Werder Bremen Hunt füllte besondere Rolle gegen Genua gut aus

Bremen. Im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Sampdoria Genua bot Aaron Hunt auf der Position des zu Real Madrid gewechselten Mesut Özil eine ansprechende Leistung. Dafür gab es Lob von Werder-Trainer Thomas Schaaf.
19.08.2010, 19:53
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Hunt füllte besondere Rolle gegen Genua gut aus
Von Olaf Dorow

Bremen. Es war noch nicht fünf vor zwölf. Es war erst viertel vor. Werders Trainer Thomas Schaaf sagte: 'Basta!' Er sagt das nicht oft, aber das musste jetzt mal sein. Denn sonst hätte es wohl nie aufgehört in dieser Nacht, dass jemand eine Frage stellte, in der Özil vorkam. Özil war nicht dabei im Spiel gegen Sampdoria Genua, aber nach dem Spiel gegen Sampdoria war sein Name doch der mit Abstand meistgesagte Name.

Also, Machtwort Schaaf: 'Bei uns spielt keiner für einen anderen. Sondern jeder das, was er kann, was er hergibt. Basta!' Es hat sich danach dann niemand mehr getraut zu fragen, ob Aaron Hunt jetzt der neue Mesut Özil ist. Aaron Hunt gab am Mittwochabend im Hinspiel um den Einzug in die Champions League den Spielgestalter.

Er befeuerte das 3:1 in dem hochwichtigen Millionenspiel mit überraschenden Steilpässen, schnellen Vorstößen zur Grundlinie oder einem Eckball, der einen Elfmeterpfiff nach sich zog. Er war auf den ersten Blick Werders Özil und auf den zweiten immer noch, wenn auch nur im weiteren Sinne. 'Hinter den Spitzen hat man noch mehr Bewegungsfreiheit, ich fühle mich da auf keinen Fall unwohl', sagte er zu seiner Position, die er früher nur sehr selten besetzen durfte, demnächst aber wohl sehr oft.

Natürlich ist Hunt kein geklonter Özil. Aber gemeinsam mit seinen Kollegen hat er es geschafft, auf dem Platz das nachzuweisen, was die Werderaner vorher ins Mikro gesagt hatten: Dass sie das auffangen können, dass Özil nicht mehr dabei ist. Dass es die Spieler schon gibt, die das Vakuum füllen. Dass man solche Spieler nicht erst dazuverpflichten muss. 'Aaron hat schon im letzten Jahr bewiesen, dass er hervorragende Fähigkeiten hat', sagte Schaaf.

Hunt kommt, anders als Özil, aus der eigenen Jugend-Abteilung, er war lange vor Özil da. Er war eine große Versprechung lange vor Özil. Er war immer noch eine Versprechung, als Özil an ihm vorbeizog. Seine Anfälligkeit gegenüber Verletzungen warfen ihn weit zurück. Ein Extra-Programm ließ ihn robuster werden, seit einem Jahr ist er nicht mehr oder kaum verletzt. Er spielte eine starke Hinrunde, ehe er - ähnlich wie Özil übrigens - in ein Leistungsloch hineinrutschte.

Er durfte - unähnlich zu Özil - nicht mit zur WM. Was ihm nicht ausschließlich geschadet hat. Aaron Hunt nutzte den Sommer, um sich gut zu wappnen für die Saison, so konnte er zum Saisonstart einer der auffälligsten Spieler sein. Er wird noch mal eine wichtige Rolle in der Nationalmannschaft übernehmen, sagt Werder-Chef Klaus Allofs. Im Winter hatten Allofs und Hunt sich auf eine Vertragsverlängerung bis 2014 geeinigt.

'Ich wusste vorher, dass ich das kann', sagte Aaron Hunt gestern, auf seine besondere Rolle in dem besonderen Spiel gegen Genua angesprochen. Er wüsste das auch einzuordnen, dass nun gerade er auf seiner Position hinter den Spitzen ganz speziell begutachtet wird. 'Wenn wir nicht gut gespielt hätten gegen Genua, dann hätten alle geschrieben, dass es ohne Mesut nicht geht', sagt er. Werder hat aber gut gespielt ohne Özil - und hat damit auch den spürbaren Hang gestoppt, Özils Rolle in seiner kurzen Werder-Zeit zu überhöhen.

'So spielbestimmend war er ja nun auch nicht, so ein Spieler war er noch nicht', sagte Klaus Allofs. Das war auch eine indirekte Antwort auf die Behauptung von Özils neuem Trainer José Mourinho, Real Madrid habe am Dienstag Werders Goldfüßchen zu einem Preis weit unter Wert bekommen.

Eine direkte Antwort lieferte Allofs auch noch nach: 'Ein Spieler ist immer das wert, was ein anderer Verein bereit ist zu zahlen.' Wenn die kursierenden Zahlen auch nur annähernd stimmen, bot Real Ende letzter Woche nur die Hälfe von dem, was Real dann Anfang dieser Woche aufrief. 16 bis 18 Millionen Euro könnten vielleicht doch ein marktgerechter Preis gewesen sein für Mesut Özil. Allofs wollte sich weitere Bemerkungen in Richtung Madrid verkneifen, eher er dann doch noch anmerkte: 'Wir müssen nicht immer alles glauben, was Mourinho sagt'.

Aaron Hunt vergaß natürlich nicht, Özils Qualität zu erwähnen, und den Verlust dieser Qualität. 'Aber es war wichtig, dass wir uns damit nicht weiter beschäftigt haben', sagte er. Die bedenkliche wachsende Ozil-Blase habe die Mannschaft 'kalt gelassen', das war das Beste, was sie tun konnte.

Am Anfang der Woche hatte die deutsche Presse-Agentur einen Bericht mit folgender Schlagzeile in Deutschlands Redaktionen verschickt: 'Mit Özil droht Millionenverlust'. Damit war darauf hingewiesen, dass der Umworbene viel weniger wert sein würde, wenn Werder ihn gegen Genua einsetzt. Weitere Millionen wären verlustig gegangen, wenn das Unternehmen Champions League misslingt.

Am Ende der Woche muss man nun sagen: Es ist für Werder schon mal schlechter gelaufen. Özils Transfer glückte noch rechtzeitig, das Unternehmen Champions League lässt sich - trotz des unschönen Gegentors kurz vor Schluss - auch gut an. Zusammengerechnet können nun innerhalb weniger Tage mehr als 30 Millionen Euro zusammmenkommen. Hunt sagte noch: 'Wir müssen unsere Ziele nicht verändern, bloß weil uns eine Person verlassen hat. Das wäre ein bisschen zu einfach.' Werder muss auf Özil verzichten und kann trotzdem zuversichtlich in die neue Saison gehen.

'Wir haben aus einem sehr guten ein gutes Ergebnis gemacht', sagte Schaaf zum späten wie spaßbremsenden Gegentor. Trotzdem sieht es gut aus fürs Rückspiel, und ein 3:1 würde ja auch viel wacher halten als ein 3:0, sagte Klaus Allofs. Zum Gegentor könnte man noch anmerken: Mesut Özil hätte es auch nicht verhindert

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