Stephanie Goddard im Interview "Wir haben unsere Lektion gelernt"

Sie zählt zu den wenigen Spielerinnen in Werders erster Frauenmannschaft mit Erstligaerfahrung. Und deshalb ist Stephanie Goddard eine der ganz wichtigen Spielerinnen im Kader von Trainer Steffen Rau.
17.10.2015, 00:00
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Sie zählt zu den wenigen Spielerinnen in Werders erster Frauenmannschaft mit Erstligaerfahrung. Und deshalb ist Stephanie Goddard eine der ganz wichtigen Spielerinnen im Kader von Trainer Steffen Rau. Am Sonntag (11 Uhr) empfangen die 27-Jährige und ihre Teamkolleginnen den amtierenden Champions-League-Sieger und siebenfachen Deutschen Meister 1. FFC Frankfurt zum Punktspiel. Über diese Partie und ein Pokalduell vor rund zwei Jahren sprach sie mit Stefan Freye.

Frau Goddard, können Sie sich noch an den 15. Dezember 2013 erinnern?

Stephanie Goddard:

Ja, sicherlich, die sieben Dinger.

Es waren acht.

(lacht) Dann habe ich wohl eines verdrängt.

Jedenfalls hat Ihre Mannschaft damals gegen den 1. FFC Frankfurt mit 0:8 im DFB-Pokal verloren. Am Sonntag um 11 Uhr empfangen Sie diesen Gegner zu einem Bundesligaspiel. Was hat sich abgesehen vom Aufstieg Ihrer Mannschaft seither noch verändert?

Vom Personal her nicht unbedingt viel. Aber wir haben als Mannschaft eine Entwicklung genommen, die uns auf die jetzige Situation vorbereitet hat. Damals war dieses Spiel das Highlight schlechthin, zu Hause gegen einen Bundesligisten. Jetzt ist es nicht mehr so besonders wie vor zwei Jahren. Wir müssen sehen, dass wir möglichst wenig zulassen, und dann haben wir die Hoffnung, uns mal ein 0:0 zu erkämpfen.

Sie haben die personelle Situation angesprochen: Bis auf ein, zwei Positionen könnte am Sonntag die Werder-Elf des Pokalspiels auflaufen. Was macht die Entwicklung Ihrer Mannschaft denn eigentlich aus?

Das ist schwer zu erklären. Ich denke, jede einzelne Spielerin hat an sich gearbeitet. Die eine ist professioneller geworden, die andere ehrgeiziger. Und wir wissen jetzt, dass unsere einzige Chance darin besteht, mit Teamgeist anzutreten. Wir sind in den vergangenen zwei Jahren zusammengewachsen.

Wie haben Sie sich selbst entwickelt in dieser Zeit?

Allzu viel ist eigentlich nicht passiert. Ich habe in der 1. Bundesliga vielleicht noch ein bisschen mehr Verantwortung und versuche noch mehr als Vorbild voranzugehen. Außerdem habe ich ebenfalls an meinen Schwächen gearbeitet und wie alle anderen auch ein bisschen mehr aus mir herausgeholt.

Nachdem Sie in den vergangenen Jahren überwiegend in der Offensive angetreten waren, spielen Sie nun auf der Position vor der Abwehr. Wo fühlen Sie sich wohler?

Vom Instinkt her fühle ich mich vorn wohler. Die Wege sind kürzer, und ich will ja Tore schießen. Ich weiß aber auch, dass ich aufgrund meiner Präsenz mehr Zweikämpfe gewinnen kann. Also helfe ich der Mannschaft auf meiner jetzigen Position, und damit bin ich vollkommen zufrieden. Die Frage ist ja auch, ob ich mit meiner Spielweise zu unserem System passen würde. Wir spielen ja keinen Hurra-Fußball, und ich bin nicht die Spielerin, die man unbedingt steil schickt (lacht).

Derzeit sind die Frankfurterinnen Zweiter hinter den Bayern. Vor zwei Jahren kam der 1. FFC Frankfurt dagegen noch als absolute Topmannschaft der 1. Bundesliga. Wie schätzen Sie diesen Gegner nun ein?

Es ist in der Spitze ein bisschen ausgeglichener, und das kommt der ganzen Liga zugute. Die Mannschaften oben nehmen sich auch mal gegenseitig die Punkte weg. Das macht es interessanter. Die Topteams werden auch etwas anfälliger, weil die Analyse der Schwächen etwas leichter fällt. Was das Personal des FFC betrifft, bin ich mir nicht so sicher: Früher hatten sie gefühlt 80 Prozent deutsche Nationalspielerinnen. Heute sind sie etwas internationaler. Das macht eine Einschätzung nicht leichter.

Wie viele andere Mannschaften der Liga haben auch die Frankfurterinnen bislang relativ wenig Treffer erzielt, genau sechs in fünf Spielen. Haben Sie eine Erklärung für diese Torarmut?

Wir haben gegen Bayern gesehen, dass die Topteams mit viel Geduld spielen, fast schon behäbig. Während Wolfsburg 90 Minuten mit 120 Km/h auf uns zugerannt ist, wird Frankfurt uns wohl auch eher langsam mürbe spielen wollen. Sie werden die Kontrolle haben, aber sie werden sich Zeit lassen.

Was bedeutet der Punktgewinn vom 2:2 in Freiburg für das Spiel gegen Frankfurt?

Erst mal ist es ein Erfolgserlebnis. Wir haben uns gut verkauft und etwas mitgenommen. Das gibt uns die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ihr Trainer Steffen Rau hatte vor dem letzten Spiel den gleichen Einsatz wie gegen die Bayern gefordert, was die Mannschaft dann ja auch befolgt hat. Besteht trotzdem die Möglichkeit, dass das Engagement Ihres Teams wieder nachlässt?

Ich habe es ja selbst gemerkt: Wir haben in Jena in der Nachspielzeit den Gegentreffer zur 0:1-Niederlage kassiert, weil wir vielleicht doch nicht mehr alles gegeben haben. Das hat uns wehgetan. Der Trainer impft es uns ein, und wir wissen selbst, dass wir um jeden Punkt kämpfen müssen. Wir haben unsere Lektion in Jena gelernt. Deshalb habe ich da eigentlich keine Bedenken.

Am Sonntag werden Sie die Partien gegen Wolfsburg, Bayern und Frankfurt absolviert haben. Die Duelle mit den drei Topteams der Liga sind dann überstanden. Beginnt die Saison für Werder in der kommenden Woche erst richtig?

Nein, das würde ich nicht sagen. Wir hatten ein gutes Programm zum Auftakt. Das hat uns auch gut vorbereitet auf das, was noch kommen wird. Gegen Mannschaften wie Leverkusen, Sand, Essen oder Hoffenheim müssen wir aber etwas holen, wenn wir in der Liga bleiben wollen.

Der Auftakt gegen den 1. FC Köln verlief beim tollen 6:2-Heimsieg richtig gut. Wirklich enttäuscht hat Ihre Mannschaft auch danach nicht, aber in vier Spielen lediglich einen weiteren Punkt gewonnen. Befinden Sie sich im Soll oder sehen Sie ein Problem in dieser Ausbeute?

Nein, die Niederlagen gegen Wolfsburg und Bayern waren abzusehen, Jena sehe ich als Lektion, und zuletzt in Freiburg haben wir uns einen Punkt erkämpft. Wenn wir das so weiter durchziehen, werden wir noch weitere Punkte holen.

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