53 Zusagen für Abschiedsspiel

Ailton stellt seine Gäste vor

Bremen. 53 Zusagen liegen Ailton vor. Aus 22 Ländern kommen Freunde, Weggefährten, Ex- und aktuelle Profis, um am 6. September Ailtons Abschied im Weserstadion zu feiern. Ailton stellt seine Weltauswahl vor.
15.04.2014, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Ailton stellt seine Gäste vor
Von Marc Hagedorn
Ailton stellt seine Gäste vor

Aus der ganzen Welt reisen Ailtons Kumpels nach Bremen an.

Kuhaupt, Montage Schulze

53 Zusagen liegen Ailton vor. Aus 22 Ländern kommen Freunde, Weggefährten, Ex- und aktuelle Profis, um am 6. September Ailtons Abschied im Weserstadion zu feiern. Bei einem Redaktionsbesuch plauderte Ailton über seine Weltauswahl.

Ailton hat nicht viel Zeit. Termine, Termine, Termine. Er muss noch zum Anwalt und dann will sein Vermarkter noch etwas von ihm wissen, und die Redaktion möchte noch ein Video davon drehen, wie Ailton am Tischkicker spielt. Am Nachmittag schließlich geht es per Flieger nach München. Die Bayern spielen in der Champions League. Da will Ailton dabei sein. Jetzt, in der Woche vor Ostern, ist er in Mexiko; nach Brasilien und Deutschland seine dritte Heimat. Ein paar Tausend Flugkilometer kommen bei Ailton pro Jahr zusammen. Ein paar Tausend Flugkilometer und ein paar Tausend Länderspiele summieren sich wegen Ailton, wenn am 6. September im Weserstadion Werders Double-Sieger-Mannschaft auf Tonis Weltauswahl trifft. Mit 40 000 Bremern will Ailton dann das Ende seiner Karriere feiern.

Óscar Córdoba

Mit den 21 Klubs, für die Ailton in seiner Karriere gespielt hat, kann Óscar Córdoba nicht mithalten – aber fast. Immerhin auf zwölf Arbeitgeber in vier Ländern bringt es der Torwart, über den Ailton sagt: „Er ist eine Legende in Kolumbien.“ In Istanbul bei Besiktas haben Ailton und Córdoba zusammengespielt; einen „Elfmetertöter mit einem tollen Fuß“, nennt Ailton ihn. Noch mehr als in seinem Heimatland wird Córdoba nur von den Fans der Boca Juniors verehrt. Zweimal gewann der 44-Jährige mit den Argentiniern die Copa Libertadores, das südamerikanische Gegenstück zur europäischen Champions League.

Levan Kobiashvili

Der heutige Hertha-Profi war auf Schalke Teamkollege von Ailton, „ein Simpatico“, wie Ailton sagt. Und obendrein ein Fußballer, der Ailton einiges voraushat, nämlich: Länderspieleinsätze. Während es Ailton nie bis in die Seleção, also die brasilianische Nationalmannschaft schaffte, bringt es Kobiashvili auf exakt 100 Länderspiele. „Für Georgien“, sagt Ailton. Er meint das nicht abwertend, im Gegenteil: „Es ist für jeden Fußballer eine Auszeichnung, für sein Heimatland spielen zu dürfen.“ Nur hätte Ailton eben selbst gern für sein Land gespielt. „Aber da waren Romario, Adriano, Ronaldo, Elber“, sagt Ailton und meint mit Blick auf den aktuell weniger üppig besetzten Sturm des WM-Gastgebers: „Heute würde Ailton spielen.“

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Naldo

Als Naldo zu Werder kam, war Ailton schon weg. Trotzdem kennen und verstehen sich beide sehr gut. Beim Abschiedsspiel von Torsten Frings im vergangenen September nahm Ailton Naldo das Versprechen ab, auch bei seinem, also Ailtons, Abschied dabei zu sein. „Der Weg aus Wolfsburg ist ja nicht weit“, sagt Ailton – der nur ein Problem mit Naldo hat: „Ich brauche Abwehrspieler, aber Naldo muss man permanent sagen, dass er hinten bleiben soll.“

