Leipzig und Dortmund abgesagt

4-Jahresvertrag für Osnabrücks Agu

Sehr begehrt war Felix Agu, er entschied sich für einen 4-Jahresvertrag bei Werder und sagte Leipzig und Dortmund ab. Dass der Verteidiger nicht längst in Bremen spielt, liegt an der Scouting-Abteilung.
24.01.2020, 17:08
Lesedauer: 4 Min
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4-Jahresvertrag für Osnabrücks Agu
Von Christoph Sonnenberg
4-Jahresvertrag für Osnabrücks Agu

Felix Agu wechselt im Sommer aus Osnabrück nach Bremen.

nordphoto / Paetzel

Nachrichten vom Transfermarkt gehören für alle Fußballfans zu den spannendsten. Egal wie absurd die Gerüchte auch sein mögen, die von überall auf der Welt nach Deutschland schwappen, keine Texte werden häufiger gelesen als die über vermeintliche Neuzugänge. Auch in Bremen warten die Fans ja, dass Frank Baumann liefert, um mit zusätzlicher Verstärkung möglichst schnell die tiefen Regionen der Tabelle zu verlassen.

Dass Baumann schon geliefert hat, zumindest einmal, ist ein wenig untergegangen. Es dürfte daran liegen, dass Felix Agu erst im Sommer vom VfL Osnabrück nach Bremen wechselt. Eine Hilfe im Abstiegskampf ist der Außenverteidiger also nicht. Trotzdem verdient der Transfer Beachtung, Werders Sportchef hat sich gegen nahezu alle großen Klubs der Bundesliga durchgesetzt bei der Verpflichtung. Das ist angesichts der arg beschränkten finanziellen Mittel und der aktuellen sportlichen Situation Werders keineswegs selbstverständlich.

Keine Ausstiegsklausel bei Abstieg

Offiziell verkündet hat Bremen die Verpflichtung des 20-Jährigen bisher noch nicht, das soll aber demnächst passieren. Da Agus Vertrag im Sommer ausläuft, kommt er ablösefrei. Nach Informationen des WESER-KURIER hat er einen 4-Jahresvertrag in Bremen unterschrieben.

Berichte, dass dieser Vertrag im Falle des Abstiegs seine Gültigkeit verliert, sind unzutreffend. Weder gibt es diese Klausel, noch war sie Gegenstand der Verhandlungen. Beide Parteien wollen und brauchen Planungssicherheit. Im Extremfall entscheidet sich Werders Ligazugehörigkeit der kommenden Saison erst am letzten Spieltag Mitte Mai – ein solches Szenario war keine Option, sagen sie im Klub.

Keine Rückmeldung von Tim Steidten

Eine grundsätzliche Einigung zwischen Werder und Agu besteht schon längere Zeit, auch wenn die Statuten Verhandlungen erst sechs Monate vor Ablauf des Vertrages erlauben. Theoretisch also hätte es frühestens ab dem 1. Januar 2020 Gespräche geben dürfen. Die Praxis sieht freilich anders aus, auch wenn kein Manager oder Berater das zugeben wird.

Dass Agu nicht schon längst für Werder spielt, haben sich die Bremer selbst zuzuschreiben. Bereits zu Drittligazeiten der Osnabrücker gab es die Möglichkeit eines Wechsels, doch die Bremer Scouting-Abteilung zögerte. Von Tim Steidten, damals noch Leiter der Abteilung, gab es lange Zeit keine Rückmeldung. Vergangenen Sommer wanderte Steidten nach Leverkusen ab. Erst danach, so ist es bei Werder zu hören, kam Bewegung in die Gespräche.

DFB-Debüt in der U21

Dass Agu letztlich in Bremen landete, lässt sich zum Teil mit den Scouting-Gewohnheiten vieler Klubs erklären. Große Vereine legen den Fokus häufig auf Spieler, die in den U-Mannschaften der Nationalteams auflaufen. Das war bei Agu lange Zeit nicht der Fall, deshalb bekam er weniger Beachtung. Im Jugendbereich nominierte ihn der DFB für keine Auswahl. Und selbst Experten, die Osnabrück intensiv beobachten, sind überrascht von der Entwicklung Agus.

Richtig Fahrt nahm sie erst diese Saison auf. Prompt kam eine Einladung von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz, nach gerade einmal fünf Zweitligaspielen. Viermal war Agu seitdem im Kader. Gegen Griechenland und Spanien, beides Freundschaftsspiele, kam er zum Einsatz. In der EM-Qualifikation gegen Belgien und Wales saß er nur auf der Bank.

Lernen von Gebre Selassie

Durch die Nominierung des DFB wurden plötzlich sehr viele Vereine auf ihn aufmerksam. Klubs aus England, den Niederlanden und Belgien meldeten sich bei Thomas Eichin, der für die Agentur Sam Sports die Interessen des Spielers vertritt. Aber auch aus der Bundesliga buhlten nahezu alle Vereine um das Talent. Eichin will das auf Nachfrage nicht kommentieren. Nach Informationen des WESER-KURIER lagen konkrete Angebote unter anderem aus Leipzig und Dortmund vor. Beide finanziell deutlich besser dotiert, also mit höherem Gehalt und üppigerem Handgeld. Doch Agu entschied sich für Werder.

Besser und üppiger wäre in beiden Klubs auch die Konkurrenzsituation auf den Positionen des Außenverteidigers. Auch die Möglichkeit, nach einem Kauf direkt an einen anderen Klub verliehen zu werden, hätte dort bestanden. Aber das passt nicht in die Karriere-Planung des Spielers.

In Bremen wird er nicht das meiste Geld verdienen, in Bremen hat er aber weitaus bessere Chancen, zum Einsatz zu kommen. Auf der rechten Außenbahn hat Theo Gebre Selassie zwar gerade seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, eine Alternative zum 33-Jährigen gibt es im Kader nicht. Michael Lang ist bis zum Saisonende aus Gladbach ausgeliehen und wird im Sommer dorthin zurückkehren. Agu könnte sich neben Gebre Selassie langsam an das Niveau der Bundesliga gewöhnen, um ihn langfristig zu ersetzen.

Entscheidung zwischen Werder und Freiburg

Lange im Rennen gewesen sein soll auch Freiburg. Am Ende war es wohl eine Entscheidung zwischen dem Sport Club und Werder. Ähnlich wie in Bremen gibt es auch dort einen Trainer, der auf junge Spieler setzt, sie ausbildet und besser macht. Auch dort hätte er spielen können, statt auf der Bank zu sitzen. Und Freiburg gilt wie Werder als guter Zwischenschritt auf dem Weg zu einem Top-Klub.

Das dürfte langfristig das Ziel sein, ein Top-Klub. Außenverteidiger werden immer gesucht, sie sind selten. Agu ist beidfüßig, was selten vorkommt. Tempo, Technik, Athletik – alle wichtigen Voraussetzungen für den modernen Fußball sind vorhanden. Er selbst beschrieb sich in einem Interview mit „ran„ kürzlich so: „Ich bin ein sehr offensivfreudiger Außenverteidiger, der vor allem über das Tempo kommt. Und ich gehe in jeden Zweikampf mit einhundert Prozent Einsatz.“

Nicht schön ist der Wechsel für Osnabrück. Dort ist Agu geboren, beim VfL wurde er ausgebildet, jetzt geht er ablösefrei. Eine wirtschaftliche Katastrophe für den finanziell angeschlagenen Traditionsverein.

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