Kiels Stöver im Interview „Ole Werner hat das Zeug zum Toptrainer“

Kiels Sportchef Uwe Stöver spricht im Interview darüber, dass er das erste Mal überhaupt auf Ole Werner als Gegner trifft. Zuvor war Werner Coach von Holstein Kiel.
27.04.2022, 18:53
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Uwe Stöver hat damals alles versucht, buchstäblich bis zum letzten Moment, doch Ole Werner war im vergangenen September beim besten Willen nicht mehr umzustimmen – und trat als Trainer von Holstein Kiel zurück. „Selbst am Tag seines Rücktritts haben wir in dieser Hinsicht noch Gespräche geführt. Wir haben alles probiert, um ihn vom Bleiben zu überzeugen“, sagt der Geschäftsführer Sport von Holstein Kiel, der am Freitagabend nun erstmals überhaupt als Gegner auf Ole Werner trifft. Im Interview mit unserer Deichstube hat Stöver zuvor ausführlich über den Werners Wechsel zu Werder Bremen und über dessen Qualitäten als Trainer gesprochen.   

Herr Stöver, ein Punkt fehlt Ihrem Verein noch, um den Klassenerhalt endgültig perfekt zu machen. Streben Sie an, den Liga-Verbleib aus eigener Kraft in Bremen sicherzustellen, um nicht auf die Hilfe der Konkurrenz vertrauen zu müssen?

Es ist immer das Ziel, Punkte zu holen. Wir haben für uns auch den Anspruch, nach Bremen zu reisen und dort etwas mitzunehmen. Und wir machen uns berechtigte Hoffnungen, dort bestehen zu können.

Das Hinspiel hat Kiel mit 2:1 gewonnen. Ist so ein Erfolg wiederholbar, obwohl Werder inzwischen in einer ganz anderen Verfassung auftritt?

Das Rückspiel steht unter ganz anderen Vorzeichen. Damals war ein neuer Trainer, ein Interimstrainer, für Werder verantwortlich (U19-Coach Christian Brand betreute die Mannschaft während der Partie, Anm. d. Red.). Die Elf stand auch in der Tabelle nicht so gut da wie momentan. Werder hat nun mit Ole Werner einen Lauf und eine imposante Serie hingelegt – nur eine Niederlage in 16 Partien. Uns erwartet eine anspruchsvolle Aufgabe.

Wer oder was kann Werder auf dem Weg zum Wiederaufstieg noch bremsen?

Es sind noch drei Partien, es gibt noch drei Gegner. In dieser speziellen Liga und vor allem in der Endphase der Meisterschaft muss jede Mannschaft zu einhundert Prozent fokussiert und vorbereitet sein  – da wird vor allem auch der Kopf eine Rolle spielen. Ich betrachte dabei die Ausgangslage der Bremer als sehr gut, sie sind für mich ein Aufstiegsfavorit.

Sie haben Ole Werner angesprochen, den früheren Coach Ihrer Mannschaft. Es heißt, dass das Engagement von Werner bei Werder schon vor dem Hinspiel fix gewesen, aber wegen der besonderen Brisanz noch nicht publik gemacht worden sei. War es so?

Nein. Erst an dem Wochenende, parallel zum Hinspiel, wurden alle Modalitäten geklärt und der Wechsel final fixiert.   

Werner ist bei Holstein nach dem schleppenden Saisonstart zurückgetreten. Wie haben Sie das damals empfunden? Waren Sie enttäuscht? Waren Sie geschockt?

Wir hatten sehr früh in der Saison signalisiert, den Vertrag mit Ole Werner verlängern zu wollen. Selbst am Tag seines Rücktritts haben wir in dieser Hinsicht noch Gespräche geführt. Wir haben also alles probiert, um ihn vom Bleiben zu überzeugen. Doch Ole war fest in seiner Meinung und Haltung. Er war der Ansicht, dass die Mannschaft einen neuen Impuls brauche. Er ließ sich nicht umstimmen. Es war keine leichte Zeit und für uns alle auch emotional.

