Fußballexperte Peter Römer im Interview "Keine Hochburg der Fangewalt"

Zum Thema „Rechte Mobilmachung in Bremen und anderswo – wie Nazi-Hooligans in Stadien und Gesellschaft zurückdrängen“ referiert Peter Römer am Freitag im Ostkurvensaal. Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler.
14.08.2015, 00:00
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Zum Thema „Rechte Mobilmachung in Bremen und anderswo – wie Nazi-Hooligans in Stadien und Gesellschaft zurückdrängen“ referiert Politikwissenschaftler Peter Römer (Münster) diesen Freitag ab 19 Uhr im Ostkurvensaal. Im Gespräch mit Hauke Hirsinger erklärt er, warum Fußball eine politische Dimension hat und gesteht seine Vorliebe für St. Pauli.

Was hat Fußball mit Politik zu tun?

Peter Römer: Fußball ist Teil der Gesellschaft. Alles was dort eine Rolle spielt, spielt auch im Stadion eine Rolle. In den 80er Jahren haben extreme Rechte damit begonnen, dort zu rekrutieren. Sie fanden Anklang in der entstehenden Hooligan-Szene. Doch in den vergangenen 15 Jahren hat sich das gedreht.

Inwiefern?

Ultras haben damit angefangen, sich für fanpolitische Belange zu interessieren.

Und die wären?

Zunächst ging es beispielsweise um Fragen wie Anstoßzeiten, Vermarktung und Werbung. Das sind Dinge, die unmittelbar mit dem Spiel zu tun haben. Teile der Ultras haben sich dann aber nach links entwickelt. Das war auch eine Reaktion auf die entsprechende Nazi-Symbolik der Hooligans.

>> Chronologie des Konflikts zwischen rechten Hooligans und linken Ultras <<

Wie äußern sich linke Überzeugungen im Fußball?

Das hat beispielsweise mit antirassistischem Engagement begonnen und der Unterstützung von Flüchtlingen. Die linken Ultras vertreten die Auffassung, dass Fußball für alle da sein sollte.

Sie sagen, dass Rechte zurück in die Stadien und die Gesellschaft drängen. Waren die den überhaupt jemals weg?

Stimmt, die waren nie weg. Die haben sich im Hintergrund aufgehalten und ihre Seilschaften außerhalb der Stadien weitergepflegt. Durch das Aufkommen der Ultras haben sich die Hooligans provoziert gefühlt. Da nimmt Bremen eine Sonderrolle ein. Hier wurde spätestens bei dem Angriff auf den Ostkurvensaal im Jahr 2007 deutlich, dass die Koexistenz beider Subkulturen nicht mehr funktionierte. Doch schon davor hatte es etliche Vorfälle unter Bremer Hooligans und Ultras gegeben. Beispielsweise bei einem Champions League- Spiel Werder gegen Valencia in Spanien. Das war im Jahr 2004.

Ist Bremen eine Hochburg der Fangewalt?

Nein ist es nicht, aber der Verein positioniert sich deutlich gegen rechts. Da werden entsprechende Vorfälle leichter bekannt. Andernorts wird das lieber nicht so breit diskutiert. Beispielsweise in Aachen und in Braunschweig. Die wollen die Konflikte zwischen Links und Rechts lieber nicht öffentlich machen. In Braunschweig ist es den Ultras sogar untersagt, im Stadion als Gruppe aufzutreten. Angeblich sollen sie mit ihren antirassistischen Ansichten provoziert haben.

Der Fall Valentin sorgt europaweit für Aufsehen. Linke Ultras geben dabei den rechten Hooligans die Schuld. Dennoch sitzt Valentin wegen des Vorwurfs „gefährliche Körperverletzung“ in Untersuchungshaft. Wie passt das zusammen?

Der Fall Valentin könnte eine Abwehrreaktion auf jahrelange gezielte Angriffe rechter Hooligans auf linke Ultras sein. Außerhalb dieses Kontextes kann man ihn sicherlich nicht verstehen. Es handelt sich dabei aber um ein laufendes Verfahren, zu dem ich jetzt nicht Stellung beziehen werde.

Was könnte Werder dazu beitragen, dass die Gewalt unter den Fans abnimmt?

Im Grunde hat der Verein mit seiner Positionierung für eine diskriminierungsfreie Atmosphäre im Stadion bereits sehr viel getan. Er versteht den Konflikt zwischen den beiden Gruppen nicht als unpolitisch und sieht die Schuld für die Eskalation vor allem bei den Hooligans.

Neben all der Politik bleibt noch eine rein sportliche Frage. Hat Werder in diesem Jahr Chancen auf den Titel?

Das glaube ich nicht, aber da bin ich nicht die beste Ansprechperson. Ich bin Sankt Pauli-Fan.

Zur Person: Peter Römer ist Politikwissenschaftler an der Universität Münster. Außerdem ist der 31-jährige Fußballexperte Redakteur beim Transparent-Magazin.

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