Werder Bremen Mertesacker versteht Schiedsrichter nicht

Bremen. Per Mertesacker hat Schiedsrichter Markus Strömbergsson kritisiert. Der Schwede habe das schwere Foul an ihm im Länderspiel Deutschland gegen Aserbaidschan nicht ausreichend geahndet. Der verletzte Werder-Abwehrspieler fällt mehrere Wochen aus.
10.09.2010, 09:00
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Mertesacker versteht Schiedsrichter nicht
Von Oliver Matiszick

Bremen. Per Mertesacker hatte getan, was ihm wichtig war. Er war zum Weserstadion gekommen und hatte sich seinen Mitspielern gezeigt, ihnen gesagt, dass er alles ganz gut überstanden hatte. Alles, das meint seit Dienstagabend: Den Schlag, den ihm Vaqif Cavadov schon früh im Länderspiel gegen Aserbaidschan ins Gesicht verpasste, die Brüche empfindlicher Gesichtsknochen, die daraus resultierten (wir berichteten).

Das alles, es klingt nicht gut. Und dennoch sagt Mertesacker: "Im Endeffekt habe ich noch Glück gehabt." Denn immerhin eine Sorge ist Werders Innenverteidiger seit gestern los - dass sein linkes Auge dabei in irgendeiner Form Schaden genommen haben könnte.

"Das war meine größte Angst - aber ich war vorhin beim Augenarzt, es ist alles in Ordnung", sagt er. Drei bis vier Tage muss er jetzt erst einmal die "Erschütterungen in allen Lebenslagen gering" und deshalb absolute Ruhe halten. Die Aussicht darauf gefällt ihm nicht. Denn was er mit sich in der ärztlich verordneten, strengen Auszeit anfangen soll, weiß er nicht. Er dürfte viel zum Nachdenken kommen, was wiederum den Ärger darüber, weshalb das alles überhaupt passiert ist, nicht eben mindern wird.

Und dieser Ärger ist jetzt schon nicht unerheblich. Cavadovs unselige Aktion, "das war wie ein Schlag mit der bloßen Hand ins Gesicht - so hat es sich jedenfalls angefühlt", sagt Mertesacker. Cavadov kam ungeschoren davon.

Und das ist es, was ihm noch immer nicht in den geschundenen Kopf will. "Wir haben ungefähr 5000 Schulungen im Jahr, in denen uns Spielern erzählt wird, dass der Ellenbogen in Gesichtshöhe nichts zu suchen hat", sagt er.

"Da verstehe ich das Schiedsrichterwesen nicht mehr"

Dass dem schwedischen Schiedsrichter Markus Strömbergssondie Sicht auf das folgenschwere Kopfballduell irgendwie verstellt gewesen wäre - Mertesacker verneint es. "Und da verstehe ich das Schiedsrichterwesen nicht mehr: Weshalb wird so eine Regel dann nicht auch umgesetzt und so eine Aktion bestraft?", fragt er. Die Konsequenzen aus den Ereignissen von Köln, sagt er, trägt so allein er.

Jedenfalls die rein körperlichen. Denn was die weiteren Folgen angeht, hängt auch sein Verein tief in der Sache mit drin. "Am Anfang der Saison gibt es ja gerne öffentliche Planspiele, wie die Top-Elf eines Vereins aussehen könnte", sagt Thomas Schaaf, "jetzt sieht man, wie schnell sich das ändern kann." Und zwar grundlegend. Denn mit Mertesacker - der in seinem Alter über so viel internationale Erfahrung verfügt wie nur wenige andere Spieler - bricht ihm auch die zweite tragende Säule des überaus sensiblen Arbeitsbereiches Abwehrzentrale weg.

"Naldo fehlt da ja schon seit Wochen, also denkt man: Es ist wenigstens eine Bekannte in der Innenverteidigung da, an der sich die anderen orientieren und ihre Leistungen steigern können. Und jetzt ist die auch noch weg", sagt Schaaf.

"Ich werde mich keinem Risiko aussetzen"

Wie lange dieser Zustand anhalten wird? Auf "zwei, drei Wochen", schätzt Mertesacker den Zeitraum, bis er wieder spielen kann. Kommende Woche, nach Ende der verordneten Ruhephase, möchte er zunächst wieder mit dem Lauftraining beginnen. Sobald die Schwellung im lädierten Bereich abgeklungen ist, soll eine Schutzmaske angefertigt und angepasst werden - wie schnell sie dann aber auch unter Wettkampfbedingungen zum Einsatz kommen kann, muss dann neu überlegt werden. "Ich werde mich keinem Risiko aussetzen", stellt Mertesacker klar, "das Auge ist zu wichtig, als das man sagt: Da sparen wir uns jetzt zwei, drei Tage Pause."

Bange ist ihm um Werder ohnehin nicht, gesprengtes Abwehrzentrum hin oder her. "Es gibt ja noch Variationsmöglichkeiten. Naldo und ich sind auf jeden Fall ersetzbar - und das wird die Mannschaft zeigen", sagt Mertesacker, "Werder hat aus solchen Situationen schon oft das Beste rausgeholt." Er will die Mannschaft dabei unterstützen, wo und wie er es zurzeit nur kann. Auf keinen Fall aber schon gleich dieses Wochenende in München. "Das Bayern-Spiel nur als Zuschauer zu verfolgen, das ist auch so schon ein Katastrophe - vor allem, wenn man wegen so einer saublöden Aktion verhindert ist", sagt er. 'Und wichtig ist, dass sich die Mannschaft voll auf sich konzentrieren kann. Da muss ich nicht auch noch da rumrennen und alle fragen nur, wie es meinem Kopf geht." Dem geht es ja ganz gut soweit. Einigermaßen.

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