Ex-Werder-Spieler Jerome Polenz

Polenz ist glücklich in Sydney

Bremen. Ex-Werderaner Jerome Polenz hatte in Deutschland keine sportliche Perspektive mehr. Also wagte er das Abenteuer Australien. Dort fand er nicht nur sein Glück als Fußballprofi, sondern auch seinen Humor wieder.
05.04.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von John Hennig
Polenz ist glücklich in Sydney

Jerome Polenz im Jahr 2006 im Werder-Trikot.

Frank Thomas Koch

Sydney. Es gibt ein Bild, noch keinen Monat alt, das alles aussagt über das neue Leben von Jerome Polenz. Darauf zu sehen ist Australiens Premierministerin Julia Gillard inmitten der Mannschaft der Western Sydney Wanderers. In den Händen hält Gillard ein Trikot mit ihrem Namen. Polenz steht direkt dahinter – in einem Pikachu-Kostüm. Er habe Gillard vorgeschlagen, den gerade angesagten Harlem Shake zu tanzen, kommentiert er selbst das Bild, doch sie habe dankend abgelehnt.

Auch wenn die Kostümfassung des Fotos sicherlich am Computer entstanden ist – dieses Szenario wäre in Polenz‘ alter Heimat gleich aus verschiedensten Gründen undenkbar gewesen. Zum einen lässt sich Angela Merkel eher selten bei Alemannia Aachen oder dem 1. FC Union blicken, zum anderen war Jerome Polenz zuletzt in Berlin auch nicht gerade zu Späßen aufgelegt. Mit Trainer Uwe Neuhaus kam er in Berlin nie wirklich zurecht. "Darüber möchte ich gar nicht mehr reden", sagt Polenz dazu aus sicherer Entfernung.

Damals geriet die Karriere, die ihn bei Werder Bremen in die Junioren-Nationalmannschaft und den Bundesliga-Kader geführt hatte, extrem ins Stocken. Für neun Monate wurde Polenz bei Union sogar aus dem Zweitliga-Kader suspendiert. Lediglich 15 Einsätze bei den Profis standen für ihn in zwei Jahren in Köpenick zu Buche.

Vorbild Thomas Broich

Er habe dann für sich selbst entschieden, "etwas Neues zu wagen", sagt Polenz. Der 26-Jährige hatte unter anderem den Dokumentar-Film "Tom meets Zizou" über Thomas Broich und dessen sportlichen Neuanfang in Australien gesehen und sich inspirieren lassen: "Da hab ich gesehen, dass er gute Erfahrungen damit gemacht hat."

Broich, der einzige andere Deutsche in der Liga, wurde zwei Mal in Serie mit Brisbane Roar australischer Meister und zudem im Vorjahr als bester Spieler der Liga ausgezeichnet. Schließlich entschied sich auch Polenz mit seiner Frau Svenja für das Abenteuer Australien – bei einem Verein, der noch nie ein Spiel bestritten hatte: Die Western Sydney Wanderers, erst 2012 gegründet, bereiteten sich im Sommer gerade auf ihre erste Saison in der australischen A-League vor, als Polenz dazustieß. "Ein paar Monate zuvor gab es noch keinen einzigen Spieler, keine Umkleideräume, keinen Trainingsplatz. Ich wusste nicht so richtig, was mich erwartet, es gab keine Referenzen, gar nichts, aber manchmal muss man im Leben halt ein Risiko wagen."

So viel kann man sagen: Das Risiko – wenn auch aus der Not heraus geboren – hat sich für ihn gelohnt. Denn ein halbes Jahr später sind die Wanderers die Erfolgs-Geschichte des australischen Sports, haben sensationell die reguläre Meisterschaftssaison gewonnen und gehen damit als führendes Team in die Play-offs. Zuletzt feierte die Mannschaft elf Siege in Serie. "Das war alles andere als zu erwarten", meint Polenz.

Seine Rolle in der Mannschaft hat Polenz sofort gefunden. Nur vier Mal fehlte er in der Startformation: Einmal wurde er geschont, einmal war er gesperrt und zuletzt war er verletzt. Ansonsten spult Polenz auf der rechten Abwehrseite seriös sein Pensum ab: "Man muss topfit sein, um hier bestehen zu können", sagt er. Ein Abenteuer-Urlaub mit gelegentlichen Spielen sei das Leben in der A-League eher nicht: "Ich hatte mich zum Glück in Bremen bei den Amateuren fit gehalten, denn das ist hier schon oberes Zweitliga-Niveau. Die A-League hat sich sehr gemacht."

Publikumsliebling

Genauso wie Jerome Polenz seit seinem Wechsel. Das Leben in Australien hat für ihn auch andere nette Nebeneffekte. "Ich bin ganz froh, dass ich auf dem Trainingsplatz nicht jeden Tag Schnee sehe, sondern mich eher gut mit Sonnenschutz eincremen muss", erzählt er. So genießt Polenz seit Monaten sommerliche Spiele in den Abendstunden. Durch die Erfolge steigen auch die Zuschauerzahlen in Parramatta, 30 Kilometer westlich von Sydney, wo die Wanderers ihre Heimspiele austragen, stetig.

Im Schnitt kommen bereits mehr als 10000 Zuschauer zu den Spielen des Neulings. Dabei haben sich die Fans der Wanderers von Anfang an den Ruf erarbeitet, die stimmungsvollsten im Lande zu sein. Selbst dass Anfang März auch die beliebtesten Sportarten Rugby und Aussie Rules Football ihren Ligabetrieb gestartet haben, tut der riesigen Euphorie keinen Abbruch. Und so gibt Polenz nach Siegen oft den Vorsänger vor der Fankurve.

Egal wie die Saison ausgeht, schon jetzt steht für Polenz fest: "Das war eine der besten Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe." Jerome Polenz hat den Spaß am Fußball wiedergefunden. Das bleibt auch in Deutschland nicht unbemerkt. "Ich kriege sehr viele E-Mails. Ehemalige Mitspieler und Freunde, alle verfolgen das. Manche stehen auch morgens auf und sehen sich die Spiele im Live-Stream an", erzählt er, "und einige Spieler fragen auch nach, wie es hier ist. Es gibt ein paar, die würden gern hierherkommen." Der 26-Jährige kann dafür nur werben. Er hat seinen Vertrag bei den Wanderers schon nach den ersten Monaten bis 2014 verlängert.

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