Ailtons Saisonprognose für Werder "Nur Bayern ist stärker als Werder"

Bremen. Sechs Jahre spielte Ailton für Werder Bremen, wurde Meister, Pokalsieger, Torschützenkönig und Fußballer des Jahres. Jetzt kickt der "Kugelblitz" für den FC Oberneuland. Im Interview mit dem WESER-KURIER sprach der 37-Jährige über die kommende Werder-Saison.
18.08.2010, 19:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ben Binkle

Bremen. Sechs Jahre spielte Ailton für Werder Bremen, wurde Meister, Pokalsieger, Torschützenkönig und Fußballer des Jahres. Jetzt kickt der "Kugelblitz" für den FC Oberneuland in der Regionalliga Nord. Die Redakteure Ben Binkle und Daniel Stöckel trafen den mittlerweile 37 Jahre alten Angreifer im Sportpark am Vinnenweg, um mit ihm über die kommende Werder-Saison zu sprechen.

Ailton, am Sonnabend geht die Bundesliga für Werder Bremen wieder los. Was ist drin für Werder in dieser Saison?

Ailton:Es ist noch zu früh, über die Meisterschaft zu reden, aber der Titel ist definitiv möglich. Aber Werder Bremen ist sicher ein Favorit auf einen der ersten drei Plätze. Dazu muss die Mannschaft aber ihr ganzes Potential abrufen.

Wie viel Potential steckt denn in Werder?

Ich glaube, dass in der Liga nur Bayern München wirklich stärker ist als Werder. Bremen hat vom Potential her die zweitbeste Mannschaft in Deutschland.

Und darum wird Bayern München auch deutscher Meister?

Am Ende der Saison steht immer Bayern München vorne! (lacht) Nein, es sind ja immer die gleichen Klubs, die Favorit sind. Schalke 04 und der Hamburger SV haben starke Mannschaften. Und auch Leverkusen, die haben schon letzte Saison stark gespielt, bis sie dann am Ende eingebrochen sind.

Hamburg und Schalke, das sind Ex-Klubs von Ihnen. Wem wünschen Sie denn den Titel am meisten?

Ganz klar Werder, das ist immer noch meine Lieblings-Mannschaft in Deutschland. Ich habe auch Sympathie für Schalke und den HSV, aber bei Werder hatte ich meine beste Zeit. Die Menschen in Bremen lieben Ailton noch immer, das ist sensationell.

Schalke ist unter Felix Magath zum echten Titelkandidaten geworden. Ihre Erinnerungen an den Trainer Magath sind nicht besonders gut... (Magath setzte Ailton 1999 auf die Tribüne, Anmerkung der Redaktion)

Nein. Felix Magath ist ein guter Trainer, vor allem taktisch sehr clever. Wenn er eine Mannschaft trainiert, ist diese immer vorne mit dabei. Das Problem war aber seine Philosophie. Er hat zu hart trainieren lassen, nicht nur in der Saisonvorbereitung. Das passt zu einer Jugendmannschaft, aber nicht zu einem Spitzenklub wie Schalke 04. Ich denke, das ist ein Fehler. Bei Magath hat mir Fußball weniger Spaß gemacht.

Das wurde dann anders, als Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen wurde.

Ja, Thomas Schaaf und Felix Magath sind ganz unterschiedliche Personen mit einer anderen Philosophie. Gerade die Brasilianer haben bei Schaaf und Werder Bremen immer gut gespielt, weil sie Spaß am Fußball hatten. Magath hatte mit den Südamerikanern und deren Mentalität immer wieder Probleme, sie sollten spielen und trainieren wie Deutsche. Aber ein Brasilianer ist eben kein Deutscher, ein Brasilianer braucht immer auch etwas Spaß. Mit Thomas Schaaf ging das, mit Felix Magath nicht.

Sie selber sind ja Torschützenkönig in der Bundesliga geworden, ihr Kumpel Claudio Pizarro zählt in dieser Saison zu den Anwärtern auf die Trophäe. Wer ist denn aktuell der beste Stürmer in der Liga?

Hallo, Entschuldigung? (lacht und zeigt mit beiden Daumen auf sich selber) Nein, das war nur ein Spaß! Claudio Pizarro ist kopfballstark, beidfüßig, hat eine super Technik - wäre er so schnell wie ich, wäre er der beste Stürmer in Europa (lacht erneut). Wir sind unterschiedliche Spielertypen gewesen, aber Claudio ist besser. Er ist für mich derzeit der beste Stürmer der Bundesliga.

Wie viel Tore trauen Sie ihrem alten Sturmpartner denn zu?

Ich weiß nicht, wie oft er genau treffen wird, aber wenn Pizarro in Form ist, ist er eine Tormaschine. Er ist der große Favorit auf die Torjägerkanone. Aber nur, wenn er die Saison über unverletzt bleibt.

Für einen Stürmer ist das Mittelfeld besonders wichtig. Das galt für Sie und gilt auch für Pizarro...

Natürlich, als Angreifer brauchst du ein starkes Mittelfeld mit Spielern wie Diego oder Johan Micoud. Als Stürmer kannst du dir den Ball nicht selber hinten holen und dann drei oder vier Gegenspieler ausdribbeln. Man braucht Denker, die präzise Pässe spielen. Werder hatte das immer.

Mesut Özil ist jetzt weg. Schwächt das Werder?

Klar, Claudio Pizarro und Hugo Almeida haben stark von seinen Pässen gelebt.  Aber es wäre schwer, jetzt einen neuen Spieler zu verpflichten, der die Rolle von Özil übernehmen soll. Jeder neue Spieler braucht Zeit, sich eingewöhnen. Das gilt auch für Wesley ( Werder ist am Brasilianer Wesley interessiert, Anmerkung der Redaktion), der sicher ein großes Talent ist. Es wäre ungerecht, weil der neue Spieler immer gleich mit Özil verglichen würde.

Klaus Allofs denkt an eine interne Lösung. Können Spieler wie Marko Marin oder Aaron Hunt die Lücke schließen, die Özil hinterlässt?

Beide habe letzte Saison gut gespielt. Marin ist unglaublich schnell und ein toller Techniker. Er ist ein sehr guter Spieler, aber Özil ist noch eine andere Kategorie. Wenn Özil auf dem Platz steht, hat der Gegner Angst, selbst die Bayern haben dann großen Respekt. Das ist bei Marin und Hunt noch anders. Die Körpersprache und das gesamte Auftreten muss noch besser werden. Thomas Schaaf muss das Potenzial aus den beiden herauslocken. Gute Spieler sind beide allemal.

Sie persönlich sind zurück in Bremen, spielen für den FC Oberneuland. Was ist für die Zukunft geplant?

Zunächst habe ich zwei Jahre Vertrag hier beim FCO, darauf werde ich mich konzentrieren. Ich bin nicht hier, weil ich eine prominente Werbefigur bin. Ich will dem Team mit Toren helfen, das erwarten die jungen Teamkollegen von mir. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Vielleicht bleibe ich in Deutschland und werde Scout oder Spielerberater. Oder ich kehre nach Brasilien zurück und gehe in die Politik. Aber das ist nicht die Priorität. Ich würde lieber im Fußball weiterarbeiten. Ich kenne die Mentalität in Südamerika und im deutschen Fußball gut. Das ist die Idee für die Zeit nach meinem Karrieerende.

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