Werder-Frauen rechnen weiterhin mit Aufstieg

Das Saisonziel fest im Blick

Trotz der Corona-Krise geht Trainer Alexander Kluge davon aus, dass die Werder-Frauen in die Bundesliga aufsteigen - sportlich oder auf anderem Wege.
10.04.2020, 11:34
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel
Das Saisonziel fest im Blick

Alexander Kluge plant für die Bundesliga.

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Die Fußball-Frauen des SV Werder Bremen hätten sich vermutlich nur noch selbst schlagen können. Als unangefochtener Tabellenführer der zweiten Bundesliga waren sie auf dem besten Weg, den Wiederaufstieg in das Fußball-Oberhaus zu schaffen. Eine Niederlage kassierten die Bremerinnen in dieser Saison nicht, dazu stellten sie den besten Angriff und die beste Defensive der Liga. Doch jetzt scheint das große Saisonziel noch in Gefahr zu sein. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) könnte die Spielzeit nicht werten, sollte die Saison abgebrochen werden. Alexander Kluge glaubt allerdings nicht daran. „Eine Annullierung ist für mich persönlich das mit Abstand unwahrscheinlichste Szenario“, sagt der Trainer von Werders Frauenmannschaft.

Der 33-Jährige geht stattdessen felsenfest von einem Aufstieg in die erste Bundesliga aus. „Wir wollen auf dem sportlichen Weg aufsteigen. Sollte das nicht möglich sein, gibt es aber auch andere Wege.” Damit meint Kluge jedoch nicht den Gang vor ein Gericht. Vielmehr könnte der DFB die Ligen aufstocken, sodass es in dieser Spielzeit nur Aufsteiger gäbe, oder die Hinrundentabelle zur Endtabelle erklären. In beiden Fällen wären Werders Frauen aufgestiegen. „Wir müssen schauen, was die Entscheidung bringt. Aber wir sind auf einem guten Weg“, glaubt Alexander Kluge. Sollte die Saison doch noch fortgesetzt werden, wähnt der Werder-Coach seine Mannschaft zudem in einer guten Verfassung.

Individuelle Trainingspläne

Mit einem wöchentlich angepassten Trainingsplan werde daheim im Kraft- und Ausdauerbereich gearbeitet. Die Spielerinnen würden außerdem individuell und im Rahmen ihrer räumlichen Möglichkeiten mit dem Ball arbeiten. Um die Spannung so gut wie möglich hochzuhalten, versucht das Trainerteam um Alexander Kluge, die bekannten Trainingsabläufe einzuhalten. „Dienstags haben die Spielerinnen frei, und am Sonntag, dem eigentlichen Spieltag, gibt es eine höhere Intensität und Belastung“, verrät der 33-Jährige. Um in diesen Tagen für etwas Abwechslung zu sorgen, streut das Trainerteam zudem wöchentlich eine Challenge ein.

Zuletzt mussten die Spielerinnen dabei einen Fußball jonglieren und dabei einen Tennisball von der einen Hand in die andere werfen. Mindestens 200 Mal musste der Tennisball hin und her geworfen werden, während der Ball jongliert wurde, lautete die Vorgabe des Trainerteams, das selbst ebenfalls an der Challenge teilnahm. Weil die Spielerinnen ihre Ergebnisse in der eigenen Whatsapp-Gruppe kommunizierten, wurde der Ehrgeiz unter ihnen geweckt. Wer die Challenge letztlich gewann, verriet Alexander Kluge aber nicht. Es gehe schließlich nur darum, die Mädels bei Laune zu halten, so der Werder-Trainer.

Wann die Mannschaft wieder zusammen auf dem Platz stehen kann, ist nämlich nicht abzusehen. „Momentan muss man schauen, was in der Politik passiert. Die Gesundheit ist und bleibt das A und O“, sagt Kluge. Während die Männer wieder in kleinen Gruppen und unter strengen Auflagen gemeinsam trainieren dürfen, müssen sich die Frauen gedulden. Die unterschiedliche Handhabung resultiert aus dem Vorhaben, die Fußball-Bundesliga der Männer wieder ab Mai austragen zu wollen. Die zweite Frauen-Bundesliga ist dagegen „bis auf Weiteres unterbrochen“. Solange kein Termin für die Wiederaufnahme der Saison genannt wird, dürfte somit auch kein Mannschaftstraining erlaubt sein.

Den Vereinen wurde aber zugesichert, bei einem Re-Start mindestens zwei Wochen vorher darüber informiert zu werden. „Das ist fair und eine ausreichende Vorbereitungszeit, da alle die gleichen Voraussetzungen hätten”, sagt Alexander Kluge. Die Grundlagen im Kraft- und Ausdauerbereich seien gelegt, zwei Wochen im Mannschaftstraining würden reichen, um wieder auf ein gewisses Level zu kommen. Denn das große Ziel sei nach wie vor, den Aufstieg in die Bundesliga auf sportlichem Weg zu schaffen. „Wenn die Situation eine Wiederaufnahme nicht zulässt und wir auf einem anderen Weg aufsteigen, wäre das ein komisches Gefühl“, sagt der 33-Jährige. Den Bundesliga-Aufstieg hätten Werders Frauen dann trotzdem geschafft.

Planungen laufen

Im Hintergrund laufen deshalb schon längst die Planungen für eine Rückkehr ins deutsche Oberhaus. Dass die Frauen dabei finanziell auch vom Abschneiden der Männer sowie den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abhängig sind, ist ihm bewusst. „Aber Werder positioniert sich seit Jahren sehr positiv zum Frauenfußball. Wir sind optimistisch, dass es weitergeht“, sagt Alexander Kluge. Auch im Privatleben stellt die Corona-Pandemie Werders Spielerinnen vor eine Herausforderung, schließlich haben nahezu alle Frauen einen Nebenjob oder sie absolvieren ein Studium. „Einige Spielerinnen können ihr Studium online fortsetzen. Wo finanzielle Schwierigkeiten auftreten, springt zudem die Familie ein. Wir sind im ständigen Austausch mit dem Team. Niemand steht vor einem existenziellen Problem.“

Einzig das Thema Neuzugänge könnte in diesem Jahr etwas schwieriger werden. Durch den eingestellten Spielbetrieb könnten weniger potenzielle Neuzugänge beobachtet, geschweige denn zu einem Probetraining eingeladen werden. „Wir machen die Aufgaben hier so gut es geht“, sagt Alexander Kluge. Bei möglichen Neuverpflichtungen werde zudem immer versucht, unabhängig von der Liga zu planen. „Wir führen bereits Gespräche“, verriet der 33-Jährige. Der Fokus liege momentan aber auf der möglichen Wiederaufnahme der Saison. Eine Frist, wann über die Fortsetzung der Saison entschieden werden soll, hat sich der DFB aber nicht gesetzt.

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