mit der Zeit, wenn man merkt: Es läuft, ich kann der Mannschaft helfen.“

Nun steht also eine Keeperin zwischen den Pfosten, die nicht nur sicher wirkt, sondern auch sicher ist. „Sie ist ein sehr guter Rückhalt, das spürt die Mannschaft, und das spüre ich“, bestätigt Carmen Roth. Die Werder-Trainerin könnte sich bereits ein paar Gedanken darüber machen, was passieren wird, wenn Lena Pauels im Februar wieder zurückkehrt in den Kader. Aber sie kann es natürlich auch sein lassen. „Darüber denke ich nicht nach – in jeden Fall werden beide dann aber voneinander profitieren“, betont Carmen Roth.

Auch Anneke Borbe will nicht so weit vorausdenken. Sie weiß heute allerdings mehr denn je, dass ihr Wechsel nach Bremen eine gute Entscheidung war. Bis 2015 hatte sie in der Pinneberger Heimat noch mit Jungs gespielt, war ein paar Monate lang immer erst am Freitag nach Bremen gependelt, um in Werders U 15 anzutreten. Dann folgte der Umzug, in eine Wohngemeinschaft mit Teamkollegin Nina Lührßen. Sie ist seit diesem Sommer ebenfalls Geschichte, seitdem lebt das junge Werder-Talent allein in einer eigenen Wohnung. „Es läuft“, sagt sie lachend.

Abgeklärt auf und neben dem Platz

Und ein Erfolg im Achtelfinale des DFB-Pokals würde ihre Laune vermutlich nochmals ein bisschen verbessern. „Wir haben eine gute Chance, wenn wir abrufen, was wir können“, sagt die Schülerin des Gymnasiums Obervieland. Sie wirkt dabei genauso abgeklärt wie bei einem ihrer Einsätze im Bremer Tor. Darauf können sie sich bei Werder verlassen, auch im DFB-Pokal-Wettbewerb. Zur Not würde Anneke Borbe wohl auch wieder einen Strafstoß gegen SGS Essen parieren. Die Torhüterin findet nämlich:„Wir fokussieren uns sicher auf den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga, aber deshalb ist dieser Wettbewerb nicht zweitrangig.“

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