1:3 im Heimspiel

Werder kommt gegen die Bayern glimpflich davon

Seit 25 Ligaspielen hat Werder nicht mehr gegen Bayern München gewinnen können. Auch in der Heimspiel-Partie am Samstag hat sich das nicht geändert. Mit einem 1:3 trennten sich beide Mannschaften.
13.03.2021, 17:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Carsten Sander
Werder kommt gegen die Bayern glimpflich davon

Münchens Stürmer Robert Lewandowski (2.v.l) feiert mit Teamkameraden sein Tor zum 0:3.

Martin Meissner

Das Spiel war schon einige Minuten vorbei, als der SV Werder immer noch in voller Kaderstärke auf dem Rasen des Weserstadions stand. Es war ein Kreis an Verlierern, der sich da formiert hatte, denn die Partie gegen den FC Bayern war mit einem 1:3 (0:2) zu Ende gegangen. Eigentlich ist das nichts, was sofort besprochen werden müsste. Schließlich ist eine Pleite gegen den Champions-League-Sieger, Rekordmeister und Bundesliga-Spitzenreiter für Werder so etwas wie das Normalste der Welt. Dennoch hatte Trainer Florian Kohfeldt ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis nach einem Spiel, in dem sein Team noch glimpflich davongekommen war.

Was gesprochen wurde? „Das bleibt intern“, sagte Kohfeldt geheimnisvoll. Doch es ist wahrscheinlich, dass der Coach der Niederlage, die leicht auch höher hätte ausfallen können, die Bedeutung nehmen wollte. Motto: Macht nichts, gegen den VfL Wolfsburg geht es nächste Woche weiter! Vermutlich ist das aus Bremer Sicht auch ein recht vernünftiger Umgang mit dem Spiel, in dem die eigene Leistung nicht wie gewünscht war und in der der FC Bayern einen Tag ohne eigene Schwächen erwischt hatte. „Es war eine verdiente Niederlage gegen einen sehr starken und konzentrierten Gegner“, resümierte Kohfeldt und gab dann doch einen Einblick, was er zu den Spielern gesagt hatte – keine Manöverkritik, eher ein positiver Rückblick. „Wir haben kurz über die Situation nach der Woche gesprochen“, so Kohfeldt.

Es war eine Woche, die mit dem 1:1 beim 1. FC Köln begonnen, die mit dem 2:0 bei Arminia Bielefeld einen enorm wichtigen Sieg geliefert und die nun mit dem 1:3 gegen Bayern ein erwartbares Ende genommen hatte. „Wenn du gegen Bayern gewinnen willst, brauchst du einen Super-Tag. Den hatten wir heute nicht“, meinte Verteidiger Ömer Toprak.

Nur ein Versuch

Weshalb am Ende eines der traurigsten Jubiläen in der Geschichte des SV Werder stand: Mittlerweile warten die Bremer schon seit 25 Ligaspielen auf einen Sieg über den FC Bayern, der gestern durch Tore von Leon Goretzka (22.), des Ex-Bremers Serge Gnabry und von Robert Lewandowski (67.) einen weiteren Schritt Richtung Titelverteidigung machte. Für Werder betrieb der eingewechselten Niclas Füllkrug noch etwas Ergebniskosmetik (85.). Weil die Bayern aber durch Lewandowski drei Aluminium-Treffer verzeichneten, haderte Thomas Müller mit dem Resultat: „Aus meiner Sicht hätten wir deutlich mehr Tore schießen müssen.“

Dass für Werder nichts zu holen sein würde, erschien vor dem Anpfiff schon sehr wahrscheinlich, aber keineswegs garantiert. Denn zum einen hatten die Bremer beim 1:1 im Hinspiel gezeigt, dass sie mittlerweile ein Gegenmittel gegen die Münchner gefunden haben, zum anderen hoffte das Werder-Lager auf einen positiven Effekt, nachdem der Klassenerhalt in greifbare Nähe gerückt ist. „Wir wollen weiter punkten – auch gegen Bayern“, forderte Kohfeldt vor dem Anpfiff. Doch davon war die Mannschaft anschließend ganz weit weg.