Júlio César

„Er ist der Mensch, der mir privat in Deutschland am meisten geholfen hat“, sagt Ailton über den heute 51-jährigen César. Der elegante Abwehrspieler befand sich im Herbst seiner Karriere, als Ailton zu Werder kam. „Was ich in Bremen erreicht habe, verdanke ich ihm.“ Und als Fußballer hat er sich auch etwas abgeschaut. Wie später Ailton galt auch Júlio César nicht als Laufwunder. „Man muss Wege verkürzen und nur die richtigen nehmen“, sagt Ailton, „und darin war Júlio mein Meister.“

Sergej Barbarez

„Er war einer der intelligentesten Spieler, mit denen ich je in einer Mannschaft gestanden habe“, sagt Ailton. Beim HSV bildeten sie ein Duo. „Und wenn ich mich nicht so schwer am Kiefer verletzt hätte, dann hätte ich noch viel, viel mehr Tore für den HSV gemacht“, sagt Ailton. So waren es am Ende nur drei. „Dabei war Sergej vom Typ her mein Ivan Klasnic vom HSV.“

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Krassimir Balakow

Nicht als Teamkollegen, sondern als Trainer und Spieler begegneten sich der frühere bulgarische Star-Spielmacher und Ailton bei den Grasshoppers in Zürich. Für Balakow war es die erste Station als Cheftrainer. Bei Ailton hat der damalige Neuling bleibenden Eindruck hinterlassen. „Ein super Trainer“, sagt er. Warum? „Weil er Ailton verstanden hat wie nur wenige Trainer. Er hat ein Spielsystem für mich erdacht, er wusste, wie er Ailton einstellen muss.“ Ailton dankte es mit zehn Toren in nur einer Halbserie.

Paulo Sérgio

Sie kennen sich von diversen Benefizspielen, in der Bundesliga waren sie stets Gegner. Paulo Sérgio spielte für den FC Bayern und Bayer Leverkusen, Ailton für Werder, Schalke und den HSV. Was sie verbindet, ist ihr Glaube. Paulo Sérgio war in München und Leverkusen festes Mitglied des dortigen Bibelkreises. „Paulo ist evangelisch, ich bin katholisch“, sagt Ailton, „aber Gott spielt in meinem Leben genauso eine wichtige Rolle wie für Paulo.“

Marcelinho

65 Bundesligatore für Hertha, darunter eines aus fast 50 Metern, blond gefärbte Haare, Hackentricks und Zauberfreistöße – Marcelinho war mindestens so sehr Paradiesvogel wie Ailton. „Ein großartiger Mensch“, sagt Ailton über den heute 38-jährigen Marcelinho, der zuletzt für den Drittligisten Gremio Barueri spielte. Marcelinho kommt wie Ailton aus dem Bundesstaat Paraiba, sie wuchsen nur 35 Autominuten entfernt voneinander auf.

Luis Hernández

Bis heute gibt es eigentlich nur eine offene Frage: Wer war bei den Tigres denn nun der bessere Torjäger? Hernández oder Ailton? Ein Jahr lang spielten sie im mexikanischen Monterrey zusammen, der blonde Nationalheld des Landes und der Kugelblitz aus Brasilien. Die Statistik weist Hernández als deutlich erfolgreicher aus. „Er war damals so bedeutend für Mexiko wie Lothar Matthäus für Deutschland“, sagt Ailton und behauptet trotzig: „Der bessere Torjäger war ich.“ Dabei muss er aber selbst lachen.

Claudio Pizarro

Als „Pizza-Toni“ gingen sie in die Werder-Geschichte ein. Logisch, dass Claudio Pizarro beim Ailton-Abschied nicht fehlen darf. „Es gibt nicht viele, die so gut sind wie er“, sagt Ailton, „er hat so viel Leidenschaft, so viel Herz, dass er wahrscheinlich nie aufhört, Fußball zu spielen. Es sei denn, die Kondition lässt irgendwann nach.“ Damit aber rechnet Ailton frühestens in „zwei, drei Jahren“.

Ebbe Sand

„Als Ailton nach Schalke kam, dachten alle: Jetzt gibt’s Stress mit Ebbe Sand“, erzählt Ailton. Und was war? „Kein Stress, keine Konflikte.“ Am Ende hatte Ailton 14 Tore geschossen, der Schalker Fan-Liebling Sand acht. „Ailton war stark mit dem Fuß, Ebbe mit dem Kopf“, sagt Ailton. Die Vizemeisterschaft war schließlich der Lohn nach der einzigen gemeinsamen Saison.

Die Sonderseite zu Ailtons Abschiedsspiel finden Sie unter www.weser-kurier.de/ailton-abschied

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