Werder empfängt Mönchengladbach

Konflikt in Werder-Fanszene weitet sich aus

Vor dem Werder-Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach fühlen sich Mitarbeiter des Bremer Fan-Projekts von rechten Hooligans bedroht.
15.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von THILO NEUMANN
Konflikt in Werder-Fanszene weitet sich aus

Werder-Fans in der Ostkurve des Weserstadions.

nordphoto

Am Sonnabend steigt für Werder Bremen das letzte Heimspiel der Saison, gegen Borussia Mönchengladbach ist das Weserstadion mit 42.000 Zuschauern ausverkauft. Polizei und Innenbehörde haben die Begegnung kurzfristig als „Rot-Spiel“, also Risiko-Partie mit der Gefahr vermehrter Gewalttaten, eingestuft. Einzig das Nordderby gegen den Hamburger SV ist in dieser Spielzeit bisher in diese Kategorie gefallen.

Die Polizei wird mit bis zu 700 Sicherheitskräften im Einsatz sein, Bremen bekommt Unterstützung aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein; vor dem Stadion patrouilliert eine Reiterstaffel. Zwei Gründe sprechen nach Polizeiangaben für die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen: Die vermeintliche Rivalität zwischen den beiden Fanlagern sowie die andauernden Auseinandersetzungen zwischen Bremer Hooligans und Bremer Ultras.

1500 Anhänger aus Mönchengladbach werden in Zügen anreisen. Unter ihnen sollen sich etwa 240 Personen befinden, die als gewaltbereit oder gewaltaffin eingestuft werden. „Die werden alles mobilisieren für ihr letztes Auswärtsspiel der Saison“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Die Gästefans werden daher vom Hauptbahnhof mit Shuttle-Bussen zum Stadion gebracht – auch, um Aufeinandertreffen mit Bremer Fans zu vermeiden. Matthiesen: „Zwischen den Lagern herrscht grundsätzlich ein feindschaftliches Verhältnis.“

Den Mitarbeitern des Bremer Fan-Projekts liegt vor allem der zweite Grund der Sicherheitsverschärfung am Herzen: Ihrer Meinung nach sollte besonderes Augenmerk auf dem brodelnden Konflikt zwischen rechten Hools und linken Ultras liegen, der bei den letzten Heimspielen gegen Hamburg und Frankfurt in offenen Zusammenstößen endete – und nun auch das Fan-Projekt-Team tangiert.

Die Mitarbeiter der sozialpädagogischen Einrichtung fühlen sich bedroht. Auf den Facebook-Profilen einschlägig rechter Organisationen seien Steckbriefe aufgetaucht, in denen Teile des Fan-Projekts als „Unterstützer“ von „Antifa Ultras Gewalttätern“ aufgelistet würden. Die Bilder würden nach wenigen Stunden gelöscht, tauchten dann aber auf anderen Seiten wieder auf. So werde eine Nachverfolgung der Urheber erschwert.

Mit diesen Einschüchterungsversuchen testeten die rechten Hools aus, was sie sich momentan in Bremen erlauben könnten. „Wir beobachten seit längerem eine Erstarkung der Szene“, heißt es aus dem Fan-Projekt. Unter linken Fans gebe es jetzt Angst vor neuen Übergriffen. Ein Fan-Projekt-Mitarbeiter: „Schließlich haben Nazi-Hooligans beim Frankfurt-Spiel im Viertel Jagd auf Linke und Ultras gemacht.“ Bisher, so Polizeisprecher Matthiesen, hätte niemandem aus der Hooligan-Szene eine Straftat im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung nachgewiesen werden können.

Jonas Gabler, Mitarbeiter der Kompetenzgruppe Fankulturen & Sport an der Universität Hannover: „Man muss diesen Konflikt ernster nehmen als Rivalitäten zwischen Fans verschiedener Vereine.“ Theoretisch könnten sich die Beteiligten jeden Tag über den Weg laufen. Der Fan-Forscher warnt zudem vor einer Entpolitisierung der Vorfälle, so lange sie nicht geklärt seien. Ähnlich äußerte sich Kristina Vogt. Die Fraktionsvorsitzende der Linken kritisierte die Innenbehörde, die „Naziübergriffe“ nicht ernst zu nehmen und polizeitaktisch wenig zu tun, um die rechten Schläger in die Schranken zu weisen.

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