1. FC Saarbrücken - Werder 3:1 n.V.

Albtraum DFB-Pokal

Saarbrücken. Zum dritten Mal in Folge ist Werder in der ersten DFB-Pokalrunde gegen einen Drittligisten gescheitert. Beim 1. FC Saarbrücken offenbarten die Bremer eine Woche vor dem Bundesliga-Start eklatante Schwächen in allen Mannschaftsteilen.
05.08.2013, 05:00
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Albtraum DFB-Pokal
Von Thorsten Waterkamp
Albtraum DFB-Pokal

Vergab die Riesenchance zum möglichen 2:1 für Werder: Marko Arnautovic, der sich hinterher nur ärgern konnte.

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Saarbrücken. Sie hätten es besser bei dem altbekannten Sprichwort belassen. Doch Werders Fans waren vor dem DFB-Pokalspiel am Sonntag beim 1. FC Saarbrücken grundoptimistisch: "Alle fünf Jahre ist Bremer Recht", hatten sie auf ein Banner gepinselt und damit auf jene Serie angespielt, die Werders Rhythmus der Pokalsiege 1994, 1999, 2004 und 2009 wiedergab.

Sollte heißen: 2014, also in dieser Saison, wäre wieder ein Triumph in Berlin fällig. 120 Minuten später war der Traum erneut zum Albtraum geworden: 1:3 (1:2, 1:1, 1:0) unterlag der Bundesligist, das dritte Erstrunden-Aus bei einem Drittligisten nach Münster 2012 und Heidenheim 2011. Dreimal ist Bremer Recht – auch in der Pleite.

Das Erschreckende an der Niederlage war dabei weniger die Tatsache der neuerlichen Erstrunden-Blamage als vielmehr ihre Art und Weise. Denn sie war hochverdient und ging einher mit einer erschreckend schwachen Leistung, die sich durch alle Mannschaftsteile zog. "Das ist eine Katastrophe", urteilte Zlatko Junuzovic, "von vorne bis hinten hat nichts gepasst." Gar eine "Tragödie" war es für Torwart Sebastian Mielitz, der mit drei Paraden (72./78./90.+1) seine Mannschaft überhaupt erst in die Verlängerung gerettet hatte.

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So musste der 1. FC Saarbrücken eben über 120 Minuten zur Pokalüberraschung gehen: Nils Fischer (45.), Tim Stegerer (105.) und Marcel Ziemer (112.) trafen für die Gastgeber, während Sebastian Prödl in der stärksten Bremer Phase kurz nach der Pause ausglich (59.). Das grün-weiße Strohfeuer währte jedoch nur gut 20 Minuten – viel zu wenig, um sich gegen die aggressiveren und sicherer spielenden Saarbrücker behaupten zu können.

Der Außenseiter war zunächst abwartend ins Spiel gestartet. Werder behauptete in dieser Anfangsphase den Ball, ohne Nutzen daraus schlagen zu können. Dann aber erodierte das Bremer Übergewicht, Stück für Stück mit jedem Saarbrücker Angriff. Trainer Robin Dutt sah die frühe Wende, die schließlich den ganzen Spielverlauf bestimmen sollte, so: "Da kommt der erste Konter – okay. Dann kommt der zweite Konter – und auf einmal merkst du: Da wächst die Brust bei ihnen."

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Im Gegenzug verlor Werder komplett die Kontrolle über das Spiel, gab das Mittelfeld preis, verlor wichtige Zweikämpfe im Minutentakt und offenbarte eklatante Abstimmungsprobleme in der Hintermannschaft. "Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn wir noch mehr Tore bekommen hätten", erkannte Cedrick Makiadi. Eigene Chancen gab es vor der Pause mit Ausnahme eines zu hoch angesetzten Distanzschusses von Mehmet Ekici nicht (39.).

Erst mit der Einwechslung von Marko Arnautovic, der nach der Pause für den wirkungslosen Elia-Ersatz Niclas Füllkrug kam, änderte sich das Bild. Der Österreicher setzte kurzzeitig Akzente auf der linken Seite, dazu stand das gesamte Mittelfeld besser. Die Saarbrücker, die in der 3. Liga noch vor einer Woche gegen den Aufsteiger Holstein Kiel mit 1:5 unter die Räder gekommen waren, gerieten ins Schwimmen, kassierten den Ausgleich – und fielen dennoch nicht. Wieder, wie schon im ersten Abschnitt, reichte ihnen ein einfaches Rezept, um Werder von einer Verlegenheit in die nächste zu stürzen. Ein langer Ball in die Spitze, und schon war der Gast entblößt. Wieder. Und immer wieder.

Als die Verlängerung begann, blieb Werder kaum mehr als Hoffnung. "Wir machen uns selbst das Leben schwer", stöhnte in der kurzen Pause vor dem Wiederanpfiff Profifußball-Direktor Frank Baumann, 2006 als Mannschaftskapitän selbst an der Pokal-Blamage von Pirmasens beteiligt. "Vielleicht", orakelte Baumann, "haben wir ja jetzt auch etwas Glück." Sein Flehen blieb unerhört – es passierte genau das Gegenteil. Als der eingewechselte Saarbrücker Tim Stegerer aus 20 Metern abzog, fälschte Clemens Fritz den Ball unhaltbar für Schlussmann Mielitz ab. Die Katastrophe von Saarbrücken brach sich ihre Bahn.

Eine Woche vor dem Bundesliga-Start steht Werder nun vor einem Berg von Problemen. "Psychologische Arbeit" müsse er leisten, überlegte Dutt, "technische und taktische Arbeit" auch. Die Reparaturarbeiten beginnen bereits heute: Der trainingsfreie Tag ist gestrichen – auf dem Dienstplan stehen eine ausgiebige Videoanalyse und eine Übungseinheit am Nachmittag.

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