Werder Bremen Mesut Özil: Zurück aus der Formkrise

Bremen. Nach dem schwachen Start in die Rückrunde kommt auch Mesut Özil im Werder-Kollektiv wieder besser in Schwung. Der Star der Hinrunde scheint seine Formkrise überwunden zu haben. "Ich fühle mich wieder viel frischer", sagt Özil selber.
31.03.2010, 09:20
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mesut Özil: Zurück aus der Formkrise
Von Marc Hagedorn

Bremen. Es ist schwer, Mesut Özil nicht zu begegnen. Bei Karstadt Sports in der Sögestraße und im Werder-Fanshop am Weserstadion hängen überdimensionale Poster von ihm. Der Sportausrüster Nike wirbt derzeit in vielen Zeitschriften und Magazinen mit Cristiano Ronaldo, Thierry Henry, Wayne Rooney und ein paar Werder-Profis, Mesut Özil ist auch dabei. Mesut Özil ist außerdem in einem Nutella-Fernsehspot zu sehen und im Kreise der Nationalspieler in einer Fotoserie des Bierbrauers Bitburger. Auf dem Fußballplatz war von Mesut Özil lange Zeit nicht so viel zu sehen, doch das ändert sich gerade wieder.

Nach Werder-Heimspielen gibt es immer ein bestimmtes Ritual. Im Anschluss an die offizielle Pressekonferenz mit Cheftrainer Thomas Schaaf versammeln sich die Journalisten im Presseraum des Weserstadions jedes Mal um Klaus Allofs. Der Werder-Boss beantwortet dann Fragen zum Spiel, teilt seine Einschätzung zu den Dingen mit, gibt Auskunft über die Leistung einzelner Spieler. Im Oktober und November des vergangenen Jahres gab es in dieser Runde stets ein Thema, das alle anderen überschattete. Mesut Özil. Wie gut wird er noch? Ist Arsenal tatsächlich an ihm interessiert? Verlängert er seinen Vertrag?

Bei den jüngsten Fragerunden mit Klaus Allofs war Mesut Özil nur noch ein Randthema. Marko Marin hat ihm den Rang abgelaufen. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis auch über Mesut Özil wieder mehr geredet wird. Mesut Özil ist dabei, seine Formkrise hinter sich zu lassen. Gegen Valencia, gegen Augsburg und zuletzt gegen Nürnberg bereitete Özil jeweils ein Tor vor. Er spielte ein paar schöne Pässe in die Spitze, er startete ein paar schöne Dribblings. Kurz: Er spielte schon wieder ein bisschen so, wie er es über weite Strecken der Hinrunde getan hat. Warum erst jetzt wieder? 'Man konnte nicht erwarten, dass er konstant auf dem Niveau der Hinrunde spielen würde', sagt Werder-Boss Klaus Allofs, 'Mesut ist ein junger Spieler.' Aber reicht das als Erklärung für Özils veritable Krise? 'Es kommen immer mehrere Dinge zusammen', sagt Klaus Allofs und zählt auf: 'Die Erwartungshaltung, die Nationalmannschaft, die Kraft, Verletzungen.'

In der Tat erklärt diese Aufzählung einiges. Die Erwartungshaltung: Zum Ende der Rückrunde galt Mesut Özil als der Mittelfeld-Regisseur der Zukunft. Die Nationalmannschaft: Wenn Mesut Özil mitten in der Woche zwischen zwei Bundesligabegegnungen nicht mit Werder in der Europa League spielen musste, dann war er mit der Nationalmannschaft unterwegs. Die Kraft: Sie ging mit jedem Spiel mehr verloren. Mesut Özil ist eher ein schmales Bürschchen, keiner, der harte Fouls oder Bodychecks mal so eben wegsteckt. Das führte mitunter zu Verletzungen. Die waren zwar meist nicht von dramatischer Natur. Mal tat das Knie weh, mal zwickte es am Rücken. Aber in der Summe reichte all dies, damit Mesut Özil ab einem bestimmten Punkt nicht mehr sein bestes Spiel machen konnte.

Klaus Allofs, selbst 18 Jahre lang Profi gewesen, vergleicht den Verlauf einer Fußballerkarriere mit einer Wellenbewegung. Es geht eben mal rauf und dann wieder runter. 'Diese Wellen hat jeder Spieler, auch ein Ribéry oder ein Robben', sagt Allofs. Trotzdem wirkte die Schwächephase bei Özil krasser als etwa die Formschwankungen, die aktuell sein Nebenmann Aaron Hunt durchlebt. Vielleicht liegt das daran, dass bei Özil noch diese unendliche Geschichte mit seinem Vertrag dazukommt. Bis 2011 ist der 21-Jährige noch an Werder gebunden, vorzeitig verlängern will er nicht. Viele Fans sind misstrauisch. Sie befürchten, dass Özil Werder nach einer starken Weltmeisterschaft verlässt.

Müssen Werders Fans diese Angst noch haben? Oder halten sich die Bewerber inzwischen zurück? Zuletzt war vom FC Barcelona die Rede, der Özil beim Gastspiel in Valencia beobachtet hatte. Klaus Allofs möchte das Thema Vertragsverlängerung so klein wie möglich halten. 'Das ruht öffentlich', sagt der Werder-Boss. Und nicht-öffentlich? 'Sie können sich darauf verlassen, dass wir intern unsere Hausaufgaben machen.' Das heißt, dass Werder in Kontakt zu Özils Berater Reza Fazeli steht.

Und was sagt Mesut Özil zu all dem? Vor ein paar Wochen noch sagte er nichts. Da hatte sich Özil nach dem Training schon mal im Pulk der Mitspieler versteckt, um Journalisten aus dem Weg zu gehen. Manchmal setzte er sich auch einfach Kopfhörer auf, wenn er nach einem Spiel auf dem Weg zum Bus war und an den Medienleuten vorbei musste. Immerhin, jetzt sagt er was. 'Ich fühle mich wieder viel frischer. Dass wir jetzt auch mal Pausen haben, tut mir sehr gut.' Dass Werder mittlerweile wieder viel besser spielt als zu Jahresbeginn? 'Na klar, auch das hilft mir sehr.' Mesut Özil ist wieder aufgetaucht.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+