Werder Bremen Wie steht es um die medizinische Betreuung der Fußballerinnen?

Die Qualitätsunterschiede in der Frauen-Bundesliga sind groß. Ein Beispiel dafür ist die medizinische Betreuung. Bei den Frauen des SV Werder Bremen tut sich etwas, aber sie können noch nicht mithalten.
26.08.2022, 08:26
Lesedauer: 3 Min
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Wie steht es um die medizinische Betreuung der Fußballerinnen?
Von Hannah Krug

Für sportliche Höchstleistungen braucht es mehr als Disziplin und hartes Training. Beim Profifußball ist eine komplexe medizinische Betreuung für die schnelle Regeneration der Spieler unerlässlich. Das Können von so manchem Sportmediziner wird oftmals genauso geadelt und bezahlt wie das von talentierten Spielern. Dabei stehen vor allem die Männer des Profifußballs im Fokus. Welchen Anspruch auf eine medizinische Betreuung haben eigentlich die Frauen in der Bundesliga? Und wie ist der Status beim Frauenteam des SV Werder Bremen?

Die Fußballeuropameisterschaft der Frauen ist gelaufen und es geht mal wieder um Emanzipation. Neben der regelmäßig aufflammenden Debatte um eine gleiche Bezahlung, wird der Ruf auch lauter, weitere Rahmenbedingungen mit einzubeziehen. Trainingsausstattung, andere Anstoßzeiten oder eben die medizinische Betreuung.

Medizinischer Betreuer seit zwei Jahren dabei

Volker Diehl arbeitet als Praxismanager in der Paracelsus-Klinik Bremen im Fachbereich Sportmedizin und Prävention. Dort leitet er auch den Bereich radiologische Bildgebung. Diehl sowie zwei Mannschaftsärzte sind Teil einer medizinischen Kooperation zwischen der Paracelsus-Klinik und Werder Bremen. Das Trio kümmert sich sowohl um die Männer- und als auch um die Frauen-Bundesligamannschaft. Seit rund zwei Jahren ist Diehl der medizinische Betreuer speziell für die Fußballerinnen. Vor ihm war diese Stelle nicht besetzt.

Die Physiotherapeutin Jennifer Brimmer ist dagegen schon seit einigen Jahren mit dabei. "Sie betreut die Mädels vierundzwanzigsieben", sagt Diehl, also rund um die Uhr. Sie sei die Erste, die im Trainingsalltag mit Blessuren und Verletzungen der Frauen konfrontiert sei. Für weitere medizinische Untersuchungen kontaktiere sie dann ihn, Volker Diehl. So die Meldekette. 

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Diehl bezeichnet sein Engagement für die Werder-Frauen auch als Hobby: "Als ich zur Paracelsus-Klinik gewechselt bin, war es mein Anliegen, mich um Frauenfußball zu kümmern." Im persönlichen Umfeld hat er mitbekommen, wie seine Nichte sich bis in die U15-Frauenmannschaft bei Werder Bremen hochgespielt hat. Das fand er unterstützenswert. "Ich verfolge den Frauenfußball schon länger und in meinen Augen muss aus medizinischer Sicht mehr getan werden", sagt er.

Kein eigener Mannschaftsarzt für die Frauen

Doch wie viel wird tatsächlich getan beim SV Werder Bremen? Es ist klar, dass die medizinische Betreuung der Frauen noch nicht an das Niveau der Männer herankommt. Dafür steckt die Förderung des Frauenfußballs bei Werder Bremen noch in den Kinderschuhen. Die Zahlen belegen dies: Die Profimänner werden von drei Mannschaftsärzten und drei Physiotherapeuten und einer Physiotherapeutin betreut. Um die Frauen kümmern sich eine Physiotherapeutin und eine Sportpsychologin. Außerdem sind Diehl und zwei Mannschaftsärzte Ansprechpartner bei Verletzungen. Es gibt also keine exklusiven Mannschaftsärzte für die Frauen. Das hat auch zur Folge, dass bei Spielen kein Arzt regelmäßig mit dabei ist. Wer bei den Spielen dagegen immer anwesend ist, ist Physiotherapeutin Brimmer.

Diese Verteilung sei laut Diehl nicht ungewöhnlich. "Das Gros der Frauenbundesliga hat keinen Mannschaftsarzt auf der Bank. Es gibt einige wenige Vereine, die Global Player in Deutschland, die können das finanziell ermöglichen."

Ein Global Player in der Frauen-Fußballbundesliga ist der VfL Wolfsburg. Die Ressourcen, die der Verein für den Frauenfußball zur Verfügung stellt, spiegeln sich auch in der medizinischen Betreuung wieder. Ein Arzt und eine Ärztin sowie ein Physiotherapeut und zwei Physiotherapeutinnen kümmern sich beim VfL seit etwa zehn Jahren exklusiv um die Frauen. Bei den Spielen werden die Frauen laut Pressesprecherin Anna Groß zudem von einem Mannschaftsarzt und mindestens zwei Physiotherapeuten begleitet.

Vorzeigebeispiel VfL Wolfsburg

Gut aufgestellt, wenn auch noch nicht so lange wie der VfL Wolfsburg, ist auch das Frauen-Bundesligateam bei Eintracht Frankfurt. Vier Mannschaftsärzte und -ärztinnen kümmern sich laut Pressesprecher Paul Schönwetter aktuell um die Spielerinnen. Davon sei ein Arzt bereits seit Anfang der 1990er-Jahre aktiv, eine weitere Ärztin sei in dieser Saison dazugekommen. Zudem gebe es drei Physiotherapeuten, die die Spielerinnen unter der Woche und an Spieltagen betreuen würden.

Wie viele Ressourcen in das Frauenteam eines großen Fußballvereins fließen, bleibt eine wirtschaftliche Entscheidung, aber auch eine politische. Wer entscheidet, über den Umfang der medizinischen Betreuung eines Frauen-Bundesligateams? Die Angleichung anderer Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Trainingsausstattung oder eben die medizinische Versorgung wird zunehmend diskutiert, so auch beim SV Werder Bremen. Aber es gibt noch viel zu tun. Während der EM-Vorbereitung sagte Nationalspielerin Svenja Huth etwa: „Wir müssen erst einmal die Basisstrukturen in der Liga für alle Vereine schaffen."

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