Interview

Steffen Rau: "Wir wollen natürlich wieder aufsteigen!"

Werders Frauen sind in der vergangenen Saison in die 2. Bundesliga abgestiegen. Der WESER-KURIER hat mit dem Trainer Steffen Rau vor dem ersten Saisonspiel (28.August) über Vorbereitung, Saisonziele und Vereinswechsel gesprochen.
26.08.2016, 15:18
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Steffen Rau:
Von Kea Müttel
Steffen Rau: "Wir wollen natürlich wieder aufsteigen!"

Trainer Steffen Rau will mit seiner Mannschaft direkt aufsteigen.

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Werders Frauen sind in der vergangenen Saison in die 2. Bundesliga abgestiegen. Der WESER-KURIER hat mit dem Trainer Steffen Rau vor dem ersten Saisonspiel (28.August) über Vorbereitung, Saisonziele und Vereinswechsel gesprochen.

Herr Rau, in der vergangenen Saison sind die Frauen vom SV Werder Bremen aus der 1. Bundesliga abgestiegen – ist der direkte Wiederaufstieg das Ziel?

Steffen Rau: Mit der Leistungsentwicklung, die die Mannschaft in der letzten Saison genommen hat sowie ihrem Potential, haben wir schon die Zielstellung, nicht nur ganz oben mitzuspielen, sondern wir können das auch klar formulieren: Wir wollen natürlich wieder aufsteigen!

Am 28.8. steht das erste Ligaspiel gegen Bielefeld an. Werder hat noch nie gegen diese Mannschaft gespielt, was erwarten Sie von dem Spiel?

Ich erwarte von unserer Mannschaft natürlich in erster Linie ein engagiertes Spiel. Dass wir die guten Leistungen aus der Vorbereitung mit in dieses erste Punktspiel nehmen und ich denke, dass Bielefeld ein guter Gegner sein wird. Sie sind zwei Mal aufgestiegen, haben sich verstärkt, haben gute Spielerinnen. Sie werden uns eine ganze Menge abverlangen. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir die Qualität haben, unser erstes Heimspiel zu Hause zu gewinnen.

Stichwort Saisonvorbereitung: Wie zufrieden sind Sie denn insgesamt mit der Vorbereitung?

Es gibt eigentlich sehr, sehr wenig, von dem man sagen kann, dass es nicht so funktioniert hat. Die Mädels haben einen guten Fitnesszustand. Die haben mit ihrem individuellen Trainingsplan selbst eine gute Grundlage gelegt und sie haben eine sehr gute Einstellung im Training und wirken sehr konzentriert. Die Mannschaft hat die spielerische Entwicklung, die sie in der vergangenen Saison schon ansatzweise gezeigt hat, jetzt in der Vorbereitung weitergetragen und ich muss sagen, dass ich mit den Trainings- und Wettkampfleistungen bis jetzt sehr zufrieden bin.

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Welche Schwerpunkte haben Sie in der Vorbereitung gesetzt?

Nach einer langen Pause geht es darum, den Fitnesszustand und grundlegende Sachen wieder herzustellen. Im taktischen Bereich lag unser Schwerpunkt, im Gegensatz zur Vorbereitung im letzten Jahr, mehr auf dem Spiel mit Ballbesitz. Das heißt, Spielaufbau und herausspielen von Torchancen. Aber trotzdem haben wir das Spiel gegen den Ball bei gegnerischem Ballbesitz natürlich auch nicht vernachlässigt.

Wie groß sind denn die Unterschiede zwischen der ersten und der zweiten Liga?

Diese hat man gerade auch in der letzten Saison deutlich gesehen. Die Mädels haben das zwar stark gemacht und wir waren sicherlich kein völlig chancenloser Aufsteiger. In einer Reihe von Spielen haben wir auch gezeigt, dass wir dagegen halten können. Aber irgendwo entscheidet nachher vielleicht auch die individuelle Qualität und die ist zweifellos zwischen der ersten und zweiten Liga unterschiedlich.

Die beiden Nationalspielerinnen Manjou Wilde und Betsy Hassett haben den Verein im Sommer nach nur sechs Monaten wieder verlassen – ein schwerer Verlust?

