Werders U23 bezwingt Hildesheim

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Werders U 23 bezwingt den VfV Hildesheim verdient mit 2:0, erntet aber auch Kritik für den Umgang mit den vielen guten Torchancen. Im Männerfußball kann sich das rächen, sagt Trainer Konrad Fünfstück.
27.09.2020, 11:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
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Das war ein guter Nachmittag: Beim 2:0 (1:0)-Heimsieg über den VfV Hildesheim sammelten die Kicker von Werders U 23 die Punkte fünf bis sieben in der Staffel Süd der Regionalliga Nord. Sie haben erst drei Spiele absolviert und damit weniger als die meisten Konkurrenten, belegen aber trotzdem den fünften Tabellenplatz. Es sieht also ganz so aus, als ob die Bremer sich erst einmal festgesetzt hätten in der Spitzengruppe ihrer Staffel. Die Chancen stehen jedenfalls gut. Zudem lag dem Heimerfolg gegen die Niedersachsen eine ordentliche Leistung zugrunde. „Wir haben hochverdient gewonnen“, meinte Werder-Trainer Konrad Fünfstück. Dass er den VfV zudem als „bisher besten Gegner“ bezeichnete, lässt auf eine einigermaßen schwere Aufgabe schließen.

Alles gut bei der U 23 also? Fast. Es gab schon auch ein unangenehmes Thema nach dieser Partie. Denn Werder hatte es sich selbst schwer gemacht, unnötig schwer angesichts einer Vielzahl an vergebenen Chancen. Deshalb gab es etwa diese Phase, da hätte das Spiel womöglich eine Wendung nehmen können. Zwar hatte Kebba Badjie sein Team nach rund einer Viertelstunde in Führung gebracht, als er sich im Stile eines Mittelstürmers in den Fünfmeterraum gewühlt und von dort abgeschlossen hatte. Aber nur wenig später war der Gast doch ziemlich gut ins Spiel gekommen. Ein Freistoß von Mohammad Baghdadi, der aus 24 Metern an den Pfosten des Bremer Tores klatschte (25.), sowie der Kopfball durch Jane Zlatkov, der nach einer Ecke freistehend nur etwas zu hoch abschloss (29.), unterstrichen die Ambitionen des Gastes.

Kritik an Chancenverwertung

Hildesheim hatte sich auch vorm Rückstand nicht versteckt und war somit in der gesamten ersten Halbzeit um offensive Akzente bemüht gewesen. Andererseits: Unverdient war das Bremer 1:0 zur Pause sicher nicht. Sie hatten trotz der Hildesheimer Möglichkeiten ein klares Chancenplus zu verzeichnen. So waren Eren Dinkci (4.) und Maik Nawrocki (9.) bereits vor der Führung aussichtsreich gescheitert, und noch vor der Pause besaß der Gastgeber sogar drei hundertprozentige Möglichkeiten. Einmal, als zunächst Dinkci aus kurzer Distanz den VfV-Keeper Nils Zumbeel anschoss und Badjie im Nachschuss aus sechs Metern über das Tor abschloss (35.). Und dann beim Schuss von Badjie, der aus kurzer Distanz zum Zuge kam, aber ebenfalls an Zumbeel scheiterte (39.). „Unsere Chancenverwertung müssen wir absolut kritisch betrachten“, fasste Werder-Trainer Fünfstück das Verhalten seiner Spieler vor dem gegnerischen Tor zusammen.

Unterm Strich konnte sicher keine Rede davon sein, dass der Sieg irgendwann ernsthaft gefährdet gewesen wäre. Aber so ein 1:0 über die Zeit bringen zu wollen, ist gerade für eine junge Mannschaft selten eine gute Idee. „Eine solche Chancenverwertung kann sich im Männerfußball immer mal rächen“, betonte Fünfstück. Er sieht allerdings die Zeit auf seiner Seite: „Das hat viel mit Routine zu tun, uns fehlt die Abgezocktheit, aber das kommt einfach.“ So ähnlich sieht es auch Maik Nawrocki. „Es wäre einfacher, wenn wir früher das 2:0 machen, aber die Stürmer schießen ja nicht mit Absicht daneben“, meinte der Innenverteidiger. Er hatte seinem Team mit dem zweiten Treffer das ganz große Zittern in den Schlussminuten erspart. Es war eine Koproduktion der Defensivkräfte, denn die Vorlage zum Abstauber Nawrockis kam vom Sechser Julian Rieckmann.

Starke Bremer Abwehr

Überhaupt durfte die Abwehr der Bremer später als stärkster Mannschaftsteil bezeichnet werden. Denn nach dem Wechsel hatte der VfV Hildesheim zwar mehr Spielanteile besessen als der Gegner. Angesichts der sicheren Werder-Defensive brannte aber kaum noch etwas an. Auf der anderen Seite hatte der Gastgeber bei Kontern durch Dinkci (72.) und Abdenego Nankishi (79.) mal wieder gute Chancen vergeben. Dann folgte der erlösende Treffer zum Endstand, und danach wurde es doch noch einmal eng. Es sah jedenfalls schon so aus, als hätte Nawrocki den 15-Meter-Schuss von Hildesheims Dominik Franke nicht nur mit dem Rumpf, sondern auch mit dem Arm gestoppt. Der Abwehrspieler widersprach dieser Einschätzung allerdings deutlich: „Ich habe den Ball schön in den Bauch bekommen, das tat richtig weh.“ Es war der einzige Schmerz an diesem Nachmittag.

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