Neuer Vertrag bereits unterzeichnet Alles klar mit Kohfeldt

Florian Kohfeldt ist es gelungen, Werder in kurzer Zeit sehr viel besser zu machen. Folgerichtig ist intern bereits klar, dass Kohfeldt über die Hinrunde hinaus im Amt bleiben soll.
10.12.2017, 19:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Sonnenberg und Stefan Rommel

Im Fußball, das weiß jeder, der sich dafür interessiert, dreht sich die Welt ein kleines bisschen schneller als im realen Leben. Warum also sollte Frank Baumann nicht schnellstens Florian Kohfeldt zum Dauer-Chef-Trainer befördern? Jetzt, wo es so gut läuft. Drei Siege aus den jüngsten vier Spielen sind eine Bilanz, die selbst für Spitzenklubs reichen könnte.

Aber auf schnell, schnell hat Frank Baumann keine Lust. Es gäbe keinen Grund, den Fahrplan zu verändern, sagt Baumann. Und der sieht vor, erst nach dem Pokalspiel gegen Freiburg am 20. Dezember Bilanz zu ziehen und eine Entscheidung zu treffen. Alles ganz entspannt. Der Verein hat in der Trainerfindungsphase mitunter einen getriebenen Eindruck gemacht, nicht immer voll und ganz Herr der Lage. Vermutlich will sich Baumann nun bewusst nicht treiben lassen. Und es gibt auch keinen Grund, denn eigentlich steht bereits alles fest.

Nach Informationen von MEIN WERDER haben Klub und Trainer bereits einen langfristigen Vertrag unterzeichnet. Die Bedingungen einer weiteren Zusammenarbeit im neuen Jahr sind also längst ausgehandelt. Enthalten ist eine Klausel, der zufolge bis zum 31. Dezember nur entschieden werden muss, ob Kohfeldt Profi-Trainer bleibt oder zurück zur U 23 muss. Und diese Entscheidung dürfte intern trotz aller Zurückhaltung längst gefallen sein. Gründe dafür gibt es schließlich reichlich.

Die neue Variabilität im Bremer Spiel

Kohfeldt orientiert sich mit seiner taktischen Grundordnung und Ausrichtung sehr am Gegner, unterdrückt dabei aber nicht die Stärken der eigenen Mannschaft. Sein Vorgänger Alexander Nouri war in seinem Vorgehen deutlich weniger flexibel. Werders Spiel ist nun energischer, intensiver und leidenschaftlicher. „Wir haben eine klare Vorstellung, wie wir es angehen wollen“, sagte Maximilian Eggestein nach dem Erfolg in Dortmund. Die Mannschaft übernimmt selbst die Initiative, statt nur zu reagieren. Deutlich bessere Laufwerte sind dafür kein Beweis, aber ein Indiz.

Werder hat sich noch in weiteren Bereichen entscheidend verbessert. Das Nach-vorne-Verteidigen funktioniert wieder. Der Gegner wird dadurch weiter vom Tor weggehalten und so gibt es kaum längere Druckphasen zu überstehen. Das Offensivspiel wird über Umschalten definiert, aber eben nicht nur. Das Positionsspiel wird besser, die Qualität der Torchancen auch und so letztlich die Effizienz. Kohfeldts wichtigster Verdienst aber ist, dass es wieder so etwas wie eine Balance aus Defensiv- und Offensivspiel gibt. Kohfeldt arbeitet nicht einen Themenkomplex nach dem nächsten ab, sondern hat in kurzer Zeit auf mehreren Ebenen Fortschritte erzielt. Das ist stabil, bringt Punkte und es macht wieder Spaß, Werders Spiele anzuschauen.

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Max Kruse ist das Paradebeispiel der individuellen Entwicklung unter Kohfeldt. Ihm die Freiheiten wieder zu geben, dass er in der Offensive kurz gesagt machen kann, was er will, war richtig. Maximilian Eggestein kommt auf der Position des Achters mit seinen Fähigkeiten besser zur Entfaltung als auf der Sechs, wo er das Spiel aufbauen soll, was ihm aber nicht so liegt. Gebre Selassie darf sich wieder verstärkt in die Offensive einschalten, wo er eher seine Stärken hat als in der Defensive. Niklas Moisander macht einen besseren Eindruck. Kohfeldt scheint seine erste Elf gefunden zu haben, zumindest ein starkes Gerüst.

Vorbereitung auf Spiele und Umstellungen im Spiel.

In seinen bisher fünf Spielen hat Kohfeldt gegen verschiedene Trainer-Typen gecoacht, dabei entstand nicht der Eindruck, dass er von irgendetwas überrascht wurde. Die Mannschaft erscheint sehr gut vorbereitet auf das, was beim jeweiligen Gegner kommen könnte. So war es auch in Dortmund. „Man hat gesehen, dass wir auf verschiedene Sachen reagieren konnten“, beschreibt es Eggestein. Auf Aktionen des Gegners erfolgte bisher oft eine angemessene Gegenreaktion, ein Dogma ist das bei Kohfeldt aber nicht. Er findet bisher einen guten Mittelweg zwischen notwendigen Umstellungen, Spielerwechseln und Aktionismus. Die Sache steht über allem, das kann dann auch so enden wie bei Florian Kainz‘ Auswechslung gegen Dortmund. Nach 33 Minuten für den verletzten Fin Bartels eingewechselt, musste Kainz in der 84. Minute wieder runter. „Ich weiß, wie das nach außen wirkt. Vor allem, wie das für den Spieler wirkt“, sagte Kohfeldt nach Spielschluss. Dennoch reagierte er. „Es war ein Wechsel, um noch einmal einen neuen Impuls zu setzen, um das Ding dann über die Zeit zu bringen. Am Ende geht es darum, Spiele zu gewinnen.“

Natürlich gibt es ein paar Aspekte, die Kohfeldt den Start erleichtert haben. Wie seine Vorgänger hatte er den Vorteil, eine bleierne Zeit auflösen zu können. Dadurch konnte er Spieler entfesseln, einen neuen Geist fördern, authentisch auftreten, erfrischend und anders sein. So war es zu Beginn auch bei Skripnik und Nouri, bis sich ein Trott entwickelte und diese Entwicklung in der Sackgasse endete. Kohfeldt könnte in der Lage sein, negative Strömungen schneller zu erkennen und dank seiner Rhetorik und Eloquenz diese anders und besser zu moderieren. Erst ein Tief wird wohl zeigen, wie Kohfeldts Krisenmanagement funktioniert. Aber davon ist Werder dank Kohfeldt derzeit ja doch etwas weiter entfernt.

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