Zweite Liga

Benno Möhlmann macht den Favoriten-Check

Der ehemalige Werder-Profi Benno Möhlmann kennt sich bestens aus in der 2. Liga - bei 520 Spielen stand er als Trainer an der Seitenlinie. Hier macht er seinen Favoriten-Check.
18.07.2021, 13:56
Lesedauer: 4 Min
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Von Hans-Günter Klemm
Benno Möhlmann macht den Favoriten-Check

Benno Möhlmann im Jahr 2016 als Trainer von 1860 München.

Peter Kneffel
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Er trägt den Beinamen „Mister 2. Liga“, denn als Trainer ist Benno Möhlmann mit 520 Spielen für fünf verschiedene Clubs der Rekordhalter in dieser Klasse. Dort hat der ehemalige Werder-Profi (267 Spiele/46 Tore) für Greuther Fürth, Arminia Bielefeld, den FC Ingolstadt, den FSV Frankfurt und 1860 München gearbeitet. Eine Woche vor dem Saisonstart macht der 64-Jährige für unsere Deichstube den Favoriten-Check, dabei spricht er eine deutliche Warnung aus: „Ein Selbstgänger wird das Projekt Wiederaufstieg für die Großen nicht.“

Werder Bremen

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine seriöse Prognose abzugeben, das falle ihm schwer, sagt Möhlmann. „Weil noch viel auf dem Transfermarkt passieren kann.“ Daher versteht er, wie Markus Anfang vorgeht. Erst Wiederaufbau, dann Wiederaufstieg – so die Devise des neuen Werder-Trainers. „Es ist richtig, doch der Aufbau muss relativ schnell passieren.“ Möhlmann glaubt zwar, dass Werder direkt wieder hochgehen kann, ist aber auch gespannt: „Die Welt in Bremen ist nicht mehr so heil wie zuvor. Das Miteinander mit den Fans steht auf der Probe.“

Schalke 04

Was für Werder gilt, trifft auch auf Schalke zu. Abwarten, wie sich der Kader bis Ende August noch verändert. Der DeichStube-Experte sieht trotz der Verkäufe oder nicht erfolgter Weiterverpflichtungen so namhafter Spieler wie Suat Serdar, Sead Kolasinac, Matija Nastasic, Mark Uth, Klaas-Jan Huntelaar, Sebastian Rudy, Shkodran Mustafi, Benjamin Stambouli, Bastian Oczipka, Nabil Bentaleb und Alessandro Schöpf noch „ein qualitativ gut besetztes Aufgebot“ bei den Knappen. Interessant seien die Einkäufe, die der Ex-Bremer Rouven Schröder getätigt hat. An erster Stelle natürlich Zweitliga-Torjäger Simon Terodde, doch auch der Mainzer Danny Latza sowie der Stuttgarter Marcin Kaminski, der Berliner Marius Bülter und der Darmstädter Victor Palsson gelten als passende Ergänzungen. Fast 20 Abgänge, neun Neue – ein gewaltiger Umbruch, doch Möhlmann traut Königsblau zu, ganz vorn dabei zu sein.

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Hamburger SV

Dreimal ist der HSV gescheitert, „obwohl genug finanzielle Mittel vorhanden gewesen waren. Doch die Unruhe aus vielen Ecken hat gestört. Es hat am notwendigen Zusammenhalt auf allen Ebenen gefehlt.“ Tim Walter, den neuen Trainer, schätzt Möhlmann als sehr ehrgeizig ein. Mit Torjäger Terodde sei ein Unterschiedsspieler gegangen. Der aus Cardiff geholte Robert Glatzel soll ihn ersetzen. In der 2. Liga bewährte Kräfte wie Jonas Meffert (aus Kiel) und Sebastian Schonlau (aus Paderborn) gelten als gute Verstärkungen beim erneuten Umbruch. Möhlmann: „Ich bin gespannt, welchen Ansatz der HSV wählt. Und ob das Team diesmal am Ende nicht wieder alles verspielt.“

