Polizei Bremen will Videos auswerten HSV-Fan liegt im künstlichen Koma

Bremen. Der 44-jährige HSV-Fan, der am Sonnabend im Weserstadion schwer verletzt wurde, befindet sich weiterhin in einem kritischen Zustand. "Er liegt im künstlichen Koma. Es gibt keine Entwarnung", erklärte am Montag ein Polizeisprecher.
27.09.2010, 03:02
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Von Ronja Bomhoff

Bremen. Der 44-jährige HSV-Fan, der am Sonnabend im Weserstadion schwer verletzt wurde, befindet sich weiterhin in einem kritischen Zustand. "Er liegt im künstlichen Koma. Es gibt keine Entwarnung", erklärte am Montag ein Polizeisprecher.

Der 44 Jahre alte Mann aus Neumünster gehörte zu den insgesamt 24 Menschen, die in einem Gedränge auf einer Treppe im Gästeblock gestürzt waren. Er wurde in dem Gedränge schwer verletzt und musste noch vor Ort reanimiert werden. Einem weiteren schwer verletzten Fan geht es inzwischen besser. Der 43 Jahre alte Hamburger konnte das Krankenhaus am Sonntag verlassen.

Im Gedränge seien außerdem fünf weitere Fans und 17 Polizisten leicht verletzt worden. Sie erlitten laut Polizei Schürfwunden, Prellungen und Gehirnerschütterungen. Sie konnten inzwischen alle das Krankenhaus verlassen.

Berichte, nach denen es im Innenbereich der Westkurve zu einer Massenpanik gekommen sei, wiesen die Sicherheitskräfte zurück. "Die Polizei hatte bis zum Durchbruch nie das Gefühl, dass die Situation eskalieren könnte", erklärte Kai Ditzen von der Bereitschaftspolizei. HSV-Fans werfen den Einsatzkräften indes nach Medienberichten Fehler vor: Der Wartebereich im Stadion sei zu klein, besser wäre ein Areal vor dem Stadion gewesen. Bremens Polizeipräsident Holger Münch sagte, der Einsatz werde sorgfältig aufgearbeitet, falls notwendig, werde das Konzept abgeändert.

Zu dem Gerangel sei es gekommen, als rund 20 Fans eine halbe Stunde nach Abpfiff des Nordderys am Samstagabend versucht hätten, die Polizeisperre an einem der drei Treppenabgänge aus dem Gästebereich zu durchbrechen. Das berichtete die Polizei auf einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag. Angeblich wollten die Fans einen Zug nach Hamburg bekommen, um nicht bis morgens um sechs Uhr in Bremen bleiben zu müssen.

Die HSV-Fans hätten bei der Durchbrechung die Polizisten oben von der Treppe gestoßen, einige Fans seien selbst gestürzt. Zwei Minuten nach der Durchbrechung habe die Polizei die Sperrungen an den anderen beiden Treppen aufgehoben, sodass die Fans ungehindert zu den Bussen vor dem Stadion gehen konnten. Dabei sei nach Polizeiangaben alles friedlich geblieben. Die Treppe, bei der mehrere Polizisten und HSV-Fans verletzt wurden, sei nach Klärung der Situation gesperrt- und zum Tatort erklärt worden.

Die HSV-Fans sollten eigentlich nach Spielende nur 20 Minuten im Gästebereich warten. Es habe länger gedauert, weil die Polizei gewartet habe, bis die meisten Werder-Fans den Bereich um das Weserstadion verlassen haben, begründete die Polizei am Sonntag die Verlängerung der Wartezeit.

Während der 20-minütigen Wartezeit seien die HSV-Fans im Gästebereich des Weserstadions ruhig und entspannt geblieben. Ein Mitarbeiter des WESER-KURIER, der vor Ort war,berichtete aber, dass es schon während der Wartezeit zu ersten aggressiven Aktionen gekommen war. Einige Fans hätten Sprechchöre gegen die Polizei angestimmt und mit Bechern nach den Beamten geworfen.

Mit Fehlern beim Bau des neuen Gästeblocks im Weserstadion hätte der Vorfall laut Polizei nichts zu tun gehabt. Nach dem Umbau seien von verschiedenen Stellen keine Mängel oder Sicherheitsprobleme festgestellt worden. Wie viele Personen genau stürzten und ob andere Fans über die am Boden liegenden Personen drüber gelaufen seien, wie ein Sprecher der Polizei noch am Samstagabend berichtete, müsse noch untersucht werden. Die Ermittlungen gehen weiter. Währenddessen äußerten sich mehrere Fans des HSV im Internet kritisch über das Sicherheitskonzept der Polizei im Weserstadion.

Ein Video auf der Internet-Plattform 'Youtube'zeigt heftiges Gedränge auf einer Treppe. Dazu sagte die Polizei am Sonntag zunächst nichts. Die Bilder müssten genauer ausgewertet werden. Auch auf die Schilderung eines HSV-Fans im Internet-Forum des Hamburger Vereins konnte sich die Bremer Polizei keinen Reim machen. Der Fan schreibt, oben sei die Sperre aufgehoben worden, unten hätten die Fans aber vor einer Polizeikette und verschlossenen Toren gestanden - so sei ein heftiges Gedränge entstanden. Holger Münch: 'Unten hat es keine Polizeiabsperrung gegeben.' Der Weg zu den Bussen sei frei gewesen.

Werder-Marketingchef Klaus Filbry sprach den Verletzten am Sonntagabend 'im Namen von Werder Bremen' sein Mitgefühl aus und wünschte ihnen gute Besserung. 'Das ist das Wichtigste.'

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