1:0 gegen ZSKA Sofia im Testspiel "Jojo" Eggestein sorgt für den nächsten Werder-Sieg 

Das Spiel im Trainingslager gegen ZSKA Sofia war als erster Stresstest für die Werder-Defensive angekündigt worden. Umso mehr ist Trainer Anfang mit dem Ergebnis einverstanden.
04.07.2021, 20:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus Carsten Sander Björn Knips

Eine Ecke von Niklas Schmidt, ein Kopfball von Johannes Eggestein – und fertig war im dritten Spiel der Saisonvorbereitung der dritte Sieg des SV Werder. Mit 1:0 (0:0) bezwang der Bundesliga-Absteiger am Sonntag im Rahmen des Trainingslagers in Zell am Ziller den bulgarischen Pokalsieger ZSKA Sofia. Weil die Partie als erster Stresstest für die Defensive angekündigt worden war, war Trainer Markus Anfang mit Spiel und dem Ergebnis absolut einverstanden.

„Wir können heute sagen, dass wir mit der Art und Weise, wie wir das Spiel angenommen haben, zufrieden sein können. Die Abläufe haben besser gepasst gegen den Ball, wir sind viel in die Zweikämpfe gekommen und haben die Duelle gut angenommen“, urteilte der 45-Jährige. Allerdings taugte die Begegnung, die im Parkstadion von rund 600 Fans verfolgt wurde, nur bedingt als Belastungsprobe für die Abwehr. Zum einen, weil Werder in Anthony Jung (grippaler Infekt) und Nicolai Rapp (Schonung) zwei wichtige Defensivakteure nicht aufbot. Zum anderen, weil der Gegner aus Bulgarien nicht die Power hatte, die erwartet worden war. Erst in der zweiten Halbzeit wurde ZSKA richtig aktiv. Vor Eggesteins entscheidendem Tor (82.) traf Yohan Bai die Latte (73.) und scheiterte später an Werder-Schlussmann Michael Zetterer (84.), der den Sieg festhielt. „Wir haben auch noch Chancen des Gegners zugelassen, also haben wir noch Potenzial, was wir besser machen müssen. Es waren viele Flanken, die wir am Mann nicht so gut verteidigt haben“, meinte Anfang. 

Nach zwei deutlichen Erfolgen gegen die unterklassigen Gegner BW Lohne (7:0) und VfB Oldenburg (4:0) setzte Coach Anfang auch gegen Sofia, Dritter der vergangenen bulgarischen Meisterschaft, auf sein 4-1-4-1-System. Auf dem Rasen zeigten sich erstmals in der laufenden Vorbereitung Torhüter Stefanos Kapino, Ömer Toprak, Milos Veljkovic, Josh Sargent und Yuya Osako. Zudem feierte der erst am Donnerstag verpflichtete Lars Lukas Mai nach Einwechslung in der 62. Minute sein Debüt im Werder-Trikot. Wegen muskulärer Probleme fehlten Leonardo Bittencourt und Eren Dinkci.

Das Personal der ersten Halbzeit kam nicht so recht in Schwung. Die Partie war zwar umkämpft, bisweilen sogar ruppig, aber arm an Höhepunkten. „Von der Intensität her war es richtig gut“, sagte Anfang und nickte auch die Härten ab: „Es gibt immer wieder Zweikämpfe, die sind vielleicht auch mal ein bisschen zu viel, weil man halt sehr emotional ist. Aber das gehört einfach dazu. Wir haben uns gewehrt, wir haben die Zweikämpfe angenommen. Das war ein richtig guter Test für uns.“

In Gefahr geriet Werder zunächst nur durch Kopfbälle des Niederländers Jurgen Mattheij (10./14.), auf der Gegenseite kam Abdenego Nankishi zur besten Bremer Chance (43.). Ansonsten bekamen die Bremer Geschäftsführung sowie Teile des Aufsichtsrates mit dem Vorsitzenden Marco Bode, die das Spiel vom Dach der angrenzenden Schule beobachteten, wenig geboten. Immerhin: Die Defensive bestätigte die Arbeit der ersten Trainingslager-Tage. „Die Jungs“, so Anfang, „haben von der ersten bis zur letzten Minute Gas gegeben.“
Mit Beginn der zweiten Halbzeit kam erst der große Regen, dann die große Wechselflut. Bevor Anfang acht neue Akteure brachte, ließ Sargent auf schon fahrlässig zu nennende Weise die Bremer Führung liegen. Mit einem Pass in die Tiefe freigespielt, legte er nicht auf den mitgelaufenen Nankishi ab, sondern schloss selbst ab. Und scheiterte (55.). Es war eine Szene, die in einem Testspiel verziehen wird, im Ernstfall aber gewiss nicht.

Dass es zwischen Test- und Pflichtspielen einen Unterschied gibt, rettete wenig später Manuel Mbom vor einem Platzverweis. Nachdem er Hamza Catakovc auf den Fuß gestiegen war, sah er – weil schon vorbelastet – vom kleinlich pfeifenden Referee die Gelb-Rote Karte. Grundsätzlich war das in Ordnung, ungewöhnlich blieb es trotzdem. Denn in Spielen mit Testcharakter gilt die ungeschriebene Regel, das Gleichgewicht der Kräfte nicht durch Hinausstellungen zu verändern. Die Lösung fand Kevin Möhwald: Er sprang für den Kollegen in die Bresche,nahm das Foul auf seine Kappe. Der Schiri spielte mit, zog die Gelb-Rote Karte für Mbom zurück und verwarnte Möhwald. Nicht richtig, aber sehr diplomatisch und ganz sicher auch im Sinne beider Teams.
Mit elf gegen elf ging es weiter, und Werder schaltete mit frischem Personal offensiv einen Gang hoch. Johannes Eggestein verzog noch aus der Distanz (70.), erzielte dann aber per Kopf den Treffer des Tages. Die Vorlage hatte Niklas Schmidt per Eckball gegeben und sammelte damit einen weiteren Pluspunkt als Vorbereiter. Anfang sparte dennoch mit Lob für den 23-Jährigen: „Wir wissen, dass Niklas eine gute Qualität hat, aber jetzt über einzelne Spieler zu sprechen, ist schwierig.“ Aber ja: „Niklas hat es gut gemacht.“

Gut lief es auch für Ilia Gruev. Gegen seine Landsleute spielte der bulgarische U21-Nationalspieler als einziger Bremer durch, behauptete sich erst als Innenverteidiger, später im defensiven Mittelfeld. Als Geschenk für Gruev oder gar einen als Wink für die Zukunft wollte Anfang das aber nicht verstanden wissen. Weil Rapp nicht zur Verfügung stand, war der 90-Minuten-Einsatz „der Situation geschuldet“. 

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