Trainer der Werder Frauen im Interview Rau: "Haben das Ziel, Meister zu werden"

Werders Frauen starten am Sonnabend in Bielefeld in die Rückrunde der 2. Bundesliga. Trainer Steffen Rau spricht über das greifbare Aufstiegsziel, das überraschende DFB-Pokal-Viertelfinale und seine Vertragssituation.
16.02.2017, 12:00
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Von Kea Müttel

Werders Frauen starten am Sonnabend mit einem Spiel gegen Bielefeld in die Rückrunde. Trainer Steffen Rau spricht über das greifbare Aufstiegsziel, das überraschende DFB-Pokal-Viertelfinale und seine Vertragssituation.

Steffen Rau, am letzten Spieltag dieser Saison (21.05.) spielt Ihr Team gegen Wolfsburg II. Die einzige Mannschaft, die in der Liga gerade vor euch steht und ebenfalls noch kein Spiel verloren hat. Es könnte einen Showdown um die Meisterschaft geben – fiebert Ihre Mannschaft der Partie jetzt schon entgegen?

Bis dahin haben wir ja noch einige Aufgaben zu erledigen. Jetzt schauen wir erst einmal auf den Rückrundenauftakt. Wir freuen uns, dass es wieder losgeht und wir fiebern dem Spiel in Bielefeld entgegen. Bielefeld ist ein guter Aufsteiger, der sich gegen uns sicherlich auch etwas vornimmt und uns alles abverlangen wird.

Was erwarten Sie vom nächsten Gegner Bielefeld und wie wird Ihr Team sich aufstellen? Können die Fans mit dem gleichen Angriffsspiel rechnen, das in der Hinrunde häufig zu sehen war?

Ich erwarte eine aggressive und engagierte Bielefelder Mannschaft. Die sicherlich versucht, uns das Leben schwer zu machen. Aber ich glaube, dass wir so stark sind, dass wir unser Spiel auch in Bielefeld durchdrücken können und dass wir dort einen erfolgreichen Start haben. Wie genau wir das taktisch angehen, werden wir noch besprechen. Aber wir werden die Mannschaft schon so einstellen, dass ich optimistisch bin, dass wir drei Punkte aus Bielefeld mitnehmen.

Am 15. März ist dann ja auch schon das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Erstligisten SC Sand – das ist dann ja direkt das nächste Highlight…

Ja! Natürlich fiebern wir dem so ein bisschen entgegen. Meine Aufgabe ist es jetzt aber erst einmal, dass wir das im Moment aus den Köpfen bekommen. Mir nützt das nichts, wenn wir dem Viertelfinale entgegenfiebern, und in Gedanken nicht bei unserem eigentlichen Ziel sind - und das ist das Hauptziel diese Saison: dass wir aufsteigen. Wir spielen in der Liga jetzt zuerst in Bielefeld und danach zu Hause gegen Gütersloh. Diese Spiele müssen wir erst einmal gewinnen. Und wenn wir diese Aufgaben erledigt haben, dann haben wir 14 Tage Zeit, uns in Ruhe auf Sand vorzubereiten. Ich hoffe, dass wir gegen Sand noch einmal eine dritte Pokalsensation schaffen. Das wäre natürlich eine tolle Sache.

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Wenn Sie sich entscheiden müssten – lieber Meisterschaft oder lieber Pokalfinale?

Das ist ganz klar. Auf jeden Fall die Meisterschaft. Aber in allererster Linie sicherlich der Aufstieg. Wenn man es dann als Meister schafft, ist es umso schöner. Alles, was jetzt im Pokal noch kommt, nehmen wir gerne mit. Das stärkt das Selbstvertrauen, hilft der Mannschaft und zeigt ihr natürlich, dass wir mittlerweile mit einer engagierten Leistung auch gegen Erstligisten durchaus mithalten können. Und das ist wichtig. Aber das erklärte Ziel ist der Aufstieg.

