Bundesliga-Debüt Werder-Frauen mit Spektakel gegen Köln

Werders Frauen schlagen in einem spektakulären Spiel die Kickerinnen des 1. FC Köln mit 6:2. Für die Spielerinnen von Werder war es das erste Bundesliga-Spiel überhaupt. Begonnen hat es indes mit einem Rückschlag.
31.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Werders Frauen schlagen in einem spektakulären Spiel die Kickerinnen des 1. FC Köln mit 6:2. Für die Spielerinnen von Werder war es das erste Bundesliga-Spiel überhaupt. Begonnen hat es indes mit einem Rückschlag.

Zum Auftakt in der 1. Bundesliga begnügten sich Werders Kickerinnen nicht mit einem schlichten Erfolg. Es musste ein 6:2 (1:2)-Heimsieg über den 1. FC Köln sein, und der bot auch noch weitaus mehr Spektakel, als das klare Ergebnis ohnehin vermuten lässt. Denn Werder lag bereits nach rund einer Viertelstunde mit 0:2 zurück, gewann also nach einer furiosen Aufholjagd. So weckt man das Interesse an der neuen Spielklasse. „Für die Dramaturgie ist das natürlich eine tolle Geschichte“, meinte Bremens Trainer Steffen Rau. Sein Kölner Kollege Willi Breuer fand das Spiel dagegen „brutal“.

Niedergeschlagenheit hatte zur Pause auf Werder-Seite trotz des Rückstandes nicht geherrscht. „Natürlich waren die frühen Gegentore ein Schock, aber wir wollten gleich wieder raus aus der Kabine und dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten“, beschrieb Marie-Louise Eta die Stimmung in der Halbzeit. Ihre Kollegin Maren Wallenhorst unterstrich, Werder habe sogar „eher Kraft“ aus dem ersten Durchgang geschöpft: „Wir hatten unsere Torchancen ja bekommen.“

Der Wille war also da, und die nötige Kraft offenbar auch. Was sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten abspielte, lässt sich trotzdem nicht so einfach erklären. Bremens Youngster Stefanie Antonia Sanders traf nach schöner Vorarbeit von Stephanie Goddard zum schnellen Ausgleich, Katharina Schiechtl staubte im Anschluss an einen Eckball zum 3:2 ab, und schließlich versenkte Eta einen indirekten Freistoß aus 14 Metern zum vorentscheidenden 4:2.

Dieser Treffer machte wohl am besten deutlich, dass nicht nur in der Bremer Mannschaft etwas vor sich gegangen war – nun waren nämlich die Kölnerinnen verunsichert. Es sah schon etwas unbeholfen aus, wie FC-Innenverteidigerin Lena Schrum den Ball vom Mittelkreis über 40 Meter zu ihrer Torhüterin zurückpasste. Doch die zuvor so starke Lena Nuding setzte noch einen drauf, indem sie den Ball zunächst ein paar Meter mit dem Fuß führte, dann aber in die Hand nahm und den Freistoß verursachte.

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Das war einer der „Knackpunkte“, über die Breuer später konsterniert sprach. Vermutlich der letzte. Denn nach der 4:2-Führung spielte nur eine Mannschaft, nämlich Werder. Ob durch einen Konter, mit einer schönen Kombination oder einer Einzelaktion, nun sorgten die Gastgeberinnen für eine Menge Unterhaltung auf den Rängen. Zwischen dem 5:2 durch Sanders (nach tollem Solo) und dem Strafstoß von Goddard zum Endstand (Nuding sah für das Foul an Wallenhorst Rot) lag lediglich ein Abseitstor durch Kölns Christina Julien (79.). Der tollen Stimmung auf Platz 11 hatte es nichts anhaben können. Die Aktionen der Bremerinnen wurden begleitet von rhythmischen Klatschen, und am Ende skandierte das Stadion: „Oh, wie ist das schön.“

Von einem solchen Rahmen war rund zwei Stunden zuvor keine Rede gewesen. Rund 20 Minuten vor dem Anpfiff hatte es zu regnen begonnen, dunkle Wolken kündigten gar ein Gewitter an. Nachdem kurz vor der Partie die besten Torschützinnen der letztjährigen Zweitligasaison (Cindy König: 19 Treffer in Staffel Nord; Lise Munk: 27 Treffer in Staffel Süd) geehrt wurden, begann es tatsächlich zu donnern.

Mit dem folgenden Starkregen kündigte sich auch auf dem Platz eine ausgesprochen unangenehme Entwicklung an. Die Kölnerinnen benötigten nämlich gerade fünf Minuten, ehe sie den ersten Bundesligatreffer auf Bremer Boden erzielten. Ausgerechnet durch Munk, ihre gerade erst ausgezeichnete Torjägerin. So hatten sich die Bremerinnen den Start natürlich nicht vorgestellt. „Der Anfang war tierisch doof“, meinte Stefanie Antonia Sanders, und Steffen Rau bekannte: „Wir waren 15, 20 Minuten nervös.“

Die Zeit reichte dem Gast zu einer komfortablen Führung. Denn erst 17 Minuten waren gespielt, da führte der FC dank des Treffers von Anna Gerhardt bereits mit 2:0. Was für ein Zwischenergebnis zur Premiere gegen einen Mitaufsteiger! Dabei hatte der 1. FC Köln seinen Gegner nicht an die Wand gespielt. Optisch war der Meister der 2. Liga Süd vielleicht etwas überlegen gewesen. Doch die Bremerinnen hatten mitgespielt. Der Unterschied lag also eher im Detail. Der Gast war vor allem handlungsschneller, wirkte deshalb in den meisten Szenen präsenter als sein Gegner. Doch weil die Bremerinnen auch ihren Anteil an dieser Partie besaßen, sollte es nicht mangeln an Szenen, die Mut machten. Etwa den Freistoß von Marie-Louise Eta an den Pfosten (24.). So richtig gut tat allerdings der erste Bremer Treffer in der noch jungen Erstligageschichte: Herrlich freigespielt startete Maren Wallenhorst einen 30-Meterlauf in Richtung Kölner Tor, guckte die Keeperin aus und schob überlegt zum 1:2 ein (45.). Wenig später kam die Sonne heraus.

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