Franzose ist nicht abgeneigt Ailton regt Abschiedsspiel für Werder-Legende Micoud an

Ein Geistesblitz vom Kugelblitz: Noch ganz von der Atmosphäre des Abschiedsspiels für Claudio Pizarro gefangen, regte Ailton solch ein Spektakel auch für eine weitere Werder-Legende an.
26.09.2022, 12:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger

Das Adrenalin strömte noch durch den Körper, da hatte Ailton plötzlich einen Geistesblitz. Einen etwas verwegenen zwar, aber er fand sichtlich Gefallen daran. Und deshalb blickte der inzwischen 49-Jährige kurz nach dem großen Fußballfest für seinen einstigen Sturmpartner Claudio Pizarro tief in die Kamera unserer Deichstube und forderte lachend: „Bitte Johan, mach auch dein Abschiedsspiel in Bremen.“ Gemeint war natürlich Johan Micoud, die große Bremer Mittelfeld-Legende, die auch dieses Mal wieder die Werder-Fans verzückte. Mit dem Ball am Fuß. Aber in erster Linie durch sein bloßes Erscheinen. Wer so etwas schafft, hat eigentlich auch mehr verdient. „Ich denke, das ist eine tolle Idee“, feixte Ailton. „Ich spreche nochmal mit ihm.“

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Zumindest auf dem Weg zwischen Dusche und anschließender Pizarro-Party im Bremer Parkhotel hatte der eine Double-Sieger von 2004 den anderen noch nicht in seine Pläne eingeweiht. Denn als ein blendend aufgelegter Johan Micoud schließlich mit seiner Frau am Bürgerpark eintraf, reagierte er etwas überrascht auf den Vorschlag, versprach dann aber im Gespräch mit unserer Deichstube: „Ich werde darüber nachdenken.“ Und das war trotz eines verschmitzten Lächelns nicht nur so daher gesagt. „Wenn ich jemals ein Abschiedsspiel mache“, betonte Micoud, „dann würde es auf jeden Fall hier in Bremen sein. Es war so wunderschön heute. Mit den Lichtern am Ende, der Musik.“ Und natürlich hatte Werders ehemaliger Regisseur wieder einen bewegenden Empfang erlebt. „Es ist wie immer eine große Freude zurückzukommen“, sagte der Franzose. „Du erinnerst dich sofort an all das, was war und was du mit den Fans geteilt hast.“ Und diese singen noch immer seinen Namen auf die Melodie des Beatles-Klassikers „Hey Jude“. „Davon bekomme ich eine Gänsehaut“, gestand Johan Micoud bewegt.

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Nun hat das Weserstadion bereits drei große Abschiedsspiele in der jüngeren Vergangenheit erlebt. Vor Claudio Pizarro hatten schon Ailton und Torsten Frings spektakuläre Fußballfeste mit prominenten Gästen gefeiert. Könnte Micoud aus dem Trio nun also tatsächlich ein Quartett machen? „Wir haben jetzt nichts in Planung“, erklärte Frank Baumann am roten Teppich des Parkhotels auf Nachfrage. Werders Sportchef war bei allen drei Veranstaltungen hautnah dabei, stand auch jetzt beim Pizarro-Ausklang auf dem Platz. Trotzdem wies er darauf hin, Abschiedsspiele nicht inflationär anzusetzen. „Ich finde, dass man das jetzt nicht jedes Jahr machen sollte“, erklärte er. „Ich fand, dass alle drei Spiele sehr gelungen waren, mit großer Begeisterung und einem würdigen Rahmen. Da muss man jetzt mal in Ruhe überlegen.“ Und Baumann schob hinterher: „Vor allem muss es ja auch der Spieler wollen.“

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Glaubt man den Worten von Johan Micoud, der in seiner Heimat inzwischen als Experte für den TV-Ableger der täglichen Sportzeitung „L’Equipe“ arbeitet, dann dürfte dieses Problem kein allzu großes sein – abgesehen von der Fitness vielleicht. Schließlich musste der inzwischen 49-Jährige auch dieses Mal vorzeitig wegen Wadenproblemen vom Feld. Micouds früherer Trainer bei Werder, Thomas Schaaf, sieht derweil die Chancen schwinden, dass es noch viele begeisternde Abschiedsspiele wie das jetzige von Claudio Pizarro gibt. „Die Zeit zeigt uns, dass es immer weniger Spieler gibt, die länger bei einem Club sind. Claudio hat insgesamt fast zehn Jahre hier gespielt. Wo gibt es das noch?“, fragte der Meistercoach. „Heute wird ein Kader nach drei Jahren fast komplett gedreht. Deshalb stellt sich die Frage: Entwickelt sich da so eine hohe Identifikation? Es wird eher schwierig werden. Wenn man auch die Abende mit Ailton und Torsten Frings sieht, ist das wirklich schade.“

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Es ist ein Dilemma, das in veränderter Form auch ein Stück weit Naldo nachempfinden kann. Der brasilianische Verteidiger hat seine Karriere inzwischen beendet, einen finalen Schlussakt hat der schussgewaltige Ex-Bremer aber noch nicht hingelegt. Auch weil der mittlerweile 40-Jährige nicht nur an der Weser Spuren hinterlassen hat. Auch beim FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg war er erfolgreich. „Ich muss mir das mal überlegen“, sagte er auf Nachfrage. „Wenn ich es hier mache, dann sind sie in Wolfsburg und auf Schalke sauer. Vielleicht mache ich in jedem Stadion ein Abschiedsspiel.“ Das wäre dann vielleicht zu viel des Guten, war von Naldo aber ohnehin mit einem Augenzwinkern gemeint. 

Also dann doch erst mal eine Micoud-Gala? Nicht nur Ailton würde sich darüber ziemlich freuen. Viele Werder-Fans ebenso. Und „Le Chef“ machte den Anhängern vor dem Abschied aus Bremen ein wenig Hoffnung. „Also“, sagte er winkend, „vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr.“

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