Also ist der DFB-Pokal dem Ligaauftritt in dieser Saison ganz klar untergeordnet?!

Die Liga ist entscheidend. Wir werden uns natürlich trotzdem gründlich und sorgfältig darauf vorbereiten – wir nehmen das ja total ernst. Jetzt sind wir im Viertelfinale und es wäre Quatsch, wenn wir sagen, dass dieser uns egal ist. Wir wollen Sand zu Hause schlagen. Wir wollen jetzt ins Halbfinale. Aber im Moment konzentrieren wir uns erst einmal auf unsere Punktspiele.

Konzentriert man sich in der Liga dann eher auf den direkten Verfolger Cloppenburg oder am Meisterschaftskonkurrenten Wolfsburg II?

Wir gucken natürlich auch auf Wolfsburg, aber in erster Linie ist Cloppenburg aufstiegsberechtigt und momentan unser erster Verfolger - die gilt es auf Distanz zu halten und hinter uns zu lassen. Gegebenenfalls dann auch mit einem Heimsieg etwas abzuschütteln und darauf setzen wir jetzt erst einmal alles. Sicherlich haben wir eine sehr gute Mannschaft und wir haben auch das Ziel, Meister zu werden.

Ist das ein bisschen seltsam, dass eine zweite Mannschaft vor einem steht, die gar nicht aufsteigen kann?

Das gab es ja in den vergangenen Jahren schon häufiger. Auch in der Südstaffel spielen immer wieder Mannschaften wie Hoffenheim II oder Bayern II ganz oben mit, die dort das Geschehen bestimmen aber dann nicht aufsteigen dürfen. Diese Regelung gibt es und damit muss man leben. Auch dass diese Mannschaften dann mitunter von ihren Vereinen verstärkt werden. Aber wir brauchen jetzt nicht nur nach Wolfsburg oder Cloppenburg gucken, wir haben noch elf Spiele, die wir alle gewinnen wollen.

In der Vorbereitung lief es für Ihr Team ja sehr gut. Sie haben 3:2 gegen den Bundesligisten Gladbach gewonnen und 12:0 gegen Jahn Delmenhorst. Geht es jetzt nahezu perfekt in die Rückrunde?

Alle sind motiviert. Alle wollen mitziehen. Sicherlich kann gerade im Winter das Wetter mal so ein bisschen einen Strich durch die Rechnung machen, so dass man nicht so wie geplant trainieren kann. Aber letzten Endes sind alle heiß auf die Rückrunde. Mit der Trainingsleistung und der Einstellung der Mädels zurzeit bin ich sehr zufrieden. Aber jetzt gilt es natürlich auch, das umzusetzen und dies in die Spiele mit reinzunehmen.

Und da sind Sie optimistisch?

Ja, absolut! Die Mädels wirken sehr konzentriert im Training, sie ziehen mit. Man merkt denen förmlich an, dass sie jetzt richtig Lust auf diese Rückrunde haben, auf die Spiele, die jetzt anstehen und auf die Aufgaben, die kommen. Da hat man es als Trainer dann manchmal ein bisschen einfacher, das alles nur zu begleiten und darauf zu achten, dass die Stimmung gut bleibt und sie weiter konzentriert mitziehen. Aber insgesamt – auch mit den Testspielen – bin ich sehr zufrieden.

Vom 28. Februar bis zum 8. März sind nun mit Lena Pauels, Giovanna Hoffmann und Stefanie Sanders erneut drei Ihrer Nachwuchstalente mit der U-19-Nationalmannschaft unterwegs – auch während der U-20-WM im Dezember 2016 mussten Sie auf drei Spielerinnen verzichten. Was macht das mit der Mannschaft?

