Werders Fußballerinnen

Rau: "Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns"

Mit Steffen Rau führt ein neuer Trainer Werders Fußballerinnen in das Abenteuer 1. Bundesliga. Im Interview spricht der 45-Jährige über das Spiel gegen den 1. FC Köln und die vergangenen acht Wochen.
29.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Er war 13 Jahre lang beim Landesverband Sachsen-Anhalt tätig und vier Jahre als Trainer des Zweitligisten Magdeburger FFC – keine Frage, Steffen Rau verfügt über eine Menge Erfahrung im Frauenfußball.

Nun betritt der 45-jährige Trainer aber Neuland, denn am Sonntag geht er mit Werders Frauen in die erste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte. Vor dem Spiel gegen den Mitaufsteiger 1. FC Köln (11 Uhr) sprach Stefan Freye mit dem neuen Coach der Grün-Weißen.

Ihre Mannschaft startet gegen den 1. FC Köln in die 1. Bundesliga. Was erwarten Sie vom Mitaufsteiger?

Steffen Rau: Ich habe Köln bereits gesehen, und wenn beide Mannschaften abrufen, was sie können, kann es ein Spiel auf Augenhöhe werden. Gerade im ersten Spiel wird es wichtig sein, befreit aufzuspielen. Wer die Nervosität schneller ablegt, wird in diesem Spiel erfolgreich sein.

Ihre Mannschaft ist nervös?

Natürlich sind alle angespannt vor dem Start, und das ist ja auch nachvollziehbar. Die Liga ist neu, und wir erwarten einige Zuschauer. Aber das darf nicht ins Negative umschlagen und uns verunsichern.

Der 1. FC Köln stand lange als Meister der 2. Bundesliga Süd fest und hatte deutlich mehr Zeit als Werder, sich auf den Aufstieg vorzubereiten. Hat er damit nicht einen Vorteil gegenüber Ihrem Klub?

Sicher, es musste in kurzer Zeit vieles gestemmt werden. Aber wir haben in den letzten sechs Wochen sehr gut zusammengearbeitet und freuen uns auf den Ligastart.

Sie wurden erst Anfang Juli als neuer Trainer vorgestellt. Wie haben Sie diese rund acht Wochen bislang erlebt?

Die Zeit war sehr aufschlussreich. Ich habe die Mannschaft kennengelernt und würde die Vorbereitung als gut bezeichnen. Aber wenn man bedenkt, was in der 1. Liga auf uns zukommt, haben wir auch noch eine Menge Arbeit vor uns.

Woran denken Sie dabei?

Ganz sicher werden wir im taktischen Bereich weiter arbeiten müssen. Das haben wir in den sechs Wochen der Vorbereitung nicht alles leisten können. Das Spiel gegen den Ball wird ein Schwerpunkt werden, den wir ständig verbessern müssen. Daneben werden wir weiter an der Physis arbeiten. Die Anforderungen an uns werden enorm. Über die nötigen Grundlagen verfügen wir allerdings bereits.

Sie haben die Taktik angesprochen: Man kann wohl davon ausgehen, dass Ihre Mannschaft zukünftig nicht mehr so offensiv wie in den vergangenen Jahren und auch beim 3:0 im Pokalspiel gegen den VfL Bochum antreten wird?

Ja, das ist klar. Wir werden in vielen Ligaspielen nicht mehr so viel Ballbesitz haben. Deshalb gilt für uns auch: Wenn der Gegner ein Tor erzielen möchte, muss er sich schon etwas einfallen lassen. Wir wollen ihn nicht durch Nachlässigkeiten zu Toren einladen.

Ihre Abteilungsleiterin Birte Brüggemann hat manchmal das Gefühl, Sie seien schon viel länger bei Werder. Wie kommt sie darauf?

Es gab keinen langen Eingewöhnungsprozess für mich. Viele Sachen waren nicht neu, darüber hinaus haben mir die Mitarbeiter der Frauenabteilung das Leben leicht gemacht. Ich konnte mich auf meine Arbeit konzentrieren.

Sie haben vermutlich davon gehört, dass vor Ihnen Holger Stemmann und Dirk Hofmann keine gesamte Spielzeit durchgehalten haben. Wieso sind Sie der erste Trainer, der eine Saison zu Ende bringt?

Warum der eine oder andere Trainer vor mir wie lange im Amt war, interessiert mich genauso wenig wie die Art und Weise des Aufstiegs. Das höre ich ja auch immer wieder. Wir wollen den erfolgreichen Weg von Werder Bremen weiter beschreiten. Das ist die Basis für eine langfristige Zusammenarbeit. Ich bin mir aber auch im Klaren darüber, dass Trainer immer am sportlichen Erfolg gemessen werden.

Sie haben nur fünf externe Neuzugänge, auf einen Umbruch also verzichtet. Ist dies auch ein Hinweis darauf, dass Werder den sofortigen Abstieg einkalkuliert und deshalb die Strukturen der Mannschaft nicht unnötig durcheinanderbringen möchte?

Es hätte nicht der Werder-Philosophie entsprochen, viele bundesligaerfahrene Kickerinnen dazuzukaufen. Es geht vorrangig darum, mit Spielerinnen aus Stadt und Region sowie eigenen Talenten zu arbeiten. Sicher kann es Handlungsbedarf geben, aber erst einmal genießt der Kader das Vertrauen.

Das bedeutet, in der Winterpause könnten weitere Zugänge folgen?

Das könnte sein, hängt aber davon ab, wie die Saison verläuft. Konkret geplant ist es nicht.

Sie bezeichnen die Teilnahme an der 1. Bundesliga als Abenteuer. Was muss die Mannschaft tun, um es zu bestehen?

Wichtig ist, dass sie sich Woche für Woche reinhängt, jedes Spiel wie ein K.o.-Spiel betrachtet und aus den gemachten Erfahrungen lernt. Zum anderen ist es ein interessanter Punkt, wie wir mit Rückschlägen umgehen. Die Vorbereitung lief sehr gut, wir haben nur ein Gegentor kassiert. Es wird sehr wichtig sein, jetzt auch nach Niederlagen wieder aufzustehen. Das sind die Grundlagen. Und natürlich müssen wir gegen die vermeintlichen Konkurrenten um den Klassenerhalt die nötigen Punkte einfahren.

Welche Konkurrenten kann Ihre Mannschaft hinter sich lassen?

Am Ende sollten es mindestens zwei sein. (lacht) Köln dürfte als Aufsteiger eine ähnliche Zielsetzung haben wie wir. Insofern stehen wir vor einem sehr wichtigen Spiel.

In dem Sie vermutlich auch die Aufstiegseuphorie in Bremen nutzen wollen?

Das ist sehr angenehm, denn der Impuls nach dem Aufstieg ist da. Wir werden wahrgenommen in der Öffentlichkeit. Das ist unheimlich wichtig für uns, und wir freuen uns über die Unterstützung. Wir werden auf der anderen Seite alles tun. Wenn es dann mal spielerisch nicht läuft, erwarte ich eine engagierte Leistung. Damit wollen wir die Unterstützung zurückzahlen.

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