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Zwar attestierten sich die Bremen nach dem Abpfiff, den Kopf nicht in den Sand gesteckt zu haben. Aber mehr als der Versuch, mutig nach vorne spielen, kam dabei nicht heraus. Mittelfeldmann Kevin Möhwald sah in seiner Analyse dennoch viel Positives. „Ich glaube, dass wir von hinten teilweise ganz gut herausgespielt haben. Die Räume für mehr Chancen waren durchaus da. Das müssen wir uns ein bisschen vorwerfen, sonst haben wir ein ordentliches Spiel gemacht“, sagte er.

Fakt war aber: Es setzte sich fort, was grün-weiße Fans seit mittlerweile zwölf Jahren nicht anders kennen. Damals gab es am 1. März 2009 mit dem 0:0 den bis dato letzten Punktgewinn im Weserstadion gegen die Bayern. Es folgten elf Niederlagen – mit dem 0:7-Debakel im März 2013 als Tiefpunkt. Nun setzte es Heimpleite Nummer zwölf in Serie.

Ordentlicher Start für Werder

Wer die Anfangsphase der Partie ganz fein sezierte, der konnte Werder mit einigem guten Willen tatsächlich einen ordentlichen Start bescheinigen. Jedenfalls verteidigte der Tabellenzwölfte zunächst ordentlich, und der Ball lief auch gefällig nach vorne. Ludwig Augustinsson gab sogar den ersten Torschuss der Partie ab (6.), doch der positive Eindruck bestätigte sich im weiteren Verlauf nicht mehr. Der FC Bayern wurde immer stärker und die Bremer Abwehrreihe immer wackeliger. Was vor allem Thomas Müller zu nutzen wusste. Bei den ersten beiden Bayern-Toren leistete er die Vorarbeit und schraubte so seinen Werder-Rekord weiter in die Höhe. Zehn Tore und 16 Assists sind ihm nunmehr gegen die Bremer gelungen – noch nie hat ein Spieler einem Club dermaßen zugesetzt.

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Dass Müller in beiden Szenen von Bremer Defensivkräften unbehelligt seinen Job machen konnte, war das große Werder-Problem an diesem Tag. Die Abwehr, die in der Innenverteidigung auf zwei von drei Positionen verändert war (Niklas Moisander ersetzte des gelb-gesperrten Marco Friedl, Christian Groß bekam den Vorzug vor Milos Veljkovic) funktionierte nicht. „Nach dem ersten Tor lassen sie uns laufen, wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen“, erklärte Toprak.

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Phasenweise schien sogar eine Wiederholung des 0:7 möglich, weil die Bayern Chance um Chance herausspielten. Allein Lewandowski hätte für ein Münchner Schützenfest sorgen können, scheiterte aber entweder an Werder-Schlussmann Jiri Pavlenka oder am Aluminium (53., 57., 78.). Zwischendrin staubte die Münchner Tormaschine zum 0:3 ab (67.), kam damit dem Gerd-Müller-Rekord von 40 Saisontoren wieder ein Stück näher. 32 Treffer sind es jetzt bei Lewandowski, 35 hätten es aber sein können. Im Sky-Studio orakelte Dietmar Hamann deshalb: „Wenn Lewandowski den Rekord nicht knacken sollte, wird er sicher als erstes auf dieses Spiel gucken.“

Als Lewandowski zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde, ließ die Bedrohung für Werder schlagartig nach. Bei einem Konter kamen die Grün-Weißen sogar noch zum Ehrentreffer. Milot Rashica war allen davongelaufen, scheiterte aber an Bayern-Keeper Manuel Neuer. Füllkrug schob ins leere Tor ein. In der Nachspielzeit hatte Füllkrug sogar noch die Chance, auf 2:3 zu stellen, doch das wäre zu viel Make-up gewesen für ein Spiel, das eindeutiger war, als es das Ergebnis aussagte.

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