Wir versuchen natürlich das Positive daraus zu ziehen. Sicherlich ist es nicht immer optimal, wenn dann Spielerinnen fehlen und man beim Training nicht den kompletten Kader hat. Aber andersrum ist das natürlich für die Spielerinnen selbst – für das mentale Empfinden und für den Kopf - eine ganz wichtige Sache, dass sie dort diese Bestätigung kriegen und dass sie zu diesen Auswahlkreisen dazu gehören. Das nehmen wir einfach mit und wir werden die Belastung dementsprechend steuern. Ich glaube, dass unsere Mannschaft nicht schlechter spielt, weil jetzt mal drei Spielerinnen für eine Woche beim Lehrgang sind. Das können wir schon kompensieren.
Und das spricht auch für die Nachwuchsarbeit von Werder. Seit Werder im weiblichen Bereich aktiv ist, liegt das Hauptaugenmerk auf der Nachwuchsförderung. Und das zahlt sich im Laufe der Jahre immer wieder aus. Wir haben jetzt gerade in diesem Jahr mit Nina Lührßen eine Spielerin, die aus der U 17 hochgekommen ist und die eine hervorragende Hinrunde gespielt hat. Von ihr versprechen wir uns zum Beispiel auch in den nächsten Spielen und natürlich perspektivisch eine ganze Menge. Das spricht einfach für die richtige Philosophie bei Werder.

Insgesamt stehen in Ihrem Kader sogar acht Spielerinnen, die noch nicht 20 Jahre alt sind. Könnte dieser junge Altersdurchschnitt mental zu einem Problem werden, wenn es in der Schlussphase der Saison noch einmal richtig eng werden sollte?

Nein, ich glaube nicht. Wir haben zwar eine Reihe junger, talentierter Spielerinnen – aber wir haben auch eine sehr gute Mischung. Wir haben zum Beispiel mit Marie-Louise Eta, Stephanie Goddard und Gabriella Tóth erfahrene Spielerinnen. Auch Cindy König ist schon etliche Jahre dabei. Diese Spielerinnen führen die Mannschaft und machen das sehr, sehr gut. In der Mannschaft stimmt auch die Chemie untereinander. Da hat sich ein Teamgeist entwickelt, der uns sicherlich in dem ein- oder anderen Spiel auch helfen wird!

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In der Hinrunde hatte Ihre Mannschaft ein äußerst positives Torverhältnis (47:11). In der letzten Erstligasaison 2015/2016 hatten Sie ja vor allem mit den vielen Gegentoren ein Problem. Wie schaffen Sie es in Hinblick auf den erhofften Aufstieg, die Abwehr trotz der großen Überlegenheit in vielen Spielen so zu stärken, dass sie nächstes Jahr nicht erneut so anfällig sein wird?

Das ist einfach nur eine Sache der Konsequenz, der Zielstrebigkeit und der Einstellung. Ich glaube, dass die Spielerinnen dieses Verteidigen nicht verlernen. Natürlich passiert sicher mal die ein- oder andere Lässigkeit, wenn man zum Beispiel gegen Herford 9:1 gewinnt und klar das Spiel bestimmt. Wichtig ist für uns - gesetzt, wir sollten unser Ziel erreichen - dass wir natürlich im nächsten Jahr diese Lässigkeit nicht haben dürfen. Und daran werden wir natürlich auch dann gegebenenfalls wieder arbeiten.
Dass die Mädels das können, haben sie gezeigt. Im DFB-Pokal haben sie sowohl gegen Potsdam als auch gegen Hoffenheim nicht übermäßig Chancen zugelassen. Die Mädels haben gegen die gestandenen Erstligamannschaften sehr gut verteidigt. Sie zeigen, dass sie es können und daran müssen wir in dem Falle, dass wir aufsteigen, auch anknüpfen. Aber noch sind wir ja nicht so weit.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Würden Sie gerne bei Werder bleiben?

Mir gefällt Bremen super, mir macht die Arbeit mit den Mädels Spaß. Und natürlich möchte man Arbeit, die einem Spaß macht, auch möglichst lange weitermachen. Wir sind in den nächsten Wochen in Gesprächen und werden mal schauen, wie es weitergeht.

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