Werder Bremen Allen Widrigkeiten zum Trotz

Das Verletzungspech verfolgt Werder Bremen auch in der Rückrunde – doch es hindert das Team nicht mehr daran, Erfolg zu haben.
03.04.2017, 00:00
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Allen Widrigkeiten zum Trotz
Von Nikolai Fritzsche

Das Verletzungspech verfolgt Werder Bremen auch in der Rückrunde – doch es hindert das Team nicht mehr daran, Erfolg zu haben.

Es ist eine ganze Menge schiefgelaufen für Werder in dieser Saison. Los ging es schon vor dem Bundesligastart: Da war es Werder tatsächlich gelungen, den Ausnahmekönner Max Kruse zu verpflichten – und dann verletzte er sich gleich im ersten Spiel, der DFB-Pokal-Partie bei den Sportfreunden Lotte, am Knie. Sein erstes Bundesligaspiel für Werder machte er erst am 20. November.

Da war Luca Caldirola nach einem Jahr in Darmstadt mit neuem Selbstvertrauen zu Werder zurückgekehrt – und dann verletzte er sich am zweiten Spieltag so schwer am Knöchel, dass er sieben Monate lang kein Spiel bestreiten konnte.

Da hatte Werder sich entschieden, weiter mit Trainer Viktor Skripnik zusammenzuarbeiten – und dann sah Sportchef Frank Baumann sich schon nach drei Spieltagen gezwungen, ihn zu entlassen.

Startformation änderte sich häufig

Die Liste lässt sich noch eine ganze Weile fortsetzen: Die Beschwerden, die Angreifer Claudio Pizarro in der gesamten Saison noch nicht haben in Tritt kommen lassen. Die mannigfaltigen Verletzungen der wichtigen Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede und Florian Grillitsch. Die wiederkehrenden Probleme von Torhüter Jaroslav Drobny. Der Kreuzbandriss von Izet Hajrovic.

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Infolge der Verletzungen änderte die Startformation sich häufig, Trainer Alexander Nouri konnte keine richtige Stammelf formen. Das Team sammelte in der Hinrunde nur 16 Punkte, so dass es sich nicht aus der Abstiegszone befreien konnte und Nouri früh in die Kritik geriet. Als Werder nach der Winterpause einige erwartbare Niederlagen kassierte (und eine unerwartete gegen den FC Augsburg), zählte die Öffentlichkeit Nouri an.

Sechs Spieltage später hat Werder seine Punktzahl auf 32 verdoppelt und steht auf Platz 12, so weit oben wie noch nie in der laufenden Saison. Wie ist es dazu gekommen?

Verletzungspech verfolgt Werder immer noch

Jedenfalls nicht dadurch, dass plötzlich nichts mehr schief läuft bei Werder. Für Kapitän Clemens Fritz ist die Saison seit einigen Wochen beendet, Philipp Bargfrede fällt noch mindestens bis Ostern aus. Serge Gnabry fehlt Werder seit drei Spieltagen, auch Thomas Delaney hat verletzungsbedingt zwei Spiele verpasst. Nun fehlt Robert Bauer mehrere Wochen, Lamine Sané gegen Schalke und in Frankfurt.

Das Verletzungspech verfolgt Werder immer noch. Der Unterschied ist: Es hat keinen Einfluss mehr auf die Ergebnisse. In Freiburg waren fünf Stammkräfte nicht dabei, doch Werder schien nichts zu fehlen. Im Spiel gegen RB Leipzig hatte in Gnabry und Kruse sogar der gesamte Stamm-Angriff. In Abwesenheit der beiden besten Torschützen trafen beim 3:0-Sieg Spieler, die lange nicht (Zlatko Junuzovic, Grillitsch) oder überhaupt noch nicht (Florian Kainz) für Werder getroffen hatten.

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Dass es Werder gelingt, namhafte Ausfälle zu kompensieren, liegt auch am – vor allem im Mittelfeld – gut besetzten Kader. Je mehr Spiele Werder trotz verletzungsbedingter Ausfälle gewinnt, desto mehr verfestigt sich aber auch der Eindruck: Das Trainerteam um den oft kritisierten Nouri macht eine ganze Menge richtig. Seit seinem Amtsantritt redet Nouri von den Werten, die seiner Arbeit zugrunde lägen.

Ergänzungsspieler fügen sich meist gut ein

In Freiburg sagte er es so: „Für uns ist diese Mentalität extrem wichtig: auf dem Platz füreinander da zu sein, uns das gegenseitige Vertrauen auf dem Feld zu erarbeiten.“ Das klingt für manchen etwas abgehoben, doch offenbar erreicht Nouri mit seiner Herangehensweise, dass Ergänzungsspieler ihre Rolle annehmen – und sich meist gut einfügen, wenn sie zum Einsatz kommen.

„Unsere größte Stärke ist das Team“, sagt Thomas Delaney. Sportchef Frank Baumann sagt: „Jeder im Team hat Vertrauen in alle Kollegen. Das hilft uns, uns durch die Rückschläge, von denen wir über die gesamte Saison schon viele gehabt haben, nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.“ Nouri sagte nach dem Spiel in Freiburg: „Wir mussten Zladdi ersetzen, dann fällt Lamine kurzfristig aus, dann Robert im Spiel. Solche Ausfälle kann man nur mit einer großartigen Teamleistung auffangen.“ Auf die Frage, ob er überrascht gewesen sei, wie wenig es der Mannschaft auszumachen schien, dass mehrere Leistungsträger fehlten, sagte Nouri: „Es hat mich nicht gewundert. Aber es hat mich gefreut.“

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Der Trainer kann sich bestätigt fühlen. Nicht nur wegen der Punkte, die Werder gesammelt hat. Sondern weil Nouri und das Team sich in Sachen Einstellung und Spielaufbau eine Konstanz erarbeitet haben – die auch dann trägt, wenn personelle Konstanz nicht möglich ist.

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