Werder-Frauen schlagen Andernach mit 3:0 Hoffmann ist nicht zu halten

Dank einer starken zweiten Halbzeit besiegen die Frauen des SV Werder Bremen die SG 99 Andernach 3:0 – mit einer guten Leistung trägt Giovanna Hoffmann entscheidend dazu bei.
21.10.2019, 12:09
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Hoffmann ist nicht zu halten
Von Imke Wrage

Sie machte es mit links. Oder besser: von links. Es war die 55. Spielminute, als Giovanna Hoffmann, Nummer 17 des SV Werder, am Sonntag auf heimischem Rasen von Linksaußen in die Spielfeldmitte zog, drei Gegnerinnen der SG 99 Andernach hinter sich ließ, in den Strafraum marschierte und die Kugel im kurzen Eck versenkte. 2:0 – der zweite Treffer eines sensationellen Dreierpacks von Julia Kofler, Giovanna Hoffmann und Cindy König, der Werder in der zweiten Halbzeit innerhalb von sechs Minuten den 3:0-Sieg bescherte. Hoffmanns Tor war das vermutlich wichtig­ste. Eines, das Ruhe ins Spiel brachte. Die Gewissheit: Das wird eine klare Kiste.

Das hatte in der ersten Halbzeit noch anders ausgesehen. So machte das Team von Werder-Trainer Alexander Kluge zwar von Beginn an Druck, bewegte sich mit dem Ball überwiegend in der gegnerischen Hälfte und war durch schnelle Pässe und gute Einzelaktionen die dominierende Mannschaft. Von hinten stärkte Torwärtin Lena Pauels den Rücken, vorne aber blieben Torschüsse aus, verhindert durch eigene Fehler und eine starke Abwehr der Gäste.

Nach 45 Minuten ging es für beide Mannschaften mit einer Null in die Pause. Dabei hieß das Ziel des Spiels, das hatte Kluge klar formuliert, die Tabellenführung auszubauen. Ähnlich wie schon im Spiel gegen Arminia Bielefeld am vergangenen Wochenende mussten die Werder-Frauen also über die zweite Halbzeit kommen.

Die SG 99 Andernach belegte in der zweiten Frauen-Bundesliga bis Sonntag den fünften Tabellenplatz. Obwohl die Mannschaft aus Rheinland-Pfalz mit einer Niederlage gegen den VfL Wolfsburg in die Saison gestartet war, hat der Aufsteiger bereits einige Punkte sammeln können. „Die haben schon den einen oder anderen Gegner mächtig geärgert“, sagte Werder-Trainer Kluge. Kein leichter Gegner also, darauf hatte Kluge die Spielerinnen vorbereitet. „Uns war klar, dass wir Geduld mitbringen und Dampf machen müssen“, sagte Hoffmann nach dem Spiel.

Verletzungspech überwunden

Sich gedulden zu müssen, zu kämpfen – das kennt Hoffmann nur zu gut. Die 21-jährige Jurastudentin, gebürtig aus Bremerhaven, ist seit 2012 bei Werder. Dort hat sie keine leichte Zeit hinter sich. Nach erfolgreichen Jahren in der Mädchenfußballabteilung erlitt Hoffmann bei einem Spiel der U 17-Mannschaft erst eine schwere Verletzung am Sprunggelenk. 2018 fiel sie dann bei den Damen lange wegen einer Hüft- und Leistenverletzung aus.

Besonders belastend: Wo genau die Schmerzen herkamen, konnten die Ärzte nicht feststellen. Eine genaue Diagnose fehlte. Ob und wann Hoffmann auf den Platz zurückkehren konnte, war deshalb lange unklar. Für Hoffmann hieß das: fast sieben Monate kein Training. Zuschauen, wie die eigene Mannschaft aus der Bundesliga in die zweite Liga absteigt. Und nicht zuletzt: ein mögliches Karriereende. Doch Hoffmann gab nicht auf, erholte sich und kam zurück in den Kader.

Dort ist sie in dieser Saison eine der torgefährlichsten Spielerinnen. Mit insgesamt vier Treffern belegt sie Platz drei der internen Torschützenliste. Vor ihr: Cindy König, die nach ihrem lässigen Lupfer gegen Andernach in der 58. Minute auf insgesamt fünf Tore kommt. Und Selina Cerci, die bisher neun Treffer erzielen konnte, gegen Andernach aber torlos blieb.

Weiter an der Spitze

Drei Tore, drei Punkte – das bedeutet für die Werder-Frauen auch weiterhin die sichere Tabellenspitze. Die Gegner aus Andernach hingegen fallen durch ihre Niederlage auf den siebten Tabellenplatz zurück. Werder-Trainer Kluge zeigte sich nach dem Spiel zufrieden. „Im Großen und Ganzen lief das gut, wir haben den Großteil des Spiels trotz kleinerer Schönheitsfehler dominiert“, sagte Kluge, „in der zweiten Halbzeit konnten wir die Überlegenheit dann auch entsprechend in Tore ummünzen.“

Auch Hoffmann war zufrieden – mit ihrem eigenen Treffer, aber auch mit der grün-weißen Gesamtleistung. „Wir haben uns konstant gute Chancen herausgearbeitet, Räume genutzt und gehen verdient als Sieger vom Platz“, sagte sie. Nur eine Sache, gab sie zu, die zwickte dann doch: Schon in Spielminute fünf machte Hoffmann ordentlich Dampf, setzte sich an der Grundlinie durch und dribbelte aufs Tor zu, traf aber dann nur den Pfosten. „Ich muss weiter an meiner Chancenverwertung arbeiten und keine einfachen Dinger vertun“, sagte sie. Den positiven Lauf will sie mit ins kommende Wochenende nehmen. Dann geht es für Werder vor heimischem Publikum gegen Potsdam auf den Platz.

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