Nächster Bremer Gegner Leverkusens Demirbay: „Werder spielt mit viel Leidenschaft“

Am Sonnabend tritt Werder Bremen bei Bayer Leverkusen an. Mittelfeldspieler Kerem Demirbay hat im Interview über die Stärken der Gäste sowie den eigenen schwachen Saisonstart gesprochen.
16.09.2022, 18:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm

Zwei Dinge gefallen Kerem Demirbay an Werder Bremen aktuell ganz besonders gut: Moral und Leidenschaft. „Die Bremer haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, den späten Punch zu setzen“, warnt der 29-jährige Mittelfeld-Star von Bayer 04 Leverkusen vor dem nächsten Gegner. Im Interview mit unserer Deichstube spricht der frühere deutsche Nationalspieler (zwei A-Länderspiele) zudem über den gelungenen Saisonstart der Grün-Weißen und den eher schwachen Beginn seines Teams. Nach dem 2:0-Sieg gegen Atletico Madrid in der Champions League unter der Woche hofft Demirbay auf die Wende beim in der Bundesliga kriselnden Klub.

Nach sechs Spieltagen steht der Wiederaufsteiger Werder wesentlich besser da als Leverkusen. Hätten Sie damit vor dem Start gerechnet?

Kerem Demirbay: Niemand hat damit gerechnet, dass wir solche Startschwierigkeiten bekommen könnten. Jetzt arbeiten wir täglich daran, unsere Situation zu verbessern. Der Sieg in der Champions League gegen Atlético Madrid war ein guter Anfang.

Ist es für Werder nur eine schöne Momentaufnahme? Oder kann sich der Neuling auf Dauer im Mittelfeld halten?

Das ist für mich kein Thema, mit dem ich mich beschäftige, bei aller Wertschätzung für Werder. Wir konzentrieren uns auf Bayer 04, auf nichts anderes.

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Wie beurteilen Sie die Bremer Mannschaft?

Wie Sie schon sagten – sie hatten einen guten Start in die Saison. Werder hat es bislang besonders auswärts sehr gut gemacht. Zu Hause hatten sie aber auch ein paar Probleme.

Wo sehen Sie die Stärken des nächsten Gegners?

Sie spielen mit viel Leidenschaft nach vorne und haben schon in einigen Spielen sehr gute Moral bewiesen. Bremen gibt sich so schnell nicht geschlagen, wie man vor allem in Dortmund sehen konnte. Dass sie einen späten Punch setzen können, haben sie auch in Bochum gezeigt.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um gegen Werder erfolgreich zu sein?

Wir wollen wie gegen Atlético unsere Stärken auf den Platz bringen. Ich denke, dass wir uns spielerisch durchsetzen müssen. Aber es ist keine Frage, dass Werder uns auch im physischen Bereich fordern wird. Darauf stellen wir uns ein.

Werder hat auswärts in Leverkusen zuletzt immer ganz gut ausgesehen. Den letzten Leverkusener Bundesliga-Heimsieg gegen die Bremer gab es im Jahr 2017. Welche Rolle spielt die schlechte Heimbilanz gegen Bremen in der jüngsten Vergangenheit? 

Derartige Statistiken sind nichts für mich, das sind eher Spielereien im Vorfeld einer Partie. Jedes Spiel ist neu, jedes Spiel beginnt mit 0:0. Wenn man die Mannschaften von damals und von heute vergleichen würde, dann gäbe es sicherlich nicht mehr viele Übereinstimmungen.

Der Aufsteiger überrascht mit einem offensiv ausgerichteten Stil. Wie finden Sie diese mutige Einstellung?

Mir gefällt es, wenn eine Mannschaft nach vorne spielt. Das wollen die Zuschauer sehen, und es macht ja auch auf dem Platz am meisten Spaß. 

Kommt Ihnen das entgegen? Ist diese Taktik für Bayer vorteilhafter als ein extrem defensiv eingestellter Außenseiter?

Man muss sich auf alles einstellen. Wer die besseren fußballerischen Mittel einsetzen kann, hat die besten Chancen, zu gewinnen. Das gelingt nicht immer, aber ich hoffe, dass es am Samstag in der BayArena so sein wird und drei Punkte auf unser Konto gehen.

Zu Leverkusen: Wo sehen Sie die Gründe für den missratenen Saisonstart?

Durch das 2:0 gegen Atlético in der Champions League haben wir bereits einiges relativieren können. Im Fußball geht es schnell, in unserer Gruppe sind wir jetzt Zweiter. Ich bin sicher, dass wir bald auch in der Bundesliga wieder auf einem guten Weg sein werden.

War das Remis zuletzt in Berlin ein glücklicher Punktgewinn?

Wir ärgern uns, dass wir nicht gewonnen haben. Die Möglichkeiten dazu hatten wir zur Genüge.

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Nach dem Spiel bei der Hertha haben Sie ähnlich genervt auf die Fragen der Reporter reagiert, wie zuletzt Toni Kroos bei Real Madrid. Sie sagten: „Ihr habt so lange Zeit. Ihr müsst die Fragen nicht so negativ stellen.“ Ist Kroos auch in anderer Hinsicht für Sie ein Vorbild?

Absolut. Er ist ein super Fußballer mit großartigen Erfolgen. Er hat als Spieler alles erreicht.

In ihrer Karriere sind Sie bislang zweimal für die deutsche Nationalelf aufgelaufen. Rechnen Sie noch mit einer Fortsetzung der Karriere in der Ländermannschaft?

Es hat riesigen Spaß gemacht, für Deutschland zu spielen. Aktuell geht es für mich darum, so schnell wie möglich mit Bayer 04 zurück in die Erfolgsspur kommen. Gute Leistungen sind dann die Grundlage für alles weitere.

Rudi Völler hat Sie in seiner Amtszeit 2019 aus Hoffenheim nach Leverkusen geholt. Nun ist der Ex-Bremer in Rente gegangen. Wie groß ist der Verlust für den Klub?

Rudi Völler ist eine Fußball-Legende. Wenn jemand wie er geht, dann hinterlässt er natürlich eine Lücke. Aber der Verein hat sich sehr gut aufgestellt, und Rudi ist ja im Gesellschafterausschuss immer noch für uns aktiv. 

Das Interview führte Hans-Günter Klemm.

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