Weserstadion Micoud, Schaaf, Lahm: Warum alle vom Pizarro-Abschied schwärmen

Es war nicht nur für Claudio Pizarro ein emotionaler Abend - auch viele der geladenen Fußball-Stars waren von der Atmosphäre beim Abschiedsspiel im Weserstadion beeindruckt.
25.09.2022, 13:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Erst wurden die Augen etwas feucht, dann kullerten die Tränen – und dann ließ es Claudio Pizarro einfach geschehen. „Das ist doch normal bei so einem Abschied, da wird man emotional. Es waren so viele Freunde da, meine Eltern, mein erster Trainer“, schwärmte der 43-Jährige am Samstagabend nach seinem bewegenden Abschiedsspiel im Weserstadion und musste vor allem eines loswerden: „Das war das perfekte Finale für mich. Das heute werde ich vermissen, aber es wird immer in meinem Herzen bleiben. Ich komme immer wieder gerne nach Bremen und bedanke mich bei den ganzen Leuten, den Fans, der Stadt, Werder Bremen, meinen Kollegen, meinen Freunden – danke an alle!“

Nicht nur bei Pizarro leuchteten die Augen. Seinen ehemaligen Teamkollegen ging es genauso. „Das war ein Hammer! Es ist so schön, dass ganz Bremen mit Claudio gefeiert hat. Das zeigt, was für eine besondere Stadt Bremen ist“, lobte Daniel Jensen, genauso wie Marko Marin: „Claudio so einen Abschied zu bereiten, war einfach super. Bremen ist einfach besonders. Ich kenne die Fans, deswegen hat es mich nicht gewundert.“ Und selbst ein Thomas Schaaf, der schon so viel erlebt hat und mit seinen 61 Jahren etwas nüchterner auf die Dinge schaut, präsentierte sich schwer beeindruckt:  „Es war wunderschön. Claudio hat gesehen, wie sehr ihn hier alle lieben und sich freuen, ihn zu sehen. Und es war schön für alle, noch mal zu erleben, dass so ein toller Spieler in Bremen war, der sich mit Herz, Leidenschaft und Liebe zum Fußball hier eingebracht hat. Das ist eine tolle Geschichte für beide Seiten.“

Die über 40.000 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion kamen voll auf ihre Kosten. Schon beim Aufwärmen der Mannschaften knisterte es gewaltig im weiten Rund. Als Claudio Pizarro gemeinsam mit Johan Micoud den Rasen betrat, da gab es auf den Rängen fast kein Halten mehr. Auch Ailton brachte die Menge mit kleinen Einlagen erneut auf Temperatur, Max Kruse erntete einen Jubelsturm nach dem anderen.

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Ich hatte so viel Gänsehaut.
Johan Micoud über die Atmosphäre im Weserstadion

Die vielleicht größten Werder-Stars in diesem Jahrhundert elektrisierten die Massen – und das ging auch an einem Micoud nicht spurlos vorüber: „Ich hatte so viel Gänsehaut!“ Der 49-Jährige bot dann gemeinsam mit den Werder-Legenden, Claudios Amigos und der Legenden-Auswahl des FC Bayern München auch sportlich eine tolle Show mit insgesamt 16 Toren, von denen Pizarro immerhin vier erzielte. Einmal verzichtete der Peruaner sogar auf einen Elfmeter, tauschte mit Bayern-Keeper Hans Jörg Butt die Rollen und parierte den zugegeben etwas locker geschossenen Strafstoß.

Es war ein großer Spaß, alle Partien endeten passenderweise unentschieden. Natürlich waren die Altersunterschiede nicht zu übersehen, auch beim Fitnesstand gab es eine große Spanne. „Ich habe mich gerne zurückgehalten“, schmunzelte Werders aktueller Torjäger Niclas Füllkrug. Auch Zlatko Junuzovic, der erst im Sommer seine Karriere beendet hatte, trat ein bisschen auf die Bremse: „Du kannst ja nicht andauernd hin- und hermarschieren. Aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Es war wie ein Klassentreffen – einfach cool.“

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So empfanden aber nicht nur die Bremer, sondern auch die Gäste aus München. „Es war einfach toll und ganz ungewohnt für uns, hier mal nicht ausgepfiffen zu werden“, sagte Philipp Lahm. Der ehemalige Bayern-Profi hatte auf einen Einsatz verzichtet: „Ich bin einfach nicht fit genug und habe mich nach meiner Karriere mehr verletzt als sonst. Deswegen bin ich vorsichtig geworden.“ So genoss der Weltmeister von 2014 die besondere Atmosphäre im Weserstadion von außen – und konnte nach dem Spiel miterleben, wie ein gewisser Jan Delay als Überraschungsgast für das Sahnehäubchen des Abends sorgte. Der Sänger gab im Mittelkreis ein Mini-Konzert, machte aus seinem Hit „Klar“ eine Pizarro-Version und gestand später: „Claudio ist mein aller-, aller-, allerliebster Werder-Spieler.“

Für den hatten sich die Veranstalter auch noch eine aufwendige Laser-Show ausgedacht. Spätestens jetzt zückte auch der letzte Zuschauer sein Handy, um ein Erinnerungsvideo zu machen. Vielleicht ist darauf dann auch zu sehen, wie Pizarro zum Abschied seine Fußballschuhe auszog und am Mittelkreis ablegte. Das war es für ihn, die weit über 20-jährige Karriere als Fußball-Profi vorbei. Ob er mit dieser Zeit zufrieden sei, wurde der Stürmerstar anschließend gefragt: „Ich bin happy! Alles richtig gemacht habe ich nicht. Ich habe auch viele Fehler gemacht. Fehler sind manchmal aber auch wichtig, weil du von ihnen lernst und du dann weitergehst. Wenn ich dem Claudio mit 20 Jahren etwas sagen muss, dann würde ich ihm sagen: Das hast du super gemacht, du hattest eine tolle Karriere, du bist ein guter Mensch, mach‘ weiter so.“

Ein besseres Schlusswort hätte es eigentlich nicht geben können. Doch es war ja erst der Anfang für eine lange Nacht – „Teil zwei meiner Fiesta“, grinste Pizarro und freute sich nicht nur auf die große Party im Parkhotel: „Viele werden zum ersten Mal peruanisches Essen bekommen, ich bin gespannt, wie das ankommt.“  Es soll sehr gut geschmeckt haben – und dann auch kräftig abgefeiert worden sein. 

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