Rückkehrer Füllkrug in der Analyse Ab durch die Mitte

Rückkehrer Niclas Füllkrug stand im Zillertal-Trainingslager besonders im Fokus. Zwar muss der Stürmer noch seinen Rhythmus finden, doch er deutete bereits an, wie er das Werder-Spiel bereichern könnte.
13.07.2019, 18:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Rommel und Christoph Bähr

In dieser einen Szene, da war zu sehen, wie Niclas Füllkrug das Werder-Spiel künftig bereichern könnte. Während des Testspiels gegen Darmstadt (1:1) brachte sich der Stürmer nach einer Flanke aus dem Halbfeld perfekt in Position und köpfte knapp über das Tor. Solche Aktionen waren bei Werder in der vergangenen Saison nur zu sehen, wenn Oldie Claudio Pizarro bei einem seiner Teilzeiteinsätze auf dem Platz stand. Jetzt hat Werder mit Füllkrug noch einen echten Zentrumsstürmer dazu bekommen. Der 26-Jährige muss zwar einiges aufholen, nachdem er fast die gesamte Rückrunde wegen eines Knorpelschadens im Knie verpasste, doch der Ex-Hannoveraner hat im Zillertal-Trainingslager seine Qualitäten zumindest schon angedeutet.

Füllkrug soll die Position des abgewanderten Max Kruse auf eine alternative Art ausfüllen, das wurde teilweise deutlich. Beim 1:0-Sieg gegen Tirol und beim 1:1 gegen Darmstadt wurde er jeweils eingewechselt und rückte ins Angriffszentrum. Mit Füllkrug, der gegen Tirol erstmals nach 2163 Tagen – damals im Sommer 2013 bei der Pokalpleite in Saarbrücken – das Werder-Trikot trug, veränderte sich das Spiel der Bremer. Der Neue zeigte sich nicht so häufig im Mittelfeld wie Yuya Osako, der in beiden Partien als zentraler Angreifer begonnen hatte. Füllkrug drehte stattdessen nach einem Zuspiel auf den Flügel im Übergangsdrittel in der Regel schnell ab in Richtung gegnerischer Strafraum. „Gegnerbindung“ ist dabei das entscheidende Schlagwort. Gegen Tirol ermöglichte Füllkrug beispielsweise Milot Rashica eine gute Chance, weil er im Strafraum zwei Gegenspieler auf sich zog und sein Teamkollege aus der Tiefe mit Tempo nach vorne stoßen konnte.

Typische Füllkrug-Szenen

Füllkrug hatte außerdem gute Szenen, wenn er den steil zugespielten Ball mit einem Kontakt auf einen Mitspieler weiterleitete. Eine noch bessere Figur machte der Angreifer, wenn er den Ball direkt in den Lauf eines Teamkollegen klatschen ließ. Das dürften die Füllkrug-Szenen sein, auf die sich die Werder-Fans einstellen können: klassische Steil-Klatsch-Kombinationen, ablegen und gehen, vielleicht auch mal nach einem hohen Zuspiel. Gegen Tirol bekam der 1,88 Meter große Füllkrug kaum hohe Bälle serviert, gegen Darmstadt war seine Qualität in Luftduellen immerhin schon zu sehen.

Auf Füllkrug wird derzeit ganz genau geachtet. Neben Benjamin Goller ist er bislang der einzige Zugang bei Werder. Ein echter Neuer ist Füllkrug, der schon von 2006 bis 2013 in Bremen spielte, aber gar nicht. „Ich kenne vieles noch. Das ist ein kleiner Vorteil“, sagt er. Wie Werder unter Florian Kohfeldt spielt, ist trotzdem komplett neu für ihn. Die Spielweise sei ganz anders als in Hannover, schildert Füllkrug. Da ist es logisch, dass bei ihm noch Anpassungsprobleme zu sehen sind. Einige Male fehlte es am Timing beim Anlaufen und Besetzen der Räume. Manchmal gönnt er sich laut Kohfeldt noch zu viele Ballkontakte.

Zudem wirkte Füllkrug nach seiner langen Verletzungspause besonders gegen Tirol anfangs etwas gehemmt. Das sah gegen Darmstadt aber schon anders aus. Gegen den Zweitligisten lernte Füllkrug darüber hinaus eine neue Rolle kennen, denn nach der Einwechslung von Claudio Pizarro rückte er auf den rechten Flügel. Dort agierte er ordentlich, doch seine eigentliche Position liegt im Sturmzentrum. Füllkrug charakterisiert sich selbst als „klassischen Zentrumsstürmer“ und als solchen hat Werder ihn auch geholt.

Ganz anders als Kruse

Vergleiche mit Max Kruse, der auf dem ganzen Platz zu finden war und das Sturmzentrum häufig verließ, sind daher fehl am Platze. „Das sind zwei komplett verschiedene Spielertypen“, unterstreicht Kevin Möhwald. Der Mittelfeldspieler kennt Füllkrug genau, spielte mit ihm schon in Nürnberg und in der U 20-Nationalmannschaft zusammen. Er ist überzeugt davon, dass Füllkrug dem Bremer Spiel guttut. „Wir haben jetzt noch einmal einen komplett neuen Stürmertypen im Kader, das gibt uns andere Möglichkeiten im Spiel. Er ist schnell, abschlussstark und wuchtig“, sagt Möhwald.

Werder hat mit Füllkrug nun einen Abnehmer für Flanken. Das könnte insbesondere Linksverteidiger Ludwig Augustinsson zugutekommen, der in der vergangenen Saison überdurchschnittlich oft flankte, aber dabei kaum Ertrag erzielte. Erst einmal sei jedoch wichtig, dass Füllkrug seinen Rhythmus finde, betont Kohfeldt. Dafür seien die Testspiele gut geeignet. Dass der Stürmer gegen Tirol und Darmstadt jeweils nicht über die volle Distanz zum Einsatz kam, hatte laut dem Werder-Coach übrigens nichts damit zu tun, dass noch Rücksicht auf den Knorpelschaden genommen werden muss. „Er kommt aus einer halbjährigen Verletzung. Da geht es um Belastungssteuerung“, betont Kohfeldt.

Die Frage nach dem körperlichen Zustand wird Füllkrug dennoch die ganze Saison über begleiten. Das weiß auch Möhwald, der sagt: „Das Wichtigste ist, dass er fit bleibt. Und wenn er fit bleibt, dann kann er eine absolute Bereicherung für unser Spiel werden.“ Insgesamt drei Knorpelschäden hatte Füllkrug schon. Er sei wieder voll belastbar, versichert der Stürmer. Seine ersten zwei Testspieleinsätze im Zillertal bestätigten diese Aussage. Bleibt zu hoffen, dass es so weitergeht.

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