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Sie kennen Ole Werner genau. Was ist er für ein Trainer?

In Kiel haben wir ihn vom U 23-Coach zum Cheftrainer gemacht. Das hatte seine Gründe. Wir waren von ihm überzeugt. Ole ist jemand, der den Fußball lebt und der sich in hohem Maße mit seinem Job auseinandersetzt. Bei Holstein hatte er den Status eines Trainertalents, dieses Level hat er längst verlassen. Er ist längst zu einem gestandenen Trainer im Profifußball gewachsen - und er hat das Zeug dazu, zu einem Toptrainer zu reifen.

Wo sehen Sie seine besonderen Qualitäten?

Ich muss gar nicht ins Detail gehen. Ole hat viele Fähigkeiten, die die gesamte Breite des Anforderungsprofils abdecken. Möglicherweise fehlt ihm noch Erfahrung, was in der Natur der Sache liegt. Erfahrung – sowohl negativer als auch positiver Art – sammelt jeder mit den Jahren. So wird es auch bei ihm sein.

Werner hat beide Seiten schon erlebt: Erfolge wie das Erreichen der Relegation mit Kiel, Misserfolge wie den schlechten Saisonstart.

Doch er wird noch mit ganz anderen Geschehnissen konfrontiert werden. Er ist noch ein junger Trainer, der sich den Herausforderungen stellen muss. Ich bin 55 Jahre alt, auch ich habe noch nicht alles erlebt im Profisport.

Ist Werder beispielsweise so eine Herausforderung?

Werder hat einen ganz anderen Stellenwert. Die Größe des Vereins und die Historie, ein anderes Umfeld, eine spezielle Öffentlichkeit und eine unterschiedliche Medienlandschaft. Somit hat Ole die nächste Stufe in seiner Karriere beschritten.

Trauen Sie ihm zu, dass er diesen Schritt meistert, ohne zu stolpern?

Ich bin überzeugt davon, dass es für ihn der richtige Schritt ist. Er hat das Format und die Qualität, sich in Bremen durchzusetzen.

Sie haben als Trainer gearbeitet und sind dann ins Management gewechselt. Welche Gründe hatten Sie für diesen Schritt?

Mir wurde 2003 beim damaligen Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern das Angebot gemacht, aus der Trainerkarriere auszusteigen und in den organisatorischen und administrativen Bereich des Nachwuchsleistungszentrums zu wechseln. Mit 35 Jahren habe ich für mich entschieden, diesen Schritt zu wagen - und ich bin froh, das getan zu haben.

Einen Trainer Stöver wird es nie wieder geben?

Ich kann mir das nicht vorstellen. An eine Rückkehr in den Trainerjob habe ich nie einen Gedanken verschwendet.

Sollte der Aufstieg klappen – ist Werder dann auch reif für die 1. Liga?

Es ist nicht meine Aufgabe, das zu bewerten. Dafür fehlen mir auch tiefergehende Informationen. Grundsätzlich kann ich sagen, was jeder Experte und Fan weiß: Der Sprung aus der 2. Liga in die Bundesliga ist extrem und ohne Frage eine Herausforderung.

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Schlussfrage: Jan Fiete Arp ist einer der bekanntesten Spieler im Kieler Kader. Wie sehen Sie die Entwicklung des einst hochgepriesenen Supertalents?

Der Junge hat trotz seines jungen Alters schon einiges erlebt. Im Sommer hat er gemeinsam mit uns entschieden, dass er einen neuen Weg einschlägt, dass er einen Zwischenschritt einlegt. Daher haben wir ihn von Bayern München ausgeliehen. Fiete, dessen Karriere etwas ins Stocken geraten ist, hat sich neuen Anforderungen gestellt. Es ist seiner Entwicklung als Profisportler und seiner Persönlichkeit zugutegekommen. Er hat bei uns seine Einsätze bekommen. Wir bei Holstein sind zufrieden mit ihm.

Und wie geht es mit ihm weiter?  

Ich halte mich an Fakten. Seine Leihe endet am 30. Juni. Stand heute wird er zu Bayern zurückkehren.

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