FC St. Pauli - Werder Bremen heute live "Matchball" am Millerntor

Bremen. Vier Spiele noch, 360 Minuten plus Nachspielzeit, dann ist Schluss mit der Bundesliga 2010/11. Mit dem Abstiegskampf könnte für Werder Bremen schon heute Schluss sein - wenn beim FC St. Pauli (15.30 Uhr im Liveticker) endlich der lang ersehnte Sieg gelingt.
23.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Vier Spiele noch, 360 Minuten plus Nachspielzeit, dann ist Schluss mit der Bundesliga 2010/11. Vier Spiele noch, 360 Minuten plus Nachspielzeit, das kann quälend lang werden, das kann dramatisch werden, das könnte im schlimmsten Fall in einem Fiasko enden. Kann, könnte - muss aber nicht. "Es wird endlich Zeit", sagt Clemens Fritz. Zeit für einen Sieg, den einen, der Werder noch fehlt, um eine Menge klar zu machen im Kampf um den Klassenerhalt.

Zweifel am eigenen Klassenerhalt hegt bei Werder ohnehin niemand, was sich am besten an einer kleinen Meldung ablesen ließ, die Werder Anfang der Woche verschickte. Überschrieben war sie mit "Nach Saisonende: Benefizspiel der Werder-Profis in Salzgitter", und terminiert ist die besagte Partie auf den 18. Mai. Nur: Für den Drittletzten der Bundesliga ist an diesem Mittwoch die Saison eben noch nicht beendet, sie geht nur 24 Stunden später weiter - mit dem ersten Spiel der Abstiegsrelegation.

Ein Sieg heute (15.30 Uhr im Liveticker) beim Vorletzten FC St. Pauli könnte den Weg nach Salzgitter weitgehend frei machen - vor allem dann, wenn gleichzeitig der Drittletzte Wolfsburg, nächste Woche Werders Gegner, gleichzeitig gegen Köln Punkte lässt. Die Bremer hätten in diesem Fall neun Zähler Vorsprung vor den Hamburgern (und dem direkten Abstiegsplatz) und mindestens sieben vor den Wolfsburgern (und dem Relegationsplatz).

So schön, so gut, so schwierig: Denn mit dem Siegen haben sich die Bremer bekanntlich zuletzt schwer getan. Sie wurden statt dessen zu 1:1-Serientätern - vor allem dann, wenn es gegen Abstiegskonkurrenten ging. 1:1 gegen Mönchengladbach, 1:1 gegen Stuttgart, 1:1 in Frankfurt, obendrauf vor einer Woche das 1:1 gegen Schalke: "Was uns fehlt", sagt Fritz, "ist der Befreiungsschlag. Es ist uns ja nie gelungen, nach dem 1:0 ein zweites Tor nachzulegen."

Das soll heute am Millerntor gelingen, ausgerechnet. Beim FC St. Pauli, ausgerechnet. Die letzte Bremer Erfahrung im Stadion des heutigen Gastgebers resultiert aus dem DFB-Pokal-Viertelfinale im Januar 2006, es war jenes leidige Eis- und Schneespiel, das Werder auf einem eigentlich unbespielbaren Platz mit 1:3 verlor und die Beziehung zwischen den Klubs merklich abkühlte. "Eine unwürdige Geschichte für den Pokal", wie Klaus Allofs die damaligen äußeren Umstände noch heute beschreibt. Aber: "Das ist komplett ausgeräumt", sagt Werders erster Geschäftsführer - und auch das Verhältnis zwischen den Vereinen hat keinen nachhaltigen Schaden erlitten.

Deren Miteinander ist ohnehin von einer gewissen Zuneigung geprägt, die sich aus der gemeinsamen Abneigung gegen einen anderen Hamburger Bundesligisten nährt. Eine Herzensangelegenheit, die auch nicht vorm Bremer Trainer halt macht. Zwar liegt es im grün-weißen Interesse, an diesem Wochenende die Braun-Weißen zu schlagen (und ihnen damit möglicherweise den Todesstoß zur zweiten Liga zu geben) - doch eigentlich möchte Thomas Schaaf gar nicht, dass St. Pauli absteigt. "Ich hätte nichts dagegen, wenn sie diesen Weg weitergehen könnten", sagt der Chefcoach, meint damit eben die Paulianer Erstklassigkeit und gibt dann zu: Es sei "sicher Sympathie vorhanden".

90 Minuten lang wird von der postulierten Sympathie nicht viel zu spüren sein. Werder erwartet eine gegnerische Mannschaft, "die alles einsetzen wird" (Schaaf), und eine Atmosphäre "etwa so wie am Mittwoch in Valencia" (Allofs). Dort gewann Real Madrid das Finale um die Copa del Rey vor 55000 aufgeheizten Fans gegen den FC Barcelona.

Für die Hamburger ist es "ein vorentscheidendes Spiel", ahnt Allofs. Jetzt, in der Endphase der Saison, gibt es keine Um- und Auswege mehr. Anders als mitten in einer Spielzeit, wenn sich der Verlierer immer damit trösten kann, dass noch viele Gelegenheiten zur Schadenbegrenzung folgen, kommt jetzt diese Endgültigkeit einer Niederlage hinzu. Werder dagegen kann etwas unaufgeregter in dieses Spiel gehen. Eine Niederlage gegen den zuletzt gut, aber glücklos spielenden FC St. Pauli wäre zwar prekär, denn dann begänne das Zittern von Neuem, zumal in einer Woche Wolfsburg nach Bremen kommt. Aber Werder hätte eben immer noch ein kleines Polster und damit die Möglichkeit, diesen einen Ausrutscher nach sieben Spielen ohne Niederlage zu korrigieren.

"Es wird ein sehr, sehr schwieriges Spiel", prophezeit Clemens Fritz schon einmal. Werder gibt sich konzentriert, aber professionell gelassen - von hektischer Anspannung ist nichts zu spüren. Vier Spiele sind es noch, 360 Minuten plus Nachspielzeit, dann ist Schluss mit der Bundesliga 2010/11. Dann wartet Salzgitter.

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