Werder Bremen Mit Mertesacker fehlt die zweite Abwehrsäule

Bremen. Thomas Schaaf hatte das Schlimmste geahnt, als Per Mertesacker in Köln am Boden lag. "Es war mir schon klar, als ich es gesehen habe: Das heißt nichts Gutes." Eine maßlose Untertreibung. Die schwere Verletzung des Nationalspielers kommt für seinen Verein zur Unzeit.
09.09.2010, 08:40
Lesedauer: 2 Min
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Mit Mertesacker fehlt die zweite Abwehrsäule
Von Thorsten Waterkamp

Bremen. Thomas Schaaf hatte das Schlimmste geahnt. Sofort. Am Dienstagabend, um 20.53 Uhr, als Per Mertesacker in Köln am Boden lag. "Es war mir schon klar, als ich es gesehen habe: Das heißt nichts Gutes." Nichts Gutes ist, das musste Werders Cheftrainer feststellen, eine maßlose Untertreibung. Die schwere Verletzung des Nationalspielers kommt für seinen Verein zur Unzeit.

Sie erwischt Schaaf mit voller Wucht zum Auftakt der englischen Wochen. Die Gegner in dieser Zeit heißen unter anderem: Bayern, Tottenham, HSV und Inter Mailand. Per Mertesacker wird diese Spiele verpassen und vielleicht noch ein paar mehr. Er hat sich im Länderspiel gegen Aserbaidschan, als ihn sein Gegenspieler Vaqif Cavadov bei einem Kopfballduell den rechten Ellenbogen ins Gesicht schlug, schwere Knochenverletzungen unter dem linken Auge zugezogen. Zunächst, noch am Dienstagabend in Köln, war ein Bruch des Augenhöhlenbodens diagnostiziert worden. Gestern, in Bremen, folgte die ganze medizinische Wahrheit: 'Es ist nicht nur der eine Bruch, der schon bekannt war, es ist auch etwas in der Kieferhöhle gebrochen', gab Schaaf am Nachmittag das Ergebnis der zweiten Untersuchung bekannt.

Das hört sich nicht nur schlimm an, es tut auch mächtig weh. 'Er hat ziemliche Schmerzen', sagte Kapitän Torsten Frings nach einem Telefonat mit dem Innenverteidiger gestern Vormittag. Drei Wochen Zwangspause dürften als wahrscheinlich gelten - das zeigen vergleichbare Fälle aus der Bundesliga (siehe Info-Text). Glück für Mertesacker: Die beiden Frakturen gelten als eine zusammenhängende Verletzung.

Drei Wochen, das klingt erst einmal nicht allzu lang. Es gibt langwierigere Verletzungen. Doch in diesen nächsten drei Wochen werden Weichen gestellt, zum Beispiel in der Champions League. Und: Mertesacker ist der zweite schwerwiegende Ausfall in der Viererkette nach dem wegen eines Knie-Ödems dauerpausierenden Naldo. Die Innenverteidigung Mertesacker/Naldo, über Jahre (meist) ein Qualitätsmerkmal gehobener fußballerischer Klasse, es gibt sie mit einem Mal nicht mehr bei Werder. Dass darüber hinaus für das Bayern-Spiel und voraussichtlich auch für die Tottenham-Partie Top-Angreifer Claudio Pizarro ausfallen wird, gerät - bei aller Brisanz - fast schon in den Rang einer Randnotiz. Denn offensiv hat Werder deutlich mehr Alternativen als defensiv.

Wer soll es richten?

So stellt sich vor dem dritten Bundesliga-Spieltag am Sonnabend und dem ersten Champions-League-Spieltag am Dienstag die Frage: Wer soll es in der Abwehr richten? Die Möglichkeiten Schaafs sind begrenzt. Er hat für die beiden Innenverteidiger-Positionen drei Spieler zur Verfügung: Sebastian Prödl, der an Mertesackers Seite zuletzt gewachsen ist; Petri Pasanen, der zuletzt auf der linken Außenbahn enttäuschte; und Mikaël Silvestre, der Neue, der eigentlich als Linksverteidiger vorgesehen war, aber auch zentral spielen kann.

Prödl darf angesichts der jüngsten Leistungen als gesetzt gelten - er braucht jedoch einen erfahrenen Spieler an seiner Seite. Pasanen und Silvestre verfügen beide über Routine, Vorteile dürfte wegen seiner langjährigen Dienste bei Manchester United und beim FC Arsenal der Franzose haben. Fraglich ist aber, wie weit Schaaf ihm zutraut, in den wenigen Tagen in Bremen die notwendige Fitness bekommen zu haben. Im Falle eines österreichisch-französischen Doppels in der Abwehrzentrale bliebe für die linke Seite die Wahl zwischen Pasanen und Sebastian Boenisch.

Direkt üben konnte Thomas Schaaf die neue Formation, die er jetzt finden muss, gestern noch nicht. Auf dem Trainingsplatz standen gerade einmal zwei der fünf noch gesunden Abwehrspieler: Clemens Fritz und Mikaël Silvestre. Die übrigen drei waren gestern erst von ihren Nationalmannschaften zurückgekehrt - immerhin, anders als Per Mertesacker, gesund.

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