Holstein Kiel

Die Mannschaft, zuletzt stets im Vorderfeld, hat ein Fachmann wie Möhlmann immer auf der Rechnung. Holstein Kiel werde „wieder oben dabei sein“. Der Grund: „Holstein ist stabil, besitzt eine gefestigte Mannschaft.“ Abgewartet werden müsse natürlich, wie der Weggang des Südkoreaners Jae-sung Lee („ein Ausnahmespieler“) nach Mainz verkraftet werde. Zudem verließen mit Janni Serra (zu Bielefeld) und Meffert (zum HSV) zwei weitere Stützen die Truppe. Doch das Gerüst blieb beisammen. Auch die handelnden Personen auf der Leitungsebene: Manager Uwe Stöver, den Möhlmann gut kennt und schätzt, bilde mit Trainer Ole Werner, auch mal bei Werder im Gespräch, ein gutes Gespann. Mit Blick auf die Transferpolitik sagt der Experte: „Sie haben interessante Spieler geholt.“ Dazu zählt der vereinslose Julian Korb, der in Schalke nicht glücklich gewordene Steven Skrzybski und der bei Werder aussortierte Patrick Erras sowie ein prominenter Hamburger Junge namens Fiete Arp, der nach vergeblichen Versuchen bei den Münchner Bayern in seiner norddeutschen Heimat einen neuen Anlauf unternimmt.

Hannover 96

„Ich bin sehr gespannt, was in Hannover herauskommen wird“, sagt Möhlmann über den früheren Erstligisten. Zwei vergebliche Anläufe der Niedersachsen, den Betriebsunfall zu reparieren, sind vergangen. Indiskutables Resultat zuletzt: nur Platz 13. Nun soll ein neuer Versuch unternommen werden. „Ein durchaus mutiger Neuanfang“, wie Experte Möhlmann den Schritt bewertet, auf einen im Profifußball noch unerfahrenen Coach wie Jan Zimmermann zu setzen, ihm mit Marcus Mann einen Sportdirektor an die Seite zu stellen, der ebenfalls noch nicht in allererster Reihe in der Verantwortung stand. Gravierende Veränderungen im Aufgebot hätten nicht stattgefunden, obwohl mit Timo Hübers (nach Köln) in der Defensive und Genki Haraguchi (zu Union Berlin) in der Offensive wichtige Leute verloren wurden. Fazit: „Wenn Zimmermann schnell eine Bindung findet, ist mit der Elf zu rechnen.“

Fortuna Düsseldorf

Auch die rheinische Fortuna sei zu beachten. „In der Truppe steckt genügend Potenzial, was sie vor allem in der Rückrunde bewiesen hat.“ Mit Klaus Allofs, der Werder-Legende, sei der wichtigste Mann ein erfahrener Entscheider, der normalerweise Erfolg garantiert. Wobei die Personalie des Sommers schon überrasche: Mit Christian Preußer, dem Nachfolger von Uwe Rösler, von der Reserve des SC Freiburg geholt, setze Allofs auf einen relativ unbekannten Fußballlehrer. „Gemeinhin favorisiert Klaus gestandene Akteure.“ Neu im Team: Khaled Narey vom HSV sowie zwei Ausländer mit Dragos Nedelcu (vorher FCSB Bukarest) und Ao Tanaka (vorher Kawasaki Frontale), die Möhlmann nicht einzuschätzen weiß.

Die Geheimfavoriten

Es gibt für Möhlmann noch drei weitere Teams, die zu beachten sind. „Heidenheim zählt immer dazu“, so der Rekordtrainer, der die Arbeit von Frank Schmidt fantastisch findet, „weil er Jahr für Jahr eine konkurrenzfähige Elf stellt“. Auch der 1. FC Nürnberg strebe nach Höherem, wenngleich die Franken es nicht so offensiv kommunizieren würden. „Dieter Hecking will in der Kooperation mit Robert Klauß beim Club etwas bewirken.“ Dritter im Bunde dieser ambitionierten Clubs ist der FC St. Pauli, wobei die starke Rückrunde besonders imponiert habe. Zwar hätten die Hamburger auch Abgänge starker Akteure wie Rodrigo Zalazar (zurück nach Frankfurt) und Omar Marmoush (zurück nach Wolfsburg) zu verkraften, doch die Elf sei weitgehend zusammengeblieben, was ein Pluspunkt sein könnte. „Sie können an der Spitze ein Wörtchen mitreden.“

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