Werder Bremen Allofs bringt Ignjovski zum Training mit

Bremen. Um 13.46 Uhr war es endlich soweit. „Wir haben den Vertrag gemacht und die letzten Details geklärt“, sagt Klaus Allofs. Soll heißen: Aleksandar Ignjovski ist seit Donnerstag, 13.46 Uhr, ein Werderaner. Das Warten hat ein Ende.
04.08.2011, 21:43
Lesedauer: 3 Min
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Allofs bringt Ignjovski zum Training mit
Von Tobias Dohr

Bremen. Um 13.46 Uhr war es endlich soweit. „Die letzte Information, die ich noch gebraucht habe“, verriet Klaus Allofs, war um 14 Minuten vor Zwei schließlich doch noch eingetroffen. Was genau das für eine Information war, wollte der Werder-Chef zwar nicht verraten, wohl aber, was für Konsequenzen damit einhergingen: „Wir haben den Vertrag gemacht und die letzten Details geklärt“, sagte Allofs. Soll heißen: Aleksandar Ignjovski ist seit gestern, 13.46 Uhr, ein Werderaner.

Um 15.29 Uhr, eine Minute vor Trainingsbeginn, als der Rest der Mannschaft gerade zum Warmlaufen gestartet war, da war Allofs mit Ignjovski auf den Platz gekommen – zur großen Überraschung der Medienvertreter. Denn nicht einmal zwei Stunden zuvor hatte der Werder-Chef in der obligatorischen Pressekonferenz noch folgendes gesagt: „Das Problem bei Werder und im Umfeld war zuletzt ja häufig, dass im falschen Moment geredet wurde. Ganz besonders in dieser Personalie war das der Fall. Da geistert ja einiges durch die Medien. Wir können das aber nicht beschleunigen, nur weil dort (im Umfeld von Aleksandar Ignjovski, d. Red.) eine gewisse Unruhe herrscht. Wir wollen diesen Spieler aber natürlich trotzdem haben und werden uns auch weiterhin um ihn bemühen.“ Zwei Stunden nach diesen Aussagen stand Ignjovski auf dem Platz.

Viel ist über den 20-jährigen Serben in den vergangenen Wochen geredet worden, doch erkannt haben den Neuen gestern nur die wenigsten der vielen Zaungäste. Kurz geschorene Haare, eine eher schmächtige Figur. 1,75 Meter groß und 68 Kilogramm schwer soll er sein. Nach einer kurzen Begrüßung bei Trainer Thomas Schaaf lief er dem Rest der Mannschaft hinterher und reihte sich ein. Beim Abschlussspiel bildete er neben Lukas Schmitz, Per Mertesacker und Sokratis Papastathopoulus dann gleich mal den rechten Part der Viererkette.

Doch für das morgige Auftaktspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern sei er „ganz sicher noch keine Option“, so Allofs. Stattdessen sei die Verpflichtung Ignjovskis eine Zukunftsinvestition. Und zwar eine, bei der Werder „ein wenig kreativ sein musste“, um sie realisieren zu können, wie es Allofs gestern umschrieb. Denn in Zeiten, in denen der Etat nicht weiter belastet werden soll und darf, müsse man eben nach Alternativlösungen suchen. Nun ist – in Absprache mit dem Aufsichtsrat – offenbar eine solche gefunden worden. Wie genau dieses Modell aussieht, darüber wollte Allofs zwar keine Aussage machen. In verschiedenen Medien wird spekuliert, dass der Spieler 500.000 Euro kosten soll, die Transferrechte dafür allerdings bei einem Konsortium bleiben, das den Spieler auf der großen Bühne präsentieren will.

Ob genau das allerdings so schnell gelingen wird, bleibt abzuwarten. „Es ist eine Verpflichtung für jetzt und für die Zukunft“, sagte Thomas Schaaf nach dem gestrigen Training. Und: „Er ist ein junger Bursche mit viel Entwicklungspotenzial, technisch sehr beschlagen, das konnte man ja im Training auch schon sehen. Aber wir müssen uns alle ein bisschen bremsen.“ Eine Prognose, wann er Ignjovski erstmals in den Kader berufen wird, wollte Schaaf jedenfalls nicht abgeben.

Um 17:53 Uhr verließ Ignjovski gestern das Weserstadion. „Ich bin natürlich sehr glücklich, endlich hier zu sein. Das ist ein großer Schritt für meine Karriere“, sagte der Serbe, bedankte sich artig bei Trainer, Geschäftsführung und Aufsichtsrat dafür, dass der Transfer am Ende nun doch noch über die Bühne ging, und ließ anschließend gleich noch wissen, dass er sich einen Bundesliga-Einsatz durchaus bereits am zweiten Spieltag in Leverkusen vorstellen könne. „Am liebsten auf der Sechser-Position.“ Dort fühle er sich nämlich am wohlsten. Bei 1860 München hat er in den letzten beiden Jahren allerdings auch öfter als linker Außenverteidiger gespielt.

In den vergangenen Wochen hatte sich Ignjovski mit einem Privattrainer in Belgrad fitgehalten. „Die Situation war sehr anstrengend“, sagt der junge Serbe, der bei Werder künftig die Rückennummer 17 tragen wird und nun auch verriet, wie sehr er sich den Wechsel herbeigesehnt hatte. Denn Ignjovski gab gestern einen Einblick in seine persönliche Prioritätenrangfolge: „Werder war auf Platz eins, dann kamen drei freie Plätze und dann kamen irgendwann die anderen Angebote.“ Nun wurde seine Geduld doch noch belohnt. Drei Jahre läuft der Kontrakt mit Werder.

Als Klaus Allofs gestern den Trainingsplatz verließ, schickte er auch noch einmal einen Dank Richtung Aufsichtsrat. Fakt ist: Mit der Verpflichtung Ignjovskis wurde Schaaf und Allofs tatsächlich auch noch der letzte Wunschspieler zugestanden. Der Kader ist nun mehr als üppig besetzt, erst Recht, da die vor einigen Wochen noch zu befürchtenden Langzeitausfälle nun doch überraschend schnell zurückgekehrt sind.

Auch gestern trainierten Per Mertesacker, Naldo und Sebastian Prödl wieder voll mit. Der Kader ist nahezu auf allen Positionen doppelt, auf einigen sogar dreifach besetzt. „Zur Ruhe kommen, Spieler zählen“, sagte Allofs. Der Konkurrenzkampf ist in vollem Gange – und seit gestern, 13.46 Uhr, ist auch Aleksandar Ignjovski mittendrin.

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