Abstiegskampf in der Bundesliga

1:3 bei Union Berlin - Werder am Tiefpunkt

Werder Bremen steckt weiterhin mitten im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Bei Union Berlin verloren die Bremer 1:3. Darf Trainer Florian Kohfeldt trotzdem bleiben?
24.04.2021, 17:48
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Carsten Sander
1:3 bei Union Berlin - Werder am Tiefpunkt

Die Entscheidung: Joel Pohjanpalo erzielt den Treffer zum zwischenzeitlichen 3:0.

nordphoto/ gumzmedia

Werder Bremen hat den freien Fall Richtung Zweite Liga auch bei Union Berlin nicht stoppen können. Mit einer Leistung, die den Tiefpunkt der vergangenen Wochen darstellte, verlor das Team von Trainer Florian Kohfeldt im Stadion „Alte Försterei“ mit 1:3 (0:0) und verlängerte die eigene Niederlagenserie auf nunmehr sieben Spiele. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nach dem Ende einer für Werder grauenhaft verlaufenen Englischen Woche und drei Spieltage vor Saisonende nur noch einen Punkt. Hauptverantwortlich war dafür Union-Stürmer Joel Pohjanpalo der alle drei Berliner Tore erzielte. Für Werder gelang Theodor Gebre Selassie der späte Ehrentreffer.

Werder: Dramatisch schlechte Entwicklung unter Kohfeldt

Vor dem Spiel hatte Werder-Sportchef Frank Baumann seinem Trainer Florian Kohfeldt das Vertrauen für den Rest der Saison ausgesprochen. Aufsichtsratschef Marco Bode stützte diese Haltung zudem im Interview mit unserer DeichStube. Doch die Partie in Köpenick lieferte anschließend kein Argument dafür, dass dieser Werder-Weg noch der richtige ist. Die Entwicklung unter Kohfeldt ist mittlerweile als dramatisch schlecht einzuschätzen. Die Hoffnung, in den verbleibenden drei Spielen gegen Bayer Leverkusen, den FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach noch einmal den Trend umzukehren, schwindet immer mehr.
Die Ausgangslage vor dem Spiel hatte sich für die Bremer am Freitagabend weiter verschärft, weil der 1. FC Köln, bis dahin Tabellenvorletzter, beim FC Augsburg mit 3:2 gewonnen hatte. Was einerseits den FCA tiefer mit hineinzog in den Abstiegskampf. Was andererseits aber auch bedeutete, dass die Bremer nur noch hauchdünn über den Abstiegsplätzen schwebt.

Lesen Sie auch

Der gestiegene Druck, die um sich greifende Angst – beides wirkte sich in erwartbarer Weise auf das Bremer Spiel aus. Die Gäste, bei denen Christian Groß als einzige Änderung in der Startelf den wegen eines Nasenbeinbruchs fehlenden Milos Veljkovic vertrat, setzten voll auf Defensive. Werder stand tief in der eigenen Hälfte und wartete auf Konterchancen. Allerdings blieb das Team dabei auf dem Niveau der vergangenen Spiele und kam wegen ungenauer Pässe und anderer individueller Unzulänglichkeiten erst gar nicht dazu, tatsächlich mal ein Angriffsspiel aufzuziehen. Oft war schon nach dem ersten Pass wieder alles vorbei. Und wenn es nicht der erste war, dann spätestens der zweite. Einzige Ausnahme: Nach einem Vorstoß von Groß leitete Füllkrug weiter auf Rashica. Und ja: Er schoss sogar aufs Tor! Es war die 22. Minute und der einzige Moment, in dem Werder einen Hauch von Gefahr entwickelte. Ansonsten lief nach vorne nichts bei den Bremern, bei denen lange Bälle nicht nur Stilmittel, sondern oft auch die pure Hilflosigkeit waren.

Werder gegen Union: Viel Leerlauf in der ersten Halbzeit

Aber immerhin: Defensiv brannte lange nichts an. Trotz eines klaren Plus bei den Spielanteilen kam der FC Union bis zur Pause zu keinem einzigen Torschuss. Was Marco Friedl übrigens mit Schmerzen bezahlte. Denn in der 16. Minute wurde er von Robert Andrich binnen Sekunden gleich dreimal förmlich abgeschossen. Das tat weh – selbst Unions Geschäftsführer Sport, Oliver Ruhnert, litt mit: „Heroisch“ sei Friedls körperlicher Einsatz gewesen.

Lesen Sie auch

Um die erste Halbzeit zu bewerten, fand der Union-Boss aber zurecht andere Adjektive. „Ein bisschen zermürbend“ nannte er die Bremer Taktik, „weil Werder nur auf einen Fehler von uns wartet.“
Dabei haben die vergangenen Wochen doch gezeigt, dass es die Bremer selbst sind, die verlässlich die entscheidenden Fehler machen. Das war bei den sechs Niederlagen zuvor so gewesen, das blieb auch in Berlin so. Innerhalb von drei Minuten gab Werder eine Partie ab, die sich bis dahin zwar schon den Titel „Gruselkick in Köpenick“ verdient hatte, die aber wenigstens noch die Hoffnung auf ein 0:0 und damit ein wichtiges Pünktchen offen gelassen hatte. Doch dann kam der dreifache Pohjanpalo und knallte Werder noch tiefer in den Abstiegskampf. Zunächst traf der Finne in Folge einer Ecke, weil Bewacher Maximilian Eggestein ihn aus den Augen gelassen hatte (50.). Dann düpierte er Marco Friedl mit einem Beinschuss, nachdem zuvor Niklas Moisander und Christian Groß den Ball nicht geklärt hatte (53.). Mit seinem dritten Tor machte Pohjanpalo dann alles klar (67.).

Lesen Sie auch

Alle sechs Minuten ein Gegentor – in diesen Momenten galt nicht mehr, was Florian Kohfeldt vor dem Spiel noch für seine Mannschaft in Anspruch genommen hatte. „Wir haben uns nicht verloren“, hatte er gesagt und damit Geschlossenheit und Stabilität beschreiben wollen. Aber längst gilt: Beides ist weg. Zerstört in Berlin. Daran konnte auch Philipp Bargfrede nichts mehr ändern. Kohfeldt verhalf ihm in der 63. Minute zum Bundesliga-Comeback, doch das musste schon als Verzweiflungstat verbucht werden.
Werder zündete zwar noch so etwas wie eine Schlussoffensive, kam zum Tor durch Gebre Selassie und weiteren Chancen. Auf der Gegenseite verhinderte indes Jiri Pavlenka weitere Gegentreffer. Und am Ende stand eine verdiente, klare Niederlage gegen eine Mannschaft, die den Grün-Weißen am letzten Spieltag der vergangenen Saison mit dem Sieg über Fortuna Düsseldorf noch ein Riesengeschenk gemacht hatte. Nur so konnte sich Werder noch in die Relegation retten und den Abstieg vermeiden. Viel deutet jetzt aber darauf hin, dass der Gang in die Zweite Liga damals nur verschoben worden war.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+