Bundesliga-Frauen unterliegen Bayern München Ein 0:4, das Mut macht

So klar das Ergebnis den Unterschied beider Teams wiedergibt, so klar unterscheiden sich auch die Rahmenbedingungen beider Klubs. Doch die Amateure aus Bremen haben es den Profis aus München schwer gemacht.
14.09.2020, 10:00
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Ein 0:4, das Mut macht
Von Jörg Niemeyer

Gut gemacht – trotz eines Ergebnisses, das normalerweise zu viel Kritik Anlass geben würde. Beim 0:4 (0:2) gegen den FC Bayern München haben sich die Fußballerinnen des SV Werder teuer verkauft. „Mehr geht im Augenblick nicht“, sagte Trainer Alexander Kluge nach einer Partie, in der ihm einige Dinge seiner Mannschaft gut gefallen hatten. „Mit unseren Mitteln haben wir viel rausgeholt“, sagte der 33-Jährige.

Wenn der Bundesliga-Neuling von der Weser den Champions-League-Viertelfinalisten von der Isar empfängt, ist bei den Frauen eine Überraschung noch unwahrscheinlicher als bei den Männern. Im weiblichen Bereich hat sich der FC Bayern vorgenommen, dem VfL Wolfsburg endlich den Rang abzulaufen. Entsprechend hat er sich verstärkt – und entsprechend ist er vor einer Woche aus den Startlöchern gekommen. „Mit dem 6:0 gegen den SC Sand waren wir sehr zufrieden“, sagte Bayern-­Sprecher Josef Thaurer auf der verwaisten, zuschauerlosen Tribüne von Platz 11. Dass sein Team diesmal auf zwei Positionen verändert werden musste, sah Thaurer vor dem Anpfiff auch nicht als Problem an.

Arm gegen steinreich

„Bayern ist mit Nationalspielerinnen gespickt“, sagte Werders Kapitänin Lina Hausicke nach dem Schlusspfiff, „im Spiel hat man heute den Unterschied zwischen ihnen und uns gesehen.“ Der Unterschied besteht erst einmal darin, dass die Münchenerinnen Stammkraftausfälle kompensieren, indem sie Nationalspielerinnen einsetzen. Sprecher Thaurer musste selbst schmunzeln, als er Amanda Ilestedt, WM-Dritte 2019 mit Schweden, und Lineth Beerensteyn, WM-Zweite 2019 mit den Niederlanden, als Ersatzspielerinnen für die Startelf bezeichnete.

Im ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg traf ein vergleichsweise armer, dennoch ambitionierter SV Werder auf einen steinreichen, noch viel ambitionierteren FC Bayern. Hier die Spielerinnen, die durchweg noch einem Beruf nachgehen, und dort die Vollprofis, die, so sagte Josef Thaurer, höchstens deshalb noch einer Nebentätigkeit nachgehen, um entweder etwas anderes um die Ohren zu haben oder um das Leben nach der Karriere nicht aus dem Blick zu verlieren.

Kräfte gehen aus

Angesichts dieses Ungleichgewichts bei den Rahmenbedingungen war natürlich klar, dass es auch auf dem Rasen keine „Waffengleichheit“ geben würde. Der Favorit und Tabellenführer brauchte zwar ein paar Minuten, bis er seinen Rhythmus gefunden hatte. Aber dann spielte sich das Geschehen auch nahezu ausnahmslos in der Hälfte des Aufsteigers ab. Der ackerte und rackerte vorbildlich, lief dem Ball aber oftmals gegen die technisch, läuferisch und körperlich überlegenen Gäste schlicht hinterher. „Zum Schluss sind uns die Kräfte ausgegangen“, sagte Lina Hausicke. Das war weder überraschend noch eine Schande. Denn, auch das war ein positiver Kritikpunkt von Trainer Kluge: Nach dem relativ frühen 0:4 bereits in der 63. Minute hielt sein Team das eigene Tor in den letzten knapp 30 Minuten sauber.

In der ersten Halbzeit war den Grün-Weißen das sogar 38 Minuten lang geglückt. Und viel fehlte nicht einmal, dass Werder mit 1:0 in Führung gegangen wäre. Unverdient zwar angesichts der Spielanteile, aber möglich, nachdem sich Margarita Gidion in der 35. Minute am gegnerischen Strafraum durchgesetzt hatte, ihr Schuss aus 15 Metern dann aber noch zur Ecke abgefälscht wurde. Es war, das kann nicht geleugnet werden, allerdings die einzige Torerfolg versprechende Aktion des Außenseiters. Erst in der Nachspielzeit landete nach einem langen Werder-Freistoß der Ball erstmals in den Händen von Bayerns Torfrau Laura Benkarth.

Mutig, aber unterlegen

Es gehörte aber auch zur Wahrheit, dass die Gastgeberinnen sich aus mancher brenzligen Situation spielerisch klasse befreiten. Das führte dann zwar nicht zu eigenen gefährlichen Kontern, sah jedoch trotzdem gekonnt aus. Schließlich machte Bayern viel Druck, stellte die Bremerinnen praktisch schon zu, wenn Torfrau Lena Pauels zum Abschlag ausholte. Zeit zum Luftholen hatte der SV Werder kaum – paradoxerweise erst recht nicht, wenn er mal in die gegnerische Hälfte eingedrungen war. Denn meistens eroberten die Gäste den Ball schnell zurück und starteten überfallartige Angriffe gegen den ausnahmsweise mal aufgerückten Gegner.

Der Mut war Werder nie abzusprechen – auch darüber freute sich Alexander Kluge. Dass Viviane Asseyi (38.), Linda Dallmann (40.), Amanda Ilestedt (53.) und Sydney Lohmann (63.) irgendwann treffen würden, war eben nur eine Frage der Zeit. Doch zu keinem Zeitpunkt hingen die Köpfe beim Aufsteiger nach unten. „Unsere Gegner werden erst noch kommen“, sagte Lina Hausicke.

Einen Vorgriff auf erfolgreichere Zeiten in der Liga will, so die Botschaft der Kapitänin, Werder schon am kommenden Sonnabend vornehmen. Dann gastiert der Klub im DFB-­Pokal beim Zweitligisten Borussia Mönchengladbach. „Dann sind wir der Favorit“, sagte Trainer Kluge, „dann wollen wir etwas für unser Selbstvertrauen tun.“

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