H96 - Werder Bremen 4:1 Hannover schießt Werder tiefer in die Krise

Hannover. Der Befreiungsschlag blieb aus, stattdessen gab es ein weiteres Frusterlebnis für Werder. Mit dem 1:4 (1:1) im kleinen Nordderby bei Hannover 96 rutschen die Bremer tiefer in die Krise. Fehler in der Abwehr und ein lahmendes Offensivspiel - Werder steht im Tabellenkeller.
21.09.2010, 21:46
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Von Ben Binkle

Hannover. Erneuter Nackenschlag statt Befreiungsschlag: Mit einem 1:4 (1:1) im kleinen Nordderby bei Hannover 96 rutscht Werder Bremen immer tiefer in die Krise. Vor 43.127 Zuschauern brachten sich die Bremer durch schwere individuelle Fehler um ein besseres Ergebnis und stehen mit nur vier Punkte nach fünf Spielen im Tabellenkeller der Bundesliga.

Gleich auf drei Positionen stellte Thomas Schaaf die Werder-Startelf nach dem 0:2 gegen Mainz 05 um. Tim Borowski, Marko Arnautovic und Hugo Almeida saßen allesamt nur auf der Ersatzbank, dafür durften Wesley, Philipp Bargfrede und Sandro Wagner von Beginn an ran. Taktisch stellte Schaaf auf 4-2-3-1-System um, Wagner war dabei die einzige Spitze.

Trotz aller Veränderungen machte Werder zunächst da weiter, wo das Team gegen Mainz aufgehört hatte. Offensiv fand Bremen in der Anfangsphase nicht statt. Und in der Abwehr war Mikael Silvestre ein großer Unsicherheitsfaktor. Dem Franzosen versprangen viele Bälle, die Nervosität war allen seinen Aktionen deutlich anzumerken.

Elf Minuten plätscherte die Partie ohne aufregende Szenen dahin, dann gingen die Gastgeber aus dem Nichts in Führung. Nach einem Freistoß von Konstantin Rausch verlor Wagner seinen Gegenspieler Emanuel Pogatetz komplett aus den Augen. Der Österreicher köpfte Richtung Tor, Clemens Fritz hielt sein Bein dazwischen und lenkte den Ball unhaltbar für Keeper Tim Wiese in die Maschen (11.).

Frings behält vom Punkt die Nerven

Und Fritz blieb im Blickpunkt. Zunächst ließ sich der Rechtsverteidiger von Rausch düpieren, dessen Hereingabe verpasste Moritz Stoppelkamp am Elfmeterpunkt nur ganz knapp (15.). Es dauerte bis zur 27. Minute, bevor Werder erstmals gefährlich vor das Tor der Gastgeber kam. Doch klebte Fritz weiter das Pech am Fuß. Nach einem Traumpass von Kapitän Torsten Frings setzte er den Ball an die Querlatte.

Gerade als die Bremer etwas besser ins Spiel kamen, hatte Didier Ya Konan die Großchance zum 2:0. Weil Gegenspieler Prödl erst schlecht stand und dann auch noch ausrutschte, kam der Ivorer plötzlich frei vor Wiese zum Abschluss. Doch Werders Nummer eins reagierte glänzend (32.).

Drei Minuten später wurde es dann turbulent. Nach einem Freistoß von Marko Marin riss Pogatetz seinen Landsmann Prödl im Strafraum um - Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Elfmeter für Werder Bremen. Eine vertretbare Entscheidung. Frings behielt die Nerven und verwandelte sicher vom Punkt (36.). Für den Kapitän war es bereits der dritte Saisontreffer.

Das Tor tat den Grün-Weißen sichtlich gut, Werder setzte mutig nach. Erst wurde Fritz nach einer Ecke geblockt (39.), dann prüfte Marin 96-Goalie Florian Fromlowitz aus 18 Metern (40.). Hannovers Antwort ließ aber nicht lange auf sich warten. Ya Konan spielte seinen Sturmpartner Mohammed Abdellaoue mit einem tollen Hackenpass frei, doch dem Norweger versagten frei vor Wiese die Nerven (42.). Auf einmal waren Tempo und Klasse in der bis dato lahmen Partie.

Die zweite Hälfte begann ähnlich hektisch und fahrig wie die erste, bis Hannover wieder zuschlug. Und das unter gütiger Mithilfe der Bremer. Bargfrede verlor in einem komplett unnötigen Dribbling den Ball im Spielaufbau - ein individueller Patzer mit Folgen. Abdellaoue steckte blitzschnell auf den starken Ya Konan durch, der Wiese ganz cool aussteigen ließ und zum 2:1 einschob (53.).

Der erneute Rückstand war ein Nackenschlag für Werder, der deutlich Wirkung hinterließ. Zehn Minuten lang ging gar nichts mehr im Offensivspiel, dann hatte Werder Pech, als es nach dem klaren Handspiel von Stoppelkamp im 96-Strafraum keinen zweiten Elfmeter gab (64.). Schaaf verstärkte den Angriff und brachte Almeida für Wesley, wenig später dann auch Arnautovic für Bargfrede.

Das Bemühen der Bremer war in Ansätzen erkennbar, doch mangelte es weiter an Kreativität und Durchschlagskraft. Und hinten patzte der nächste Werderaner. Eine harmlose Hereingabe von Manuel Schmiedebach ließ Prödl ungelenkt direkt vor die Füße von Christian Schulz springen. Der Ex-Werderaner ließ sich nicht lange Bitten und zog aus 16 Metern ins Lange Eck zum 3:1 ab (80.).

Allofs: "Das war ein bitterer Abend für uns"

Es war die Entscheidung im kleinen Nord-Derby. Abdellaoue (82.) und Ya Konan (88.) hätten bei besten Konterchancen noch erhöhen können, patzten aber im Abschluss. Von Werder kam außer einer Chance für Wagner (80.) nichts mehr. Wie schon gegen Mainz konnten die Bremer in Halbzeit zwei nicht mehr zulegen und blieben vor allem im offensiven Kombinationsspiel enttäuschend. In der Nachspielzeit durfte dann auch Abdellaoue noch jubeln. Einmal mehr fand Hannover die Lücke in der Werder-Abwehr, der Norweger tunnelte Tim Wiese zum 4:1-Endstand (90.).

Mit einem weiteren Frusterlebnis musste Werder Bremen die Rückreise antreten. Entsprechend bedient war auch Klaus Allofs. "In der zweiten Halbzeit haben wir völlig den Faden verloren, da waren wir von allen guten Geistern verlassen", fasste er die Leistung seiner Spieler zusammen. Den Sportdirektor ärgerten die "katastrophale Fehler hinten" ebenso wie die "planlosen langen Bälle" im Spiel nach vorne. "Das war ein bitterer Abend für uns", lautete das prägnante Fazit von Allofs.

Schon am Sonnabend spielt Werder Bremen im nächsten Nord-Derby gegen den Hamburger SV. Wir berichten ab 18.30 Uhr im Liveticker vom Spiel.

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