Das sind beide gute Spielerinnen, die uns in der zweiten Liga mit Sicherheit geholfen hätten. Für Betsy ist es natürlich sehr wichtig, auf dem höchsten Niveau zu spielen, damit sie ihre Chancen in der neuseeländischen Nationalmannschaft wahrt und für Manjou war es auch eine Herausforderung, in der ersten Liga zu spielen. Das muss man eben akzeptieren. Wir haben aber nach wie vor eine sehr gute Mannschaft. Außerdem sind viele Spielerinnen, die schon mehrere Jahre bei Werder sind, zusammengeblieben und das ist eine gute Grundlage für diese Saison.

Die Topstürmerin Cindy König.

Die Topstürmerin Cindy König.

Foto: imago

Stürmerin Cindy König ist in der vergangenen Saison „Spielerin der Saison“ in der ersten Bundesliga geworden, bleibt trotz des Abstieges aber bei Werder und arbeitet auch im Verein. Ist dieses eine Strategie, um Leistungsträgerinnen in Bremen zu halten?

Wir wollen grundsätzlich allen Spielerinnen, die sich mit dem Verein und mit der Philosophie identifizieren, natürlich helfen, sich langfristig nicht nur an den Verein zu binden, sondern in dieser Stadt ihr Leben zu bestreiten. Dazu gehört gerade im weiblichen Bereich auch das Berufliche. Wenn es uns dort gelingt, gestandene Spielerinnen oder auch junge talentierte Spielerinnen irgendwo zu unterstützen und auch in dieser Form an den Verein zu binden, sind wir sehr froh!

Woran liegt es, dass bei Werder so viele Spielerinnen schon so lange beim Verein sind?

Hier im Norden hat sich Werder einen sehr guten Ruf erarbeitet. Man kann nicht, wie zum Beispiel im Ruhrpott, den Verein wechseln und seinen Wohnort behalten. Wenn man bei Bremen spielt, dann ist da schon ein bisschen mehr mit verbunden. Einem gefällt die Stadt, man möchte hier studieren, hier arbeiten, hier leben. Oder einen reizt einfach die Philosophie des Vereins und die große Werderfamilie. Deshalb sind auch viele Spielerinnen schon über Jahre bei Werder, haben hier Spaß und wollen auch nach dem Abstieg wieder angreifen und noch einmal hoch.

Wer ist denn Ihrer Meinung nach der Hauptgegner um den Aufstieg?

Cloppenburg wird, denke ich mal, eine Rolle spielen und eine gute Mannschaft haben. Auf Gütersloh bin ich ganz gespannt und darauf, wie sich Meppen entwickelt. Sicherlich wird auch interessant, wie sich die zweiten Mannschaften von Wolfsburg und Potsdam machen, je nachdem wie sie von Spiel zu Spiel verstärkt werden. Aber ich rechne auch mit dem Aufsteiger Bielefeld, der eine gute Mannschaft hat. Insgesamt ist die Konkurrenz also da. Das wissen wir und darauf sind wir vorbereitet. Aber wir wollen nicht nur zur Konkurrenz schauen, wir wollen einfach versuchen, unsere Qualitäten in die Saison mitzunehmen und dann erfolgreich zu sein.

Das ging mit dem 15:0 im DFB-Pokal gegen Kiel ja schon ganz gut los. Konnte man trotz des deutlichen Sieges auch etwas aus dem Spiel mitnehmen?

Ich denke, man konnte eine ganze Menge mitnehmen. Es wird immer mal wieder einige Spiele geben, in denen man dann ebenfalls in Führung geht und spielerisch überlegen ist – dann muss es aber das Ziel sein, dieses Spiel konzentriert durchzuziehen und immer weiter zu spielen. Das haben die Mädels in Kiel bravourös gemacht. Sie haben die Dinge, die wir in der Vorbereitung erarbeitet haben, dort umgesetzt und das war als Auftakt schon sehr gut.

Letztes Jahr ging es im Pokal bis zum Viertelfinale – welchen Stellenwert hat der Wettbewerb dieses Mal?

Der Pokal ist immer etwas Besonderes, jede Mannschaft fiebert der Auslosung entgegen. Jeder möchte immer möglichst weit kommen. Letztes Jahr haben wir das sehr gut gelöst und ich bin mal gespannt, wen wir als nächsten Gegner bekommen

Also in dieser Saison Bundesliga-Aufstieg und DFB-Pokal-Halbfinale?

Das müssen wir mal schauen. Da gehören ja auch immer elf Gegnerinnen dazu, die gegenüber spielen und da warten wir mal ab, was